Börse

Märkte trotzen Negativschlagzeilen – brauchen aber zusätzliche Fiskalspritzen

Lesezeit: 4 min
02.11.2020 18:24  Aktualisiert: 02.11.2020 18:24
Eine zweite Covid-Welle bedroht die Wachstumsaussichten. Die Märkte haben jedoch nicht stark auf diese Negativschlagzeilen reagiert.
Märkte trotzen Negativschlagzeilen – brauchen aber zusätzliche Fiskalspritzen
Mark Nash (Foto: Jupiter Asset Management)

Analyse von Mark Nash, Alternative Fixed Income Fondsmanager bei Jupiter Asset Management:

Die Märkte sind in den vergangenen Wochen auf Grund gelaufen, da in Europa (inklusive Deutschland) und den USA die Covid-19-Fallzahlen weiter steigen. Zudem bedroht die zweite Welle die Wachstumsaussichten. Der risikobehaftete Reflationshandel ist auf einen anhaltenden Aufwärtstrend des globalen Wachstums und die Unterstützung der Zentralbanken angewiesen. Die Zentralbanken setzen ihre Stützungsmaßnahmen zwar fort, doch es fehlt an fiskalpolitischen Anreizen, die als Brücke dienen und das Wachstum im Winter stützen, bis ein Impfstoff verfügbar ist. Es gab einige Negativschlagzeilen hinsichtlich der Suche nach einem Impfstoff. Einige Experten haben die Wahrscheinlichkeit, dass ein solcher im ersten Quartal 2021 auf breiter Front eingeführt wird, von 75 Prozent auf 45 Prozent gesenkt.

Die Märkte haben jedoch nicht stark auf diese Negativschlagzeilen reagiert. Der Treasury-Markt hat etwas nachgegeben, doch Risikoanlagen bleiben hinreichend dynamisch und auch der Dollar hat nicht an Boden verloren, wie man in einem risikoaversen Markt erwarten könnte. Es kam nicht zu einem breiten Rückzug aus Risikoanlagen und einer massiven Ausweitung der Dollarnachfrage wie in früheren Jahren, wenn an den Märkten Panik vor einer Dollar-Knappheit ausbrach.

Nachhaltige Erholung in China, USA mit chronischem Leistungsbilanzdefizit

Einige der Gründe für die gedämpfte Reaktion: Die US-Notenbank Fed sorgt für Liquidität, sodass der Dollar leichter verfügbar ist. Zudem schlägt China sich gut – das Land profitiert von fiskalischer Unterstützung, Exporten und den steigenden Konsumausgaben. Dies deutet auf eine gleichmäßigere und nachhaltigere Erholung in China hin, was wiederum positiv für die Weltwirtschaft ist, da der Renminbi hilft, die Dollar-Stärke etwas abzuschwächen.

Das US-Leistungsbilanzdefizit wird hingegen allmählich zum Problem. Das Land verbraucht mehr, als es produziert und benötigt hierzu mehr Dollar, um im Ausland Waren zu kaufen. Da die Fed aber die Zinssätze niedrig hält, sind ausländische Investoren weniger stark am Kauf von US-Vermögenswerten interessiert, was einer Stärkung des Dollar zuwiderläuft. Hierbei handelt es sich um eine bedeutende strukturelle Veränderung.

Was bedeutet dies für Risikoanlagen?

Sollte der Strom von Negativschlagzeilen versiegen, erwarten wir eine weitere Schwächung des Dollar und eine fortgesetzte Underperformance des Treasury-Marktes gegenüber dem Rest der Welt. Wir gehen jedoch davon aus, dass eventuelle Rückzüge aus Risikoanlagen moderat ausfallen und es nicht an Kaufgelegenheiten mangeln wird. Wir erwarten keine übertriebenen Aufwärtsbewegungen des Dollars, die dem Risikomarkt erheblich schaden, da in diesem Falle die Fed einschreiten würde. Zudem rechnen wir damit, dass es früher oder später zu weiteren staatlichen Fiskalmaßnahmen kommen wird.

AS
Geldanlage
Geldanlage Wie eine Familienstiftung vor staatlicher Enteignung schützt

Parteien und Gewerkschafter fordern immer wieder eine Vermögensabgabe. Wer sich davor schützen möchte, dem raten Experten zu einer...

AS
Geldanlage
Geldanlage Darum ist die Inflation in der Schweiz so gering

In der Schweiz steigen die Verbraucherpreise bloß moderat, davon können andere Europäer nur träumen. Was machen die Schweizer besser...

AS
Immobilien
Immobilien BGH urteilt bald zu Selbstbeteiligungs-Zwist unter Eigentümern

Feuer, Wasser, Sturm: Eine Gebäudeversicherung wird immer für die gesamte Wohnanlage abgeschlossen. In Eigentümergemeinschaften...

AS
Geldanlage
Geldanlage Bankenpräsident Sewing: Branche hat Gefahr von „Greenwashing“ erkannt

Der Klimawandel fordert auch die Finanzbranche. Die Nachfrage nach „grünen“ Anlagen steigt, der Begriff „Nachhaltigkeit“ ist in...

AS
Geldanlage
Geldanlage Kommt eine neue Weltordnung – und wie können Anleger reagieren?

Mit China und Russland bildet sich ein neuer Gegenpol zu den USA. Anleger können sich gegen die geopolitischen Risiken nicht bloß durch...

AS
Immobilien
Immobilien „Böses Erwachen“ für viele Immobilieninteressenten

Die Immobilienzinsen werden nach Einschätzung von Experten noch weiter steigen. Dabei haben sich die Kosten für die Finanzierung eines...

AS
Vorsorge
Vorsorge Gaskrise: Wie Verbraucher viel Geld sparen können

Die Gaspreise ziehen scharf an. Wer mit Erdgas heizt, dem drohen tausende Euro an Zusatzkosten. Verbraucher können bereits jetzt...

AS
Börse
Börse Zahlungsausfall: Warum Russland nicht zahlen kann – und was die Folgen sind

Russland kann seine Auslandsschulden erstmals seit der Russischen Revolution von 1917 nicht bedienen. Wie es dazu kam und was das für...

AS
Vorsorge
Vorsorge Was können wir vom Schweizer Rentensystem lernen?

Für die deutsche Altersvorsorge sieht es düster aus. Das belegen Statistiken mittlerweile zu hunderten. Vielleicht hilft ein Blick zu...

AS
Börse
Börse Top-Ökonom: Rezession droht „vor Ende des nächsten Jahres“

Der frühere US-Finanzminister Larry Summers rechnet mit einem Einbruch der US-Wirtschaft vor Ende 2023. Auch in Deutschland schlagen immer...

AS
Geldanlage
Geldanlage Welche Anlagestrategie in einer Krise am besten schützt

Value, Growth oder doch Momentum? Forscher haben für die Krisen der vergangenen 30 Jahre untersucht, welche Anlagestile am besten...

AS
Geldanlage
Geldanlage Gold: Warum das Edelmetall nur bedingt als Inflationsschutz taugt

Die Inflation ist zurück. Sie lässt in der Eurozone die Verbraucherpreise rasant ansteigen. Die richtige Zeit, um sein Erspartes in Gold...