Immobilien

Darum könnte ein Corona-Impfstoff die Zinsen steigen lassen

Lesezeit: 4 min
11.11.2020 16:31  Aktualisiert: 11.11.2020 16:31
Die Hoffnung auf einen Corona-Impfstoff erhöht die Wahrscheinlichkeit für steigende Bauzinsen. Die Zinsen für Immobiliendarlehen bewegten sich zuletzt fast auf Rekordtief. Wer ein Objekt gefunden hat, sollte sich das aktuell niedrige Zinsniveau möglichst langfristig sichern.
Darum könnte ein Corona-Impfstoff die Zinsen steigen lassen
Ein Immobilienkauf und die zugehörige Baufinanzierung sollten immer wohl überlegt sein. (Foto: Pixabay)

Ein möglicher Durchbruch bei der Erforschung eines Corona-Impfstoffs könnte Impulse setzen für steigende Zinsen bei Immobilienkrediten. Zu dieser Einschätzung kommt die Interhyp AG, Deutschlands größter Vermittler privater Baufinanzierungen. Die Börsen hatten am Montag, 9. November 2020, bereits mit Kurssprüngen reagiert, auch an den Anleihemärkten zeigten sich steigende Renditen.

„Die Notenbanken haben ihre Geldpolitik wegen der Corona-Pandemie zuletzt deutlich gelockert. Gleichzeitig hatten Investoren sichere Anlagen wie Staatsanleihen und Pfandbriefe gesucht, deren Renditen in der Folge gesunken sind. Die Hoffnung auf einen Impfstoff könnte die Einschätzungen verändern. Ein Anstieg der Anleiherenditen und in der Folge steigende Bauzinsen werden zumindest kurzfristig wahrscheinlicher“, sagt Mirjam Mohr, Vorständin der Interhyp AG. „Ob sich daraus ein nachhaltiger Trend entwickeln kann, wird allerdings auch davon abhängen, wie es für viele weitere Unsicherheitsfaktoren wie etwa der Konjunkturentwicklung in der Pandemie, dem Brexit und den Handelskonflikten weiter gehen wird.“ Am Montag hatten die Renditen der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe bereits ein Plus verzeichnet. Im Interhyp-Bauzins-Trendbarometer, einer monatlichen Umfrage unter zehn deutschen Kreditinstituten, hatten die befragten Experten in den vergangenen Wochen höhere Zinsen auch von der Verfügbarkeit eines Impfstoffes abhängig gemacht.

Zinsen nahe des Allzeittiefs

Die Renditen von Anleihen und Pfandbriefen sind ein Maß für die Finanzierungsbedingungen der Banken. Daher orientiert sich die Entwicklung der Bauzinsen an den Anleiherenditen. Wie eine aktuelle Auswertung der Konditionen von mehr als 400 Instituten zeigt, liegen die Konditionen für zehnjährige Darlehen im Schnitt aktuell noch bei rund 0,7 Prozent und damit nahe des Allzeittiefs. Bei Bestanbietern und bei entsprechender Bonität sind sogar Zinssätze unter 0,5 Prozent möglich. „Wer sein Traumobjekt gefunden hat, sollte nicht auf noch niedrigere Konditionen spekulieren, sondern die Finanzierung ruhig festzurren und die Zinsen möglichst langfristig sichern“, rät Mohr. Bereits ein Zinsanstieg um wenige Zehntel-Prozentpunkte könne ein Immobiliendarlehen durch die lange Laufzeit und die Kredithöhe um mehrere tausend Euro verteuern. Zu einem übereilten Kauf bestehe dennoch kein Anlass. „Ein Immobilienkauf und die zugehörige Baufinanzierung sollten immer wohl überlegt sein“, so Mohr. "Ausreichend Zeit für eine gut abgewogene Kaufentscheidung sowie für einen umfassenden Zinsvergleich sollten sich Interessenten auf jeden Fall nehmen."

Im historischen Kontext hohe Zinsen sind laut Interhyp auch in den nächsten Wochen und Monaten nicht zu erwarten. Dagegen sprechen die weiterhin niedrige Inflation sowie die weltweiten konjunkturellen Auswirkungen des ersten und zweiten Lockdowns inklusive der immensen Verschuldung. Auch Themen wie der Brexit oder die mögliche Neuausrichtung der Handelsbeziehungen nach der US-Wahl werden die Märkte weiterhin prägen.

Die Hoffnung auf einen Impfstoff kann allerdings zu einer Neubewertung der Situation an den Märkten führen, vor allem, wenn sich die Hoffnungen bewahrheiten. Die Nachfrage nach deutschen Staatsanleihen war in den vergangenen Wochen zuletzt anhaltend hoch, wodurch die Renditen im deutlichen Minus-Bereich verharrten. Sollten die Renditen nachhaltiger steigen, wird sich das auf die Zinsen für Immobilienkredite auswirken.

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