Vorsorge

Studie: Grundrente ist doppelt ungerecht

Lesezeit: 3 min
11.02.2021 18:17
Die zu Jahresbeginn von der großen Koalition eingeführte Grundrente leidet nach einer Experten-Analyse an gravierender sozialer Schieflage: Viele Arme gehen demnach leer aus, doch es profitieren viele vermögende Ruheständler.
Studie: Grundrente ist doppelt ungerecht
1,3 Millionen Menschen sollen von der Grundrente profitieren. (Foto: Pixabay)

Die Ungerechtigkeit trifft vor allem viele arme Rentnerinnen, die keinen Anspruch auf die Grundrente haben, weil ihnen Beitragsjahre fehlen, heißt es in einer Studie des Max-Planck-Instituts für Sozialrecht und Sozialpolitik (MPISOC) in München. Auf der anderen Seite haben demnach viele wohlhabende Menschen Anspruch, deren Vermögen nicht angerechnet wird – beispielsweise das eigene Heim oder eine Lebensversicherung.

„Die Grundrente schafft auf zwei Arten neue Ungerechtigkeiten“, kritisiert Rentenfachmann Axel Börsch-Supan, der das „Center for the Economics of Aging“ an dem Münchner Forschungsinstitut leitet. Demnach hat knapp ein Viertel der als arm eingestuften Rentnerinnen und Rentner keinen Anspruch auf die Grundrente.

Auf der anderen Seite aber können laut Studie viele Menschen Grundrente beziehen, die keineswegs arm sind: Fast 70 Prozent der Empfänger hätte demnach keinen Anspruch auf die Grundrente, wenn das eigene Vermögen angerechnet würde.

Ein gutes Fünftel der Berechtigten gehört demnach zur reicheren Hälfte der deutschen Rentnerschaft. Fast zehn Prozent der Grundrentenempfänger sind laut Max-Planck-Studie sogar so wohlhabend, dass ihr Einkommen den Medianwert um das Doppelte übersteigt – also die Einkommensschwelle exakt in der Mitte, die die reichere von der ärmeren Hälfte trennt. Das Fazit der Wissenschaftler: „Das neue Gesetz erreicht zu wenige Personen, die Unterstützung benötigen, und gewährt zu vielen Personen Leistungen, die keine Hilfe benötigen.“

Die Grundrente gibt es offiziell seit 1. Januar, Rund 1,3 Millionen Menschen können mit dem Zuschlag rechnen – darunter 70 Prozent Frauen.

Die Grundrente war eines der Hauptprojekte der SPD in der großen Koalition. Gut 1,3 Millionen Menschen sollen davon profitieren, allerdings hatte die Rentenversicherung angekündigt, dass die Auszahlung nicht zum Jahresbeginn starten kann. Die Empfänger müssen mindestens 33 Jahre Beiträge eingezahlt haben – ein Grund, warum nach Analyse der Max-Planck-Wissenschaftler so viele Frauen herausfallen.

***

Altersvorsorge-neu-gedacht.de ist eine Publikation von Bonnier Business Press Deutschland und ist Ratgeber zu den Themen Vorsorge und Geldanlage.

ANG
Karriere
Karriere Volkswagen: „Porsche-Börsengang gibt uns finanzielle Kraft“

Porsche ist an die Börse gegangen. Das dürfte wohl noch hohe Wellen schlagen.

ANG
Karriere
Karriere Studie: Höherer Mindestlohn gut für rund 6,6 Millionen Beschäftigte

Mehrere Millionen Menschen dürften hierzulande nach Schätzungen des WSI von der Anhebung des Mindestlohns profitieren.

ANG
Vorsorge
Vorsorge Frugalismus – ein Trend für jedermann?

Möglichst viel sparen, um möglichst früh in Rente zu gehen? Das ist das Ziel der Frugalisten. Doch dieser Weg erfordert eiserne...

ANG
Geldanlage
Geldanlage Gold anonym kaufen: Wo ist das noch möglich?

Der anonyme Goldkauf ist in Deutschland bloß unter einem Betrag von 2000 Euro erlaubt. In anderen europäischen Ländern liegt die Grenze...

ANG
Börse
Börse Agrar-ETFs: Sinnvolles Investment in die Ernährung der Zukunft?

Steigende Nahrungsmittelpreise, zunehmende Dürren und eine wachsende Weltbevölkerung – die Landwirtschaft der Zukunft muss sich an...

ANG
Geldanlage
Geldanlage Aktien waren gestern - hier kommen fünf unkonventionelle Geldanlagen

Nicht immer müssen profitable Investments nur an der Börse vorhanden sein.

ANG
Immobilien
Immobilien Lohnt sich der Teilverkauf einer Immobilie?

Die Inflation ufert aus und die gesetzliche Rente gerät immer mehr unter Druck. Manche Senioren verkaufen darum einen Teil der eigenen...

ANG
Geldanlage
Geldanlage Private Equity: Der Rendite-Booster fürs Portfolio?

Investments in nicht-börsengelistete Firmen haftet etwas Exklusives an. Zudem versprechen die Fondsanbieter hohe Renditen. Ist da was dran?