Geldanlage

Bitcoin bekommt Konkurrenz: „Ein digitaler Euro könnte schon 2021 kommen“

Lesezeit: 4 min
11.12.2020 14:34
Digitale Währungen haben ein großes Potential. Ein digitaler Euro würde den Druck auf die Zentralbanken erhöhen. Schon Anfang 2021 könnte eine entsprechende Kryptowährung verfügbar sein.
Bitcoin bekommt Konkurrenz: „Ein digitaler Euro könnte schon 2021 kommen“
Der Bitcoin soll durch den in Euro umrechenbaren Diem-Coin Konkurrenz bekommen. (Foto: Pixabay)



Das privatwirtschaftliche Stablecoin-Projekt „Diem“ – vormals „Libra“ – liegt im Rennen um die Einführung eines „digitalen Euros“ weit vorn. Schon Anfang 2021 könnte eine entsprechende Kryptowährung, deren Wert auch an den Euro gebunden ist, verfügbar sein. Mit der Einführung einer eigenen digitalen Währung durch die Europäische Zentralbank ist dagegen frühestens Mitte bis Ende dieses Jahrzehnts zu rechnen. Zu diesem Schluss kommt das Frankfurt School Blockchain Center in einer aktuellen Analyse mit Befragung von mehr als 50 hochrangigen Experten aus verschiedenen Sektoren und Branchen, darunter Zentralbanker und Experten aus der Industrie. Die Ergebnisse dieses Panels hat das FERI Cognitive Finance Institute in einem Cognitive Briefing zusammengefasst.

Potenzial für neue Geschäftsmodelle

Demnach beschleunigt sich die Digitalisierung von Währungen und Zahlungsinfrastrukturen weltweit. Auch für den Euro gibt es Bestrebungen, eine digitalisierte Version zu entwickeln. Zum einen diskutiert die Europäische Zentralbank die Einführung einer sogenannten Central Bank Digital Currency (CBDC). Zum anderen plant die von privaten Unternehmen, darunter Facebook als bekanntestes Mitglied, ins Leben gerufene Diem (vormals Libra) Association, im Rahmen einer globalen Zahlungsinfrastruktur einen in Euro umrechenbaren Diem-Coin zu schaffen.

„Ein digitaler programmierbarer Euro hat das Potenzial, Innovationen zu fördern und neue Geschäftsmodelle zu generieren. Vorteile sind insbesondere durch Automatisierungsgewinne sowie eine höhere Effizienz im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr und der schnelleren Abwicklung von Zahlungen zu erwarten“, sagt Prof. Dr. Philipp Sandner, Leiter des Frankfurt School Blockchain Centers an der Frankfurt School of Finance & Management.

Die befragten Experten sind sich weitgehend einig, dass die Diem Association mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr viel früher eine Digitalwährung einführen wird als die Europäische Zentralbank (EZB). Trotz einer gewissen Skepsis gegenüber der potenziell großen Marktmacht der Diem Association sei es laut Analyse zu begrüßen, dass eine privatwirtschaftliche Initiative hier mit schnellen Schritten vorangehe und damit den Druck auf die Zentralbanken erhöhe.

Bitcoin bekommt Konkurrenz

Spannend ist laut Analyse zudem die Frage, wie sich in Zukunft das Verhältnis zwischen Diem und offiziellen CBDCs sowie schon existierenden Kryptowährungen wie Bitcoin entwickeln wird. „Die Zahlungsfunktion des Bitcoins würde zweifellos durch die neuen digitalen Währungen substituiert werden. Allerdings waren Kryptowährungen immer auch Spekulationsobjekt und anonymisierendes Zahlungsvehikel. Ob dies ausreichen wird, um die alten Kryptowährungen am Leben zu erhalten, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch, dass die Schaffung von neuem digitalen Geld durch Zentralbanken kein zusätzlich stützender Faktor für die alten Kryptowährungen werden sollte“, sagt Dr. Torsten von Bartenwerffer vom FERI Cognitive Finance Institute.

Das Cognitive Briefing des FERI Cognitive Finance Institute zum Thema „Digitaler Euro: Das Wettrennen zwischen Europäischer Zentralbank und Diem (vorm. Libra) Association“ ist abrufbar unter www.feri-institut.de/media-center/publikationen/

Das FERI Cognitive Finance Institute ist strategisches Forschungszentrum und kreative Denkfabrik der FERI Gruppe, mit klarem Fokus auf innovative Analysen und Methodenentwicklung für langfristige Aspekte von Wirtschafts- und Kapitalmarktforschung. Das Institut nutzt dazu aktuelle Erkenntnisse aus Bereichen wie Verhaltensökonomie, Komplexitätstheorie und Kognitionswissenschaft.

FERI ist bereits seit 1987 als unabhängiges Investmenthaus tätig, mit den Schwerpunkten Investment Research, Investment Management und Investment Consulting. Der Name FERI steht für „Financial & Economic Research International“.

AS
Immobilien
Immobilien Immobiliengigant in Schwierigkeiten: Sorge vor einem Crash in China

Der Immobiliengigant Evergrande steht unter großem Finanzdruck. Der Konzern spricht selber von „beispiellosen Schwierigkeiten“. Wie...

AS
Vorsorge
Vorsorge Risiko von Cyberangriffen auf Unternehmen steigt massiv

Schon vor der Corona-Krise war es um die IT-Sicherheit in vielen Firmen nicht gut bestellt. Homeoffice und pandemiebedingte Einbußen...

AS
Vorsorge
Vorsorge „Mehr Netto vom Brutto“: Sogar Arbeitgeberpräsident kritisiert Steuersystem

Normalverdienern bleibe zu wenig vom Lohn übrig, kritisiert der Arbeitgeberpräsident. Auch das Steuersystem müsse leistungsgerechter...

AS
Geldanlage
Geldanlage Um die finanzielle Bildung steht es schlecht!

Inflation? Aktien? EZB? Keine Ahnung! Junge Menschen beklagen fatale Wissenslücken bei den Themen Geld, Vermögen und Finanzen.

AS
Immobilien
Immobilien Eigenbedarf, Hochwasser, Parkverbot: So umgehen Sie juristischen Fallen beim Umzug

Ein Umzug ist nicht nur viel Arbeit – es lauern auch einige juristische Fallstricke. Lesen Sie hier eine Auflistung von Urteilen...

AS
Börse
Börse Deutschen Geldinstitute wollen durch Fusionen europäische Bankenriesen schaffen

Der Chef der Deutschen Bank will die Größenvorteile Europas nutzen. Auch andere Bosse deutscher Banken fordern einen einheitlichen...

AS
Vorsorge
Vorsorge Urteil: Arbeitnehmer müssen Krankheit im Zweifel nachweisen

War die während ihrer Kündigungsfrist krank gemeldete Kollegin wirklich krank? Ein Unternehmen in Niedersachsen bezweifelt das – und...

AS
Geldanlage
Geldanlage Eine Vermögensabgabe kommt - auch ohne EU-Vermögensregister

Das von der EU vorangetriebene Vermögensregister hat zuletzt für viel Kritik gesorgt. Doch in Deutschland stehen dem Staat schon jetzt...

AS
Vorsorge
Vorsorge Familienunternehmen fürchten die drohende Erbschaftssteuer

Mehrere Parteien versprechen im Wahlkampf eine Erhöhung der Erbschaftsteuer. Der BDI zeigt auf, was vielen Familienunternehmen konkret...

AS
Börse
Börse Öl ganz vorn: Das waren die besten Geldanlagen seit Jahresbeginn

Nach den ersten acht Monate das Jahres 2021 liegt Rohöl, das einen Preisanstieg um mehr als 40 Prozent verzeichnet, ganz vorn. Doch es...

AS
Geldanlage
Geldanlage Verkauf von Gold und Silber in Deutschland wird weiter erschwert

Schon wer zwei Unzen Gold verkaufen will, muss bei der Bank seit August die Herkunft des Goldes dokumentieren können. Wer keine Rechnung...

AS
Börse
Börse Österreichs Finanzaufsicht warnt Anleger vor "Pump and dump"

Österreichs Finanzmarktaufsichtsbehörde warnt vor "Pump and dump", einer Form der Marktmanipulation, bei der Kleinanleger an der Börse...