Vorsorge

Bund der Versicherten schlägt Alarm: Lage von Lebensversicherern kritisch

Lesezeit: 3 min
25.06.2021 14:24
Lebensversicherer leiden seit längerem unter der Zinsflaute am Finanzmarkt, die sich in der Corona-Krise verfestigt hat. Jetzt schlagen Verbraucherschützer Alarm.
Bund der Versicherten schlägt Alarm: Lage von Lebensversicherern kritisch
Im Notfall braucht es eine Versicherung. Doch wie stark sind die Auswirkungen der Zinsflaute? (Foto: Pixabay)

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Der Bund der Versicherten (BDV) sieht die Krisenfestigkeit vieler deutscher Lebensversicherer kritisch. Fast die Hälfte der 80 untersuchten Unternehmen erreiche die erforderliche Mindestsolvenz nur mithilfe zulässiger Übergangsmaßnahmen oder der Einbeziehung der Kundengelder, hieß es in einer am Donnerstag veröffentlichten gemeinsamen Analyse des BdV und Zielke Research Consult.

Nach der Einführung neuer Kapital- und Aufsichtsregeln (Solvency II) in Europa müssen die Assekuranzen die Öffentlichkeit seit 2017 jährlich darüber informieren, ob sie Extremereignissen wie erheblichen Kursturbulenzen an den Kapitalmärkten oder dramatischen Naturkatastrophen gewachsen sind. Aufschluss über die Lage des Versicherers gibt unter anderem die Solvenzquote. Ein Wert von unter 100 gilt als kritisch. Die Unternehmen können dabei aber Übergangsmaßnahmen in Anspruch nehmen.

Kundengeld als Eigenmittel?

Zudem dürfen sie Kundengelder in Form von noch nicht zugewiesenen Überschüssen als Eigenmittel berücksichtigen. „Diese Möglichkeit sehen wir als problematisch an“, sagte BdV-Chef Axel Kleinlein. Das Geld, das eigentlich den Kunden gehöre, werde zur Solvenzsicherung gezählt. Erstmals wurde in der Analyse daher auch die Solvenz ohne Übergangsmaßnahmen und Kundengelder ermittelt. Diese Hürde würden demnach 42 der 80 untersuchten Lebensversicherer reißen.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bezeichnete die Methodik als willkürlich. „Der BdV stützt seine Aussagen zur Lebensversicherung nicht auf die durch Solvency II gesetzlich vorgegebene, sondern auf eine von Zielke Research Consult selbst ermittelte ,reine‘ Solvenzquote“, kritisierte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Der Verband teilt weiter mit: „Kein Kunde muss sich Sorgen um seine Lebensversicherung machen. Die garantierten Leistungen sind gesichert.“ Das gehe auch aus Prognoserechnungen der Finanzaufsicht Bafin hervor.

Versicherungsmathematiker erklärten, zwar hätten die Verwerfungen an den Kapitalmärkten infolge der Corona-Krise Spuren bei Versicherern hinterlassen. Die Marktsituation sei aus versicherungsmathematischer Sicht aber weiterhin sehr stabil. Berechnungen „reiner“ Solvenzquoten ohne Berücksichtigung der Übergangsmaßnahmen seien aufsichtsrechtlich keine validen Kennzahlen und „können sogar zu Fehlinterpretationen führen“, teilte die Deutsche Aktuarvereinigung mit. Die Verwendung der Übergangsmaßnahmen sei „das Ergebnis einer sorgfältigen Risikoanalyse und Unternehmensstrategie“.

Lebensversicherer leiden unter der Zinsflaute am Finanzmarkt, die sich in der Corona-Krise verfestigt hat. Die Finanzaufsicht hatte zuletzt rund 20 von 80 Unternehmen unter verschärfter Beobachtung.


Mehr zum Thema:  

AS
Börse
Börse Wie globale Finanzkrisen entstehen – und wie man den drohenden Crash erkennt

Finanzkrisen treten immer wieder auf. Die Börsenkurse stürzen dann innerhalb kürzester Zeit ins Bodenlose. Doch was sind die Auslöser...

AS
Vorsorge
Vorsorge Immobilie, Aktie oder doch Riester? Wie die Deutschen gerne die Rentenlücke schließen würden

Garantierte Renten und Immobilien sind am beliebtesten, doch aktienbasierte Anlageformen gewinnen an Bedeutung. Die Mehrheit wünscht sich...

AS
Geldanlage
Geldanlage Stablecoins auf dem Prüfstand: Möglicher Hinweis auf umfassendere Regulierung von Kryptowährungen

Regierungen beobachten das Wachstum von Stablecoins mit Sorge. Dabei handelt es sich um eine Form digitaler Vermögenswerte, die das...

AS
Immobilien
Immobilien So schützen sich Hauskäufer vor dem Platzen der Immobilienblase

Die Wohnimmobilienpreise steigen derzeit so kräftig wie nie. Doch damit könnte bald Schluss sein. Experten mahnen zur Vorsicht beim...

AS
Geldanlage
Geldanlage Goldanleger sind frustriert, weil sie eigentlich recht hatten

Um sich gegen Inflation abzusichern, haben Investoren im letzten Jahr im großen Stil Gold gekauft. Und sie hatten recht, die Inflation ist...

AS
Immobilien
Immobilien Steigende Energiepreise sorgen für dramatische soziale Schieflage

Für Gas, Strom und Sprit müssen Kunden immer tiefer in die Tasche greifen. Das alarmiert Sozialverbände und Verbraucherzentralen, denn...

AS
Geldanlage
Geldanlage Wie der US-Dollar über 90 Prozent seiner Kaufkraft verlor

Der US-Dollar ist noch immer die wichtigste Währung der Welt. Der heutige Dollar ist jedoch nur noch einen Bruchteil dessen wert, was er...

AS
Vorsorge
Vorsorge Deutsche verlieren massiv Vertrauen in gesetzliche Rente

Die Zahl der Menschen im Rentenalter nimmt stark zu, während die Erwerbstätigen immer weniger werden. Gleichzeitig schrumpft das...

AS
Immobilien
Immobilien Studis aufgepasst: Hier könnt Ihr Euch das Wohnen noch leisten

Es geht wieder los: Mit Anfang Oktober strömen Studentinnen und Studenten zurück in die Universitäten. Ausschlaggebend für den Wohnort...

AS
Börse
Börse Konzern braucht Geld: Handel mit Evergrande-Aktien ausgesetzt

Der chinesische Immobiliengigant ist mit mehr als 300 Milliarden US-Dollar verschuldet. Rating-Agenturen warnen vor einer...

AS
Geldanlage
Geldanlage Evergrande-Krise in China: Spielball der Politik – und ansteckend?

Die Geschichte des Zahlungsausfalls von Evergrande ist mehr als nur die Geschichte eines einzelnen Immobilienunternehmens, was unter der...

AS
Vorsorge
Vorsorge Massive Steigerung: Rentner zahlen fast 100 Milliarden an Steuern und Abgaben

Eine der wichtigsten Aufgaben der neuen Bundesregierung wird es sein, das marode Rentensystem zu reformieren. Die Abgabenlast steigt enorm...