Geldanlage

Crowdinvesting als Alternative für Anleger in Zeiten niedriger Zinsen

Lesezeit: 5 min
04.01.2021 16:24  Aktualisiert: 04.01.2021 16:24
Früher war Schwarmfinanzierung eher eine Liebhaberei. Mittlerweile ist es eine feste Größe im Anlage-Universum – mit hohen Risiken, aber ebenso hohen Renditechancen.
Crowdinvesting als Alternative für Anleger in Zeiten niedriger Zinsen
Mittels Schwarmfinanzierung kann in Immobilien, Energie-Projekte oder Start-ups investiert werden. (Foto: Pixabay)

In Zeiten von niedrigen Zinsen suchen Anleger nach Alternativen. Hinreichend bekannt dürfte sein, dass sich die Aussicht auf Rendite nur mit einem gewissen Risiko erreichen lässt. Als ein Baustein im Portfolio kann Crowdinvesting daher für viele interessant sein. Wir beleuchten die Anlageform mit allen Vor- und Nachteilen.

Was ist Crowdinvesting?

Beim Crowdinvesting handelt es sich um eine Form der Investition, die sich in Deutschland spätestens seit 2012 durch die Entstehung der ersten Crowdinvesting-Plattformen etabliert hat. Crowdinvesting entwickelte sich aus dem klassischen Crowdfunding (zu Deutsch: Schwarmfinanzierung). Beim Crowdfunding unterstützt eine Gruppe von Menschen („crowd“) mittels Kleinstbeträgen („funding“) ein Projekt. Besonders im künstlerischen Bereich erfreute sich Crowdfunding großer Beliebtheit, etwa für die Finanzierung eines Musik-CD, eines Buchs oder eines Films.

Die Motivation der Unterstützer ist beim Crowdfunding rein ideeller Natur. Entweder spenden sie ihr Geld für die Realisierung des Projekts (spendenbasiertes Crowdfunding) oder sie erhalten im Gegenzug eine Gegenleistung (gegenleistungsbasiertes Crowdfunding), z.B. eine CD, ein Buch- oder Film-Exemplar. Im Laufe der Zeit wurde Crowdfunding auch von jungen Tüftlern verwendet, um die Entwicklung eines Prototyps zu finanzieren. Dazu gehörte Software- und Hardware-Entwicklungen, aber auch die Entwicklung neuer Produkte wie Rucksäcke, Kaffeemaschinen und vieles mehr.

Damals kamen die ersten Gründer auf die Idee, Crowdfunding als Anschubfinanzierung für ihre Geschäftsidee zu verwenden. Denn Crowdfunding bot gleich zwei Vorteile gegenüber klassischen Finanzierungen. Zum einen konnten sie Startkapital einsammeln, ohne Anteile an ihrem Unternehmen abzugeben. Und zum anderen konnten sie ihre Idee einem Markttest in Echtzeit unterziehen. Wenn die Nutzer der Crowdfunding-Plattform den Sinn oder Bedarf einer Produktidee nicht erkannten, war es unwahrscheinlich, dass das Produkt von einer breiten Masse gekauft werden würde.

Daraus entwickelte sich dann die Idee des Crowdinvesting. Die Nutzer der Plattform wollten am möglichen Erfolg des Gründers auch finanziell partizipieren, also eine Rendite für ihre Risikobereitschaft erhalten. Damit öffnete Crowdinvesting eine Anlageklasse für Privatinvestoren, die zuvor nur einigen Wohlhabenden vorbehalten war: die Finanzierung junger, innovativer Unternehmen (auch Start-ups genannt).

Welche Formen des Crowdinvesting gibt es?

Durch seine Entstehungsgeschichte war Crowdinvesting zunächst auf die Finanzierung von Start-ups beschränkt. Zu den ersten und bekanntesten Plattformen zählten Seedmatch, Companisto und Innovestment, doch es kamen schnell neue Plattformen hinzu. Dort präsentierten sich Gründer mit einer innovativen Geschäftsidee und werben Wagniskapital von oftmals mehreren Hundert Investoren ein. Der entscheidende Unterschied zum Crowdfunding besteht darin, dass das Unternehmen bereits gegründet, ein Produkt bereits entwickelt und ein erster Markttest in der Regel bereits erfolgt ist.

Die Gründer stellen sich mit einer Reihe von Informationen zu ihrem Unternehmen vor, darunter Finanzdaten, Produktdetails, Marktvolumen und Kernzielgruppe, um nur einige zu nennen. Die Crowdinvestoren versuchen auf Basis dieser Informationen fundierte Investmententscheidungen zu treffen. Sie können sich dann bereits ab relativ niedrigen Beträgen am Start-up beteiligen (je nach Plattform lagen die Mindestsummen anfangs zwischen 5 und 500 Euro). Wenn das Start-up dann erfolgreich wird und einen Verkauf anstrebt (auch Exit genannt), erhalten die Crowdinvestoren einen prozentualen Anteil am Verkaufserlös.

Schnell weitete sich diese Art der Finanzierung und des Investierens jedoch auch auf andere Bereiche aus. Immobilien-Entwickler erkannten daran eine Möglichkeit, Kapital für die Realisierung von Bauprojekten einzuwerben. Die ersten und größten Plattformen, die sich das zunutze machten, waren Bergfürst, Zinsbaustein und Exporo. Inzwischen nutzen selbst große Immobilien-Unternehmen wie Engel&Völkers diese Form der alternativen Finanzierung. Der entscheidende Unterschied zum Start-up-Crowdinvesting liegt in der Form der Rendite. Hier erhalten die Crowdinvestoren in der Regel eine jährliche Festverzinsung, die je nach Risiko des Bauprojekts zwischen 4 bis 8 Prozent liegt.

Neben Start-ups und Immobilien können Crowdinvestoren auch noch in Energie-Projekte investieren. Besonders im Zuge der Energiewende gewann diese Form der Direktinvestition an Beliebtheit. Privatpersonen konnten sich direkt für regenerative Energieprojekte einsetzen und von der Umsetzung der Energiewende finanziell profitieren. Projektentwickler von Wind-, Wasser-, Solar- oder Blockheizkraftwerken nutzen eigens auf Energie-Projekte spezialisierte Crowdinvesting-Plattformen, um das nötige Kapital von einer große Menge an Investoren einzusammeln. Im Gegenzug werden die Crowdinvestoren am Erfolg des Energie-Projekts mit einer jährlichen Festverzinsung zwischen 4 bis 8 Prozent beteiligt.

Das Immobilien-Crowdinvesting in der Branche tonangebend, wie aus den Daten des Branchenportals Crowdinvest.de hervorgeht. Demnach konnten mittels Immobilien-Crowdinvesting insgesamt rund 920 Millionen Euro Kapital eingeworben werden, bei der Startup-Finanzierung kamen seit Beginn knapp 374 Millionen Euro zusammen und in Energie-Projekte wurden immerhin schon knapp 39 Millionen Euro über Crowdinvesting-Plattformen investiert.

Welche Chancen und Risiken bietet Crowdinvesting?

Beim Crowdinvesting handelt es sich grundsätzlich um Risikokapital. Das bedeutet, dass eine Investition mit dem Risiko verbunden, das gesamte eingesetzte Kapital zu verlieren. Das liegt schon in der Form des Investments begründet. Bis auf wenige Ausnahmen handelt es sich um (partiarische) Nachrangdarlehen, über die investiert wird. Im Falle einer Insolvenz des Start-ups oder des Bauprojekts stehen die Crowdinvestoren in der Schlange der Gläubiger ganz hinten und gehen bei der Verwertung der Vermögenswerte wahrscheinlich leer aus.

Darüber hinaus gibt es weitere Risiken, über die sich Anleger im Klaren sein sollten. Da es sich bis auf wenige Ausnahmen um Investitionen mittels Nachrangdarlehen handelt, erwerben die Investoren keine Anteile und verfügen damit auch nicht über Mitspracherechte. Außerdem können einige Crowdinvestments sehr lange Laufzeiten von bis zu sieben Jahren aufweisen. In dieser Zeit ist in der Regel keine vorzeitige Kündigung vorgesehen, sodass das Kapital des Anlegers über die gesamte Dauer im Projekt gebunden ist.

Aber großen Risiken stehen in der Finanzwelt meist auch große Renditechancen gegenüber. Wer früh an den Erfolg eines Unternehmens glaubt und deshalb bereit ist, ein hohes finanzielles Risiko zu tragen, wird im Erfolgsfall reichlich belohnt. Die 277 Crowdinvestoren der ersten Stunde, die 2013 auf der Plattform Seedmatch in das Start-up erdbär investiert haben, konnten sich über ein Rückkaufangebot freuen, dass ihnen eine 300-prozentige Rendite auf ihre Investition bescherte. Noch besser lief es für die Crowdinvestoren des 2012 ebenfalls über Seedmatch finanzierten Startups rankseller. Sie konnten 1.600 Prozent Rendite auf ihre Investition erzielen.

Crowdinvesting allein eignet sich also nicht zur Altersvorsorge, sondern sollte immer nur Bestandteil eines breitgefächerten Portfolios an Investitionen sein. Experten raten hier in der Regel zu einem Anteil von 10 bis 15 Prozent am gesamten investierten Kapital. Außerdem sollten Crowdinvestoren ihr verfügbares Kapital auf mehrere Crowdinvesting-Projekte streuen, um das Risiko eines großen Verlusts zu reduzieren.

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André Jasch arbeitet als freier Journalist und hat International Business in Berlin studiert.

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