Geldanlage

ARERO – der Weltfonds: Mit einem Produkt in die wichtigsten Assetklassen investieren

Lesezeit: 7 min
02.05.2022 15:17  Aktualisiert: 02.05.2022 15:17
Aktien, Anleihen und Rohstoffe in einem Fonds? Der ARERO könnte für alle Anleger interessant sein, die ihr Kapital gern maximal diversifizieren, aber nicht in zu viele Produkte investieren möchten. Außerdem hat der Fonds noch einen wissenschaftlichen Hintergrund.
ARERO – der Weltfonds: Mit einem Produkt in die wichtigsten Assetklassen investieren
Der ARERO bietet in einem Produkt Anlagen in Aktien, Renten und Rohstoffe. (Foto: iStock.com/ktsimage)
Foto: ktsimage

Am 15. September 2008 brach die US-Großbank Lehman Brothers zusammen, womit die Finanz- oder Subprime-Krise ihren Höhepunkt erreichte. Am 20. Oktober 2008 erschien von Ökonomen der Universität Mannheim der Aufsatz: „Wie diversifiziere ich richtig?“ Es war eine Diskussion zur Konstruktion eines „Weltportfolios“. Am selben Tag wurde ein Fonds aufgelegt, der auf diesen Ideen basiert: der ARERO. Sein „Vater“: Professor Martin Weber.

AReRo steht für Aktien, Renten (Staatsanleihen) und Rohstoffe. Dieser Weltfonds steht für starke Streuung, niedrige Kosten und passive Anlagephilosophie. 60 Prozent des Portfolios sind in mehrere Tausend Aktien der Industrie- und Schwellenländer der Welt investiert, 25 Prozent in Staatsanleihen der Eurozone und 15 Prozent in einen breiten Rohstoffkorb.

Die passive Anlagephilosophie bedeutet: Der ARERO wählt nicht aktiv aus, sondern investiert in die Märkte insgesamt. Er betreibt also kein „Stock Picking“ und versucht auch nicht, geeignete Zeitpunkte zum An- oder Verkauf zu ermitteln, verzichtet also auf „Market Timing“. Die Renten sind der Sicherheitsbaustein im Portfolio. Daher legt der Fonds nur in EU-Staatsanleihen an, um ein Währungsrisiko auszuschließen. Für einen breiten Rohstoff-Korb bildet er den weltweiten Index „Bloomberg Commodity“ ab. Und in die großen und mittleren Aktien der Welt investiert der ARERO über die günstigen Indizes von Solactive für die Regionen Nordamerika, Europa, Pazifik und Schwellenländer.

Die jährlichen Kosten betragen nur 0,5 Prozent. Dafür erhält man eine Diversifikation über drei Anlageklassen und zwei Mal im Jahr ein gebühren- und steuerfreies Rebalancing, das die gewünschte Verteilung wiederherstellt. Der ARERO gewichtet nicht nach Marktkapitalisierung der Unternehmen, sondern bildet „die rauchenden Schornsteine der Welt“ nach Brutto-Inlandsprodukt ab.

Zum Team des ARERO gehört Prof. Dr. Christine Laudenbach. Sie beantwortet im Interview Fragen zum Weltfonds, der seit knapp zwei Jahren auch einen nachhaltigen Bruder hat.

Altersvorsorge Neu Gedacht: Frau Prof. Laudenbach, der AReRo-Fonds vereint 60 Prozent Aktien, 25 Prozent Renten/Anleihen und 15 Prozent Rohstoffe. In die drei Anlageklassen investiert er auf der Grundlage von Indizes nach passiver Strategie. Mit welchem Schlagwort lässt sich der ARERO am besten erfassen: Mischfonds, Dachfonds? Mix-Indexfonds(-ETF), Portfolio-ETF? Fonds eigener Art?

Prof. Dr. Christine Laudenbach: Was bei ARERO im Fokus steht, ist der Gedanke, Anlegern ein Produkt zu bieten, durch das sie sich um möglichst wenig kümmern müssen. Anlageregionen und Anlageklassen werden in einem wissenschaftlich erprobten Mischverhältnis kombiniert, das Portfolio wird halbjährlich rebalanced und Dividenden werden automatisch reinvestiert. Anleger sollen mit einer Zeile in ihrem Wertpapierdepot ein einfach und günstig zu führendes, breit diversifiziertes Portfolio erhalten. Vielleicht könnte man ARERO daher als „Basispaket“ bezeichnen.

Wenn man auf der Seite arero.de nach dem Punkt „Altersvorsorge“ sucht, findet man nur einen Punkt bei „Kaufen“ und gelangt von dort zu „Fondsgebundene Versicherungen mit ARERO“. Warum schreiben Sie nicht mehr zur Altersvorsorge mit ARERO? Oder ist dieser Punkt schon von den anderen Ausführungen umfasst?

Unter dem Punkt „Altersvorsorge“ fokussieren wir uns in der Tat auf die Einbindung von ARERO in spezielle Produkte der Rentenfinanzierung. Natürlich kann man ARERO auch außerhalb dieser Produkte für die Altersvorsorge nutzen. Für mehr Informationen, auch zum Investieren im Zeitablauf, steht auf der ARERO-Website in der Downloads-Sektion übrigens das e-Book „Genial einfach investieren“ kostenlos zur Verfügung. Wer noch mehr Informationen zur Altersvorsorge sucht, der kann im Buch, „Die genial einfache Vermögensstrategie“, das wir als ARERO-Team gemeinsam geschrieben haben, unter anderem auch ein Kapitel zu Entsparstrategien im Alter finden.

Das Team bezeichnet den ARERO als Basis-Investment oder Basis-Versorgung. Das erinnert ein wenig an „Grundversorgung“. Was könnten Sie als Ergänzung zum ARERO empfehlen?

Das ist natürlich eine sehr persönliche Frage, die jeder ganz für sich beantworten muss. Grundsätzlich ist ARERO so konzipiert ist, dass er bereits ein möglichst breites Anlagespektrum abdeckt. In der Realität haben die meisten Anlegerinnen und Anleger jedoch Vermögen, dass auch außerhalb von Fonds investiert ist, zum Beispiel Immobilien oder ein kleines Aktienportfolio „zum Spaß“. Theoretisch verlieren Anlegerinnen und Anleger mit einem kleinen Aktienportfolio zwar Diversifikationspotenzial und akzeptieren Transaktionskosten, haben aber Spaß daran und treffen diese Entscheidung also bewusst.

Könnte es bei der Altersvorsorge eine Idee sein, das Risiko des ARERO in jungen Jahren über einen Welt-Aktien-ETF zu erhöhen und mit heranrückendem Ruhestand den Anteil der Euro-Staatsanleihen auszuweiten?

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, Risikopräferenzen im Zeitablauf abzubilden. Die Frage, ob der Aktienanteil im Alter sinken, gleichbleiben oder gar steigen sollte, kann man nicht pauschal beantworten. Worüber in der Forschung jedoch Einigkeit besteht, ist, dass die richtige Strategie von den persönlichen Lebensumständen abhängt. Wenn man beispielsweise im Alter ohnehin großzügige Rentenzahlungen erhält und plant, seine Wertpapiere nicht zu verkonsumieren, sondern diese an seine Kinder zu vererben, sollte die Entscheidung wahrscheinlich anders aussehen, als wenn man keine externen Rentenzahlungen erhält, sondern sich komplett auf die Aufzehrung seiner Wertpapierbestände verlassen muss.

Der Aktien-Anteil des ARERO bildet die Industrie- und Schwellenländer der Welt ab, seit 2018 nach Indizes von Solactive statt vorher MSCI. Dieser Index-Anbieter und die britische FTSE haben russische Aktien aus ihren Schwellenmarkt-Indizes entfernt. Gilt das auch für Solactive?

Gegenwärtig werden neue Mittel bei ARERO nicht in zusätzliche Russlandtitel investiert.

Seit der Auflegung am 20. Oktober 2008 hat ARERO eine jährliche Rendite von 7,2 Prozent im Schnitt erzielt. Kumuliert sind das 154 Prozent. Mit einem reinen Investment in Gold hätte man im selben Zeitraum 142 Prozent Gewinn erzielt. Der Welt-Aktienindex MSCI ACWI erbrachte in der Zeit dagegen mehr als 200 Prozent Rendite. Das defensive Gold schnitt also nicht viel schlechter ab, Aktien dagegen um einiges besser. Warum soll man trotzdem mit dem ARERO maximal diversifizieren?

Was in dieser Betrachtung noch unbedingt ergänzt werden muss, ist das Risiko der verschiedenen Anlagen. Denn auch wenn Gold aktuell ganz gut dasteht, hat es über die 2010er-Jahre hinweg nicht immer rosig ausgesehen. Ironischerweise wurde daher in der Vergangenheit gerade die Rohstoffkomponente bei ARERO gelegentlich in Frage gestellt. Aber genau das ist ja der Sinn der Diversifikation: mal läuft die eine Anlage besser, mal die andere. Im Nachhinein wäre es natürlich immer am besten gewesen, ausschließlich in die Anlage zu investieren, die am besten performt hat. Im Vorhinein kann aber eben niemand wissen, welche Anlage das ist. Die Gewichtung der Anlageklassen in ARERO folgt den Ergebnissen einer Untersuchung, in der langfristige historische Rendite-Risiko Verhältnisse von Portfolios mit verschiedenen Gewichtungen miteinander verglichen wurden. Insbesondere im Verhältnis zur hundertprozentigen Fokussierung auf eine einzige Anlageklasse konnte das Mischverhältnis von ARERO große Zugewinne in Sachen Rendite-Risiko-Verhältnis vorweisen.

Es gibt im Netz eine Reihe von Anleitungen zum „ARERO Marke Eigenbau“. Das soll dasselbe Ergebnis kostengünstiger erreichen. Worin sehen Sie im Vergleich die Hauptvorteile des Fonds? Im Rebalancing, das er zweimal im Jahr ohne zusätzliche Kosten durchführt? In der Gewichtung nach Brutto-Inlandsprodukt? Oder in noch anderem?

Zusätzlich zum automatischen Rebalancing und der Gewichtung nach BIP kann ARERO gegenüber einem selbst nachgebauten Portfolio auch noch steuerliche Vorteile haben. ARERO wird aufgrund seiner Aktienmindestquote von 50% steuerlich als Aktienfonds klassifiziert, wodurch Anleger von einer steuerlichen Teilfreistellung von 30% auf Kursgewinne profitieren. Diese gilt auch für die Renten- und Rohstoffkomponenten. Wenn Anleger den Fonds selbst nachbauen würden, wären die Gewinne von Renten- und Rohstofffonds nicht teilfreigestellt, sondern müssten in voller Höhe besteuert werden. Zudem kann ARERO helfen, die Anlagedisziplin aufrecht zu erhalten und spart zudem Arbeit und Transaktionskosten.

Seit Ende Juni 2020 gibt es auch „ARERO Nachhaltig“. Er schließt unerwünschte Unternehmen und Rohstoffe aus. Der ARERO ist inzwischen knapp 1,5 Milliarden Euro schwer, sein nachhaltiger Bruder über 115 Millionen Euro. Wie schätzen sie die Entwicklung der beiden Fonds in der Zukunft im Verhältnis zueinander ein? Wird „Nachhaltig“ irgendwann überholen? Oder wird Nachhaltigkeit gar neu definiert werden und etwa Atomkraft oder Rüstung erlauben?

Wir freuen uns, dass ARERO Nachhaltig so gut angenommen wird und denken, dass viele Anleger auch in Zukunft das Thema Nachhaltigkeit in ihre Anlageentscheidung miteinbeziehen. Den kommenden, jüngeren Generationen an Investoren könnte das Thema vielleicht sogar noch wichtiger werden. Aber wie genau sich die beiden Fonds größentechnisch im Verhältnis zueinander entwickeln werden, kann ich Ihnen auch nicht mit Gewissheit sagen.

Für die Selektion der Anlagen in ARERO Nachhaltig wird die DWS ESG Engine verwendet, ein Nachhaltigkeitsfilter der DWS. Die Definition von Nachhaltigkeit ist natürlich kein einfaches Unterfangen, auf das es eine objektive Antwort gäbe. Daher kann es durchaus sein, dass sich die Nachhaltigkeitskriterien des Filters im Zeitablauf verändern. Dass eine Involvierung in Atomkraft oder Rüstung aber als Filterkriterien entfernt werden, halte ich für eher unwahrscheinlich.

Zur Person: Christine Laudenbach ist Professorin für Finanzwissenschaft am Leibniz-Institut für Finanzforschung SAFE und an der Goethe-Universität in Frankfurt. Ihre Forschungsinteressen sind Verhaltensökonomie und Haushaltsfinanzen, hier vor allem die Triebkräfte finanzieller Entscheidungen privater Haushalte und Möglichkeiten, die Qualität dieser Entscheidungen zu verbessern, z.B. durch finanzielle Bildung oder Finanzberatung.

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Alexander Rudow ist Jurist und arbeitet als Autor von Sachbüchern und Belletristik, außerdem als freier Journalist in Salzburg.

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