Geldanlage

Deutliche Forderungen nach Neustart der privaten Altersvorsorge

Lesezeit: 4 min
06.08.2021 12:58  Aktualisiert: 06.08.2021 12:58
Viele Bürger machen sich Gedanken über ihre finanzielle Absicherung im Alter. Dabei geht es auch um die eigene Vorsorge. Weil es aber an den Riester-Modellen breite Kritik gibt, werden neue Wege zum Wahlkampfthema.
Deutliche Forderungen nach Neustart der privaten Altersvorsorge
Das Sparschwein hat ausgedient. (Foto: Pixabay)

Die Verbraucherzentralen fordern eine umfassende Reform der privaten Altersvorsorge nach der Bundestagswahl. Der Chef des Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Egal, wie die nächste Regierungskonstellation aussieht, es gibt die Chance auf einen Neustart“. Erforderlich sei ein neues Angebot, das erstmalig aus Verbrauchersicht renditestark, kostenarm und wesentlich besser sei als derzeitige Riester-Angebote.

Müller sprach von einem Trauerspiel: „Es werden von der Versicherungswirtschaft Produkte verkauft, die nur wegen der Riester-Förderung einigermaßen lukrativ sind, aber ansonsten viel zu unrentierlich.“ Immer mehr Kunden entschieden sich, Verträge nicht weiter zu besparen.

Private Vorsorge müsse effizient und möglichst kostenarm sein. „Jedes Zehntel Prozentpunkt Kosten ist über 30, 40 Jahre ein Renditekiller und produziert nachher nur Enttäuschung“, sagte der vzbv-Chef. Eine Umstellung auf aktienbasierte Modelle sei vernünftig, dies zeigten Untersuchungen der Stiftung Warentest, von Forschungsinstituten und Erfahrungen im Ausland: „Wenn ich 25, 30, fast 40 Jahre Zeit habe, dann ist es unter dem Strich das renditestärkste und auch das sicherste Produkt, was momentan verfügbar ist.“

Konzept der „Extrarente“

Die Verbraucherzentralen werben seit längerem für ein staatlich organisiertes Standardprodukt und haben ein Konzept für eine „Extrarente“ vorgelegt. Arbeitnehmer sollen demnach automatisch über ihren Arbeitgeber in die Vorsorge einzahlen – es sei denn, sie widersprechen. Ein öffentlicher Träger soll dann über Ausschreibungen Fondsmanager beauftragen, das Geld am Kapitalmarkt anzulegen. So soll auf Vertriebskosten und Provisionen verzichtet werden können.

Müller sagte, es müsse einen Vertrauensschutz für laufende Riester-Verträge geben. Der Staat müsse sich an Förderzusagen über die nächsten Jahrzehnte halten. Nötig sei aber auch eine Wechselgarantie. „Jemand, der bisher mit Riester gespart hat, muss die Chance haben, in dieses Standardprodukt wechseln zu können.“

Der Verbraucherschützer nannte es „einen Riesenschritt nach vorn“, dass CDU/CSU, FDP, Grüne und SPD sich in den Wahlprogrammen für ein neues und besseres Vorsorgeangebot für Verbraucher einsetzten. „Es gibt Unterschiede im Detail, aber im Ziel ähnliche Vorstellungen.“

Zukunft der Riester-Rente umstritten

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft zeigte sich offen für Neujustierungen. Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen sagte: „Die Riester-Rente ist aus unserer Sicht reformbedürftig, aber sie ist reformierbar.“ Dazu habe die Branche Vorschläge gemacht, etwa eine vereinfachte Förderung. „Die Riester-Rente ist und bleibt ein attraktives Produkt der privaten Altersvorsorge – besonders für Familien mit Kindern und Menschen mit niedrigen Einkommen.“ Andere, wie etwa Facharbeiter, seien in der betrieblichen Altersversorgung besser aufgehoben. Die Branche sei gesprächsbereit mit Blick auf ein einfaches und kostengünstiges Standardprodukt. Beim Vertrieb sollten ein rein digitaler Zugang sowie persönliche Beratung möglich sein.

Der Linke-Fachpolitiker Matthias W. Birkwald sagte, die Kritik der Verbraucherschützer sei richtig: „Die Riester-Rente ist auf ganzer Linie gescheitert.“ Darum müsse die gesetzliche Rente dringend gestärkt werden. So müsse das Rentenniveau schrittweise wieder auf lebensstandardsichernde 53 Prozent angehoben werden. Versicherte sollten früher, leichter und mehr freiwillige Zusatzbeiträge in die gesetzliche Renten auf ihr persönliches Rentenkonto einzahlen können.

Verbraucherschützer Müller betonte vor allem mit Blick auf Menschen mit knappem Geldbeutel: „Man darf nicht naiv sein. Die gesetzliche Rente ist für alle Menschen die Basisabsicherung.“ Sie müsse die starke Säule der Altersvorsorge bleiben und noch gestärkt werden, insbesondere für Verbraucher im Niedriglohnsektor.

AS
Börse
Börse Auf diese 7 Gefahren müssen Anleger achten

Lieferengpässe auf der Welt stellen die Industrie vor schwerwiegende Herausforderungen. Kryptowährungen befinden sich in einem...

AS
Geldanlage
Geldanlage „Greenwashing“ oder Gütesiegel? Streit um nachhaltige EU-Anlageregeln

Geld verdienen und gleichzeitig das Klima schützen – klingt gut, ist aber gar nicht so einfach. Nun will die EU einen Rahmen schaffen,...

AS
Karriere
Karriere Was das Arbeitszeugnis über Sie verrät

Arbeitnehmer müssen bei ihrem Arbeitszeugnis sehr genau zwischen den Zeilen lesen. Denn nur derjenige, der den „geheimen Sprachcode“...

AS
Börse
Börse Indexfonds verschleiern, dass der Bärenmarkt längst begonnen hat

Die Aktienmärkte befinden schon seit einiger Zeit in einer Baisse. Dies wird jedoch dadurch verschleiert, dass passive ETFs die Kurse...

AS
Börse
Börse Aktien, Anleihen, Immobilien: Was Anleger 2022 wissen sollten

Die Finanzmärkte haben 2021 die Corona-Pandemie gut überstanden. Neben der Omikron-Variante wird in diesem Börsenjahr das...

AS
Immobilien
Immobilien Stärkster Anstieg der Baupreise in Deutschland seit 1970

Bauen wird immer kostspieliger. Insbesondere der Materialmangel treibt die Preise in die Höhe. Entspannung ist nicht in Sicht.

AS
Karriere
Karriere So verhandeln Sie Ihr Einstiegsgehalt

Wenn sie nicht schon im Anschreiben auf Sie wartet, stellt sie sich spätestens im Vorstellungsgespräch: die Frage nach dem Gehalt. Gerade...

AS
Karriere
Karriere Karriere in Teilzeit

Immer mehr Menschen in Deutschland gehen einer Teilzeitbeschäftigung nach – auch in Führungspositionen. Darauf reagieren viele...

AS
Börse
Börse Neue Rekordstände und Rückschläge: Das erwarten Börsenexperten für 2022

Risiken des alten Börsenjahres werden auch 2022 erst einmal Bestand haben. Dennoch erwarten viele ein gutes Börsenjahr. Vor allem Europa...

AS
Geldanlage
Geldanlage So vermeiden Sie Klumpenrisiken bei ETFs

Das Hauptargument für ETFs gegenüber reinen Aktieninvestments ist, dass die Indexfonds das Risiko breiter streuen. Doch auch ETFs weisen...

AS
Karriere
Karriere Arbeitsunfall im Homeoffice: Es ist nicht egal, wo Sie sich ein Bein brechen!

Homeoffice ist infolge der Corona-Krise für viele Beschäftigte plötzlich zur Realität geworden. Doch die Gesetzgebung passt sich erst...

AS
Geldanlage
Geldanlage Ist das noch Kunst und soll ich das kaufen?

Die Mittelschicht löst sich hierzulande auf; dennoch kann man einiges mit seinem Geld unternehmen, um es gewinnbringend anzulegen –...