Geldanlage

Studie - Inflation frisst globale Vermögenszuwächse auf

Lesezeit: 2 min
18.10.2023 14:48
Angesichts hoher Inflation und Jobängste stehen Deutsche Sparer vor finanziellen Herausforderungen. Eine Studie der Allianz erläutert die Änderungen im Konsum- und Sparverhalten der Deutschen.
Studie - Inflation frisst globale Vermögenszuwächse auf
Einige Anleger fragen sich, ob sie weiterhin für ihre Altersvorsorge sparen sollen. (Foto: istockphoto.com/ KanawatTH)
Foto: KanawatTH

Die privaten Haushalte haben im vergangenen Jahr mit ihren Geldanlagen nach einer Allianz-Studie weltweit so viel verloren wie seit der globalen Finanzkrise 2008 nicht mehr. Das Geldvermögen schrumpfte 2022 um 2,7 Prozent auf 233 Billionen Euro, wie der Versicherungsriese in seinem jährlichen „Global Wealth Report“ errechnet hat. In Deutschland stand sogar ein Minus von 4,9 Prozent zu Buche, mehr als 2008 (4,5 Prozent). „2022 war für die Sparer ein Jahr des Schreckens“, sagte Allianz-Chefvolkswirt Ludovic Subran am Dienstag.

Die Inflation habe zwei Drittel der Vermögenszuwächse seit 2019 ausradiert. Von einem Zuwachs von nominal 19 Prozent seien real nur 6,6 Prozent übriggeblieben. „Inflationsbereinigt sind die Sparer ärmer als vor der Pandemie.“ In Westeuropa und vor allem in Deutschland stünden die privaten Haushalte wegen der Preissteigerungen sogar schlechter da als 2019. Das reale Geldvermögen sei in der Region um 2,6 Prozent zurückgegangen, in Deutschland um 2,2 Prozent. „Jahrelang haben sich die Sparer über die Nullzinsen beschwert. Doch der wahre Feind der Sparer ist die Inflation“, sagte Subran.

Netto haben die Deutschen nach Berechnungen der Allianz pro Kopf 63.540 Euro an Bargeld, Bankeinlagen, Wertpapieren und Versicherungs-Ansprüchen auf der hohen Kante. Damit seien sie im vergangenen Jahr noch hinter Österreich (65.330 Euro) auf Platz 19 weltweit zurückgefallen. Unangefochten an der Spitze liegen die USA (253.450 Euro) vor den Schweizern (238.780 Euro) - mit weitem Abstand vor dem Rest der Welt.

Hoffnung für Anleger

Die Einbußen bei Wertpapieren wie Aktien, Anleihen und Fonds haben die Deutschen aber nicht wieder von den Kapitalmärkten vertrieben, an die sie sich seit den Pandemie-Jahren zunehmend wagen, wie die Allianz betonte. 37 Prozent des neu angelegten Geldes flossen 2022 in Kapitalmarktprodukte, vornehmlich in Fonds. Deshalb macht die Allianz den Anlegern auch Hoffnung. Im Jahr 2023 dürfte das Geldvermögen vor allem wegen der steigenden Börsen global um sechs Prozent zulegen, in Deutschland um drei Prozent. Angesichts der fortwährenden Inflation sei das freilich ein Nullsummenspiel. "Die sorglosen Jahre sind vorbei, ein neues Kapitel ist aufgeschlagen", sagte Subran.

Fondssparpläne sind flexibel

Die weiterhin relativ hohe Inflationsrate drückt auf die Stimmung der Deutschen. Die zusätzliche Sorge vor Jobverlust und Unternehmensinsolvenzen hat ihre Konsumlaune ebenfalls deutlich gedämpft. Da viele Bürger mit einer Verschlechterung ihrer finanziellen Lage rechnen, werden Anschaffungen oft zurückgestellt. Das zeigen die Ergebnisse der monatlichen Konsumklimastudie des Konsumforschungsunternehmens GfK. Meistens bleibt der Spargroschen für den Notfall auf dem Girokonto oder einem Tagesgeldkonto liegen.

Einige Anleger fragen sich darüber hinaus, ob sie weiterhin für ihre Altersvorsorge sparen sollen, zum Beispiel mit einem Fondssparplan. Fondssparpläne bieten Anlegern die Flexibilität, ihre Einzahlungen je nach aktueller Lage zu verändern. Bei finanziellen Engpässen ist es auch möglich, den Sparplan vorübergehend zu pausieren und anschließend fortzuführen. Im Notfall können Sparer grundsätzlich börsentäglich über ihr angespartes Kapital verfügen.

Anleger können über Sparplanrechner verschieden Szenarien errechnen. Fondssparpläne sind auch schon mit weitaus geringeren monatlichen Beträgen möglich. Um den oder die passenden Fonds auszuwählen, können sich Anleger an ihren Berater wenden. (mit Reuters/bvi)

***

Altersvorsorge-neu-gedacht.de ist eine Publikation von Bonnier Business Press Deutschland und ist Ratgeber zu den Themen Vorsorge und Geldanlage.

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.
ANG
Vorsorge
Vorsorge Streit um Habeck-Vorstoß zu Sozialabgaben auf Kapitalerträge
14.01.2025

Grünen-Kanzlerkandidat Robert Habeck möchte Kapitalerträge zur Finanzierung der Sozialversicherung heranziehen. Während der Vorstoß...

ANG
Geldanlage
Geldanlage Immobilien, Gold und Tagesgeld: Beliebteste Anlageformen 2025
11.01.2025

Die Sicherheit steht bei deutschen Anlegern hoch im Kurs. Nur 19 Prozent sind bereit, ein höheres Risiko für mehr Rendite einzugehen –...

ANG
Geldanlage
Geldanlage J.P. Morgan Asset Management: 10 Thesen zu Zinsen und Zöllen im Jahr 2025
07.01.2025

Die Kapitalmärkte stehen 2025 vor entscheidenden Weichenstellungen: Zinsen und Zölle könnten globale Handelsströme und...

ANG
Geldanlage
Geldanlage Giropay-Aus: Wero tritt gegen PayPal und andere US-Anbieter an
03.01.2025

Giropay wird zum Jahresende 2024 eingestellt, doch mit Wero soll ein neues Kapitel beginnen. Der europäische Bezahldienst will eine...

ANG
Vorsorge
Vorsorge Union will private Altersvorsorge mit "Frühstart-Rente" stärken
31.12.2024

Die Union plant mit der "Frühstart-Rente" eine staatlich geförderte Altersvorsorge für Kinder. Ziel ist es, frühzeitig Vermögen...

ANG
Immobilien
Immobilien Luxusimmobilien 2024: Die zehn teuersten Häuser und Wohnungen Deutschlands
27.12.2024

Im Jahr 2024 wurden in Deutschland Rekordpreise für Luxusimmobilien erzielt. Spitzenpreise von bis zu 15,8 Millionen Euro wurden für ein...

ANG
Börse
Börse Dax stabilisiert sich: Jahresbilanz glänzt trotz Unsicherheiten
27.12.2024

Die Handelswoche endet ruhig: Der Dax zeigt sich stabil, während der MDax leicht nachgibt. Nach einem Rekordhoch im Dezember bleibt...

ANG
Börse
Börse US-Börsen stabilisieren sich: Technologieaktien führen Erholung an
24.12.2024

Nach einem turbulenten Start erholen sich die US-Börsen: Der Dow Jones steigt leicht, während Technologieaktien wie Broadcom und Qualcomm...