Börse

Ein ultimativer „Index für alles“ soll alle Finanzmärkte der Welt abbilden

Lesezeit: 3 min
20.07.2021 11:15  Aktualisiert: 20.07.2021 11:15
Die Zahl der Indizes hat über die Zeit immer weiter zugenommen. Doch was noch fehlt ist ein Fonds, der den gesamten Investmentmarkt repräsentiert und auf dessen Grundlage die meisten Anleger investieren können. Es soll der "heilige Gral" der Geldanlage werden.
Ein ultimativer „Index für alles“ soll alle Finanzmärkte der Welt abbilden
Der "Index für alles" soll das Investieren für alle erleichtern. (Bild: Pixabay)

Der New Yorker Finanzdienstleister MSCI - neben FTSE Russell und S&P Dow Jones Indices einer der drei großen Anbieter von Indizes - arbeitet derzeit an einem "ultimativen Index". Dieser soll die Performance aller globalen Märkte abbilden.

Das Erstellen von Indizes - das sogenannte Indexing - ist ein boomendes Geschäft, das auf großes Interesse bei Investoren stößt. Dabei werden die Finanzmärkte nach bestimmten Kriterien aufgeteilt, etwa nach geografische Regionen, nach Anlageklassen wie Aktien, Anleihen oder Rohstoffen, nach der Wirtschaftsbranche, in die investiert wird, oder nach der Größe der ausgewählten Unternehmen. Die verschiedenen Indizes dienen dann den Fondsmanagern dann als Benchmark oder als Grundlage für angebotene Finanzprodukte.

Das Erstellen von ganz verschiedenen Indizes hat sich als relativ einfach sowie als sehr beliebt bei Investoren erwiesen. Sie ermöglicht einem Anleger zum Beispiel die Geldanlage in einem bestimmten Sektor der Wirtschaft, ohne dass Vermögensverwalter oder gar der Anleger selbst bestimmte Aktien oder Anleihen auswählen muss. Die Investition erfolgt algorithmisch mithilfe des entsprechenden Index.

Viel schwieriger als das Erstellen von Indizes für bestimmte Teile des Marktes ist es jedoch, einen Index für den Gesamtmarkt aller Märkte zu entwickeln. "Das ist der heilige Gral", zitiert die Financial Times Mark Makepeace, den Chef des Indexanbieters Wilshire. "Es löst ein Kernproblem des Investierens und wäre von enormem Nutzen."

Als Mark Makepeace den Index FTSE Russell leitete, tat sich die Gruppe mit dem Nobelpreisträger und Stanford-Wirtschaftsprofessor William Sharpe zusammen, um ein adaptives Asset-Allokations-Tool zu entwickeln, das die Idee eines ultimativen Index in Angriff nahm, aber nur Aktien und Anleihen umfasste. Ein echter ultimativer Index würde weiter gehen und andere große Anlageklassen wie Rohstoffe und sogar Vermögenswerte, die nicht an der Börse gehandelt werden, wie Immobilien, Infrastruktur, Bankkredite und Unternehmensbeteiligungen einbeziehen.

Peter Shepard, Leiter der Analyseforschung und Produktentwicklung bei MSCI arbeitet seit mehr als einem Jahrzehnt an der Erstellung eines solchen Index. Er glaubt, dass er dem Ziel nahe ist, obwohl er das Endergebnis nicht als einen "ultimativen Index" bezeichnen will.

Bevor er im Jahr 2007 zu MSCI kam, war Peter Shepard theoretischer Physiker in Berkeley. Er verbrachte einen Großteil seiner Zeit damit, eine vereinheitlichende Theorie für die gesamte Physik zu finden. "Ich denke, dass wir vielleicht irgendwann eine große vereinheitlichte Theorie der Physik finden können, aber wir werden nicht in der Lage sein, eine große vereinheitlichte Theorie der Märkte zu finden", sagte er der Financial Times.

Die Standard-Benchmark der Investmentbranche ist seit langem das 60/40-Portfolio - 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen. Der US 60/40-Fonds von Vanguard hat in den letzten zwei Jahrzehnten eine Rendite von 168 Prozent erzielt. Doch was in einen breiteren Index einfließen soll, wird heiß diskutiert, und wie man ihn konstruiert, ist mit praktischen Komplikationen bei der Beschaffung zuverlässiger, aktueller Daten in Bereichen wie den privaten Märkten verbunden.

Trotzdem ist Shepard davon überzeugt, dass sie einbezogen werden müssen. Laut Morgan Stanley hat Private Equity in den letzten 15 Jahren im Durchschnitt etwa 12 Prozent pro Jahr eingebracht und Private Debt etwa 8 Prozent. "Wenn man private Anlagen aus diesem platonischen Ideal ausklammert, lässt man eine ganze Menge an Performance zurück", so Shepard. Selbst wenn man eine vernünftige Mischung von Anlageklassen findet, ist eine Sortierung nach geografischen und anderen Faktoren nicht einfach.

  • Was ist die beste Mischung aus amerikanischen, europäischen, chinesischen oder brasilianischen Aktien?
  • Wie hoch sollte das Engagement in größeren oder kleineren Aktien sein?
  • Sollte die Anleihenallokation nach dem Emissionsvolumen gewichtet werden - wie es bei festverzinslichen Benchmarks üblich ist - oder gibt es einen intelligenteren Weg?

Die optimalen Antworten auf diese Fragen sind noch ungewiss, aber Einfachheit und Transparenz seien entscheidend, so Shepard. "Ich könnte mit einer großartigen Blackbox aufwarten, aber wenn man sie nicht versteht, wird man ihr nicht vertrauen und sie nicht nutzen." Doch der Forscher glaubt, dass von den vielen Möglichkeiten, wie ein Chief Investment Officer Mehrwert schafft, einige standardisiert werden können.

Wenn der Index gut konstruiert ist, könnte er die Grundlage für billige, aber leistungsstarke Anlageprodukte bilden, indem es die oft mühsame und teure Aufgabe vereinfacht, Geld zwischen verschiedenen Märkten aufzuteilen.

Denn zwar sind die Kosten für die Investition in einzelne Anlageklassen dank der Erfindung von Indexfonds stark gesunken. Doch die Entscheidung darüber, wie man die Anlageklassen mischt, wird oft einem teuren Finanzberater oder, im Falle eines Pensionsplans, einem Team von teuren Fachleuten überlassen.

Wenn man eine breit angelegte investierbare Benchmark für alle Vermögenswerte zusammenstellen könnte - ein echtes Abbild dessen, was Sharpe in den 1960er Jahren als "Marktportfolio" bezeichnete, dann könnte man vielleicht ein einziges, einfaches Finanzprodukt schaffen, das für die meisten Anleger geeignet ist.

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