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Deutsche Ehen werden immer später geschieden

Lesezeit: 4 min
11.08.2021 17:38
In Deutschland gibt es wieder weniger Scheidungen. Zudem kommt das Ehe-Aus im Schnitt deutlich später. Welche Auswirkungen die Corona-Pandemie auf die Ehe hat, verraten Paartherapeuten?
Deutsche Ehen werden immer später geschieden
Das Ehe-Aus kommt heutzutage immer später als noch vor 25 Jahren. (Foto: iStock.com/mofles)
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In Deutschland lassen sich wieder etwas weniger Menschen scheiden. So wurden im vergangenen Jahr rund 143.800 Paare richterlich getrennt. Damit sank die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um knapp 5200 oder 3,5 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Abgesehen von einer leichten Zunahme 2019 ist die Anzahl der Ehescheidungen seit 2012 stetig gesunken.

Konkrete Angaben über einen Corona-Effekt können die Statistiker für das Jahr 2020 noch nicht machen: „Das wird sich vermutlich erst in den nächsten Jahren zeigen, da einer Scheidung in der Regel eine Trennungszeit von mindestens einem Jahr vorausgeht“, hieß es.

Höhere Nachfrage bei Paartherapeuten

Nachfrage bei der Familienanwältin Alicia von Rosenberg aus Berlin, die – wie sie sagt – während der Pandemie mehr Anfragen bekommen hat: „Ich habe auch mehr Verfahren eingeleitet, die sind aber noch nicht alle abgeschlossen“, erklärt sie. So könne es etwa nach wie vor coronabedingte Verzögerungen bei den Gerichten geben. Manch ein Paar habe sich in der Pandemie vielleicht auch übereilt zu einer Scheidung entschlossen und merke nun, dass es sich gar nicht trennen wolle. „Dafür gibt es ja auch das Trennungsjahr“, so die Juristin.

Auch Paartherapeut Bernd Böttger verzeichnete in der Corona-Zeit eine höhere Nachfrage. „Einige Paare konnten das erzwungene Zusammensein mit Lockdown, Homeoffice und Homeschooling nicht aushalten, da ist eine toxische Nähe entstanden.“ Andererseits habe es Paare gegeben, die schon vor der Pandemie zu ihm gekommen seien und dann durch Corona eine neue Nähe entwickelt hätten. „Sie haben von der Ausnahmesituation profitiert“, sagt Böttger, der seit über 20 Jahren das Institut für Paartherapie in Frankfurt leitet.

Auffällig ist, dass das Ehe-Aus heute später kommt als noch vor 25 Jahren. Laut Statistik waren die im vergangenen Jahr geschiedenen Paare im Schnitt 14 Jahre und 8 Monate verheiratet. Rund 17 Prozent hatten zuvor bereits die Silberhochzeit hinter sich gebracht. 1995 wurden die Ehen bereits nach etwa 12 Jahren geschieden. Nur etwa jedes zehnte Paar war bereits 25 Jahre oder länger verheiratet.

Mut zur späteren Trennung

„Die Lebenszeit hat sich nach hinten verlängert“, sagt der Bielefelder Paartherapeut Detlef Vetter. Somit stelle sich die Frage: Will ich mit meinem Partner oder meiner Partnerin auch noch 20 Jahre nach der Rente zusammenleben? Seine Praxis würden auch zunehmend ältere Menschen aufsuchen. Sein Kollege Böttger ergänzt: Heutzutage hätten mehr Paare den Mut, sich später zu trennen. Früher seien viele auch aus wirtschaftlichen Gründen zusammengeblieben.

Der Statistik zufolge endet in vielen Fällen nicht nur die Ehe, sondern es werden auch Familien entzweit: Etwa die Hälfte der Paare hatte noch nicht erwachsene Kinder. Insgesamt waren etwa 119.000 Minderjährige betroffen. Unter den geschiedenen Ehen gab es 2020 auch etwa 900 gleichgeschlechtliche Paare. Ein Jahr zuvor waren es nur 100 gewesen. Die „Ehe für alle“ war im Herbst 2017 eingeführt worden.

Dass die Zahl der Scheidungen seit Jahren – mit kleiner Ausnahme – stetig zurückgeht, ist für Therapeut Böttger „erstmal eine gute Nachricht“. Diese Entwicklung hänge auch damit zusammen, dass sich immer mehr Paare professionelle Hilfe suchten. „Die Paartherapie ist hoffähig geworden.“

Das Bundesamt hatte zuvor bereits Daten zu den Hochzeiten im Corona-Jahr veröffentlicht. Demnach ließen sich rund 373.000 Paare (minus zehn Prozent) standesamtlich trauen. Diese Zahl könne nicht direkt in Relation zu den Scheidungen im Jahr 2020 gesetzt werden, so die Statistiker. Die Scheidungsziffer der vergangenen Jahre habe aber gezeigt, dass etwa jede dritte Ehe geschieden werde. (dpa)


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