Börse

Weniger Wachstum 2021: Engpässe trüben Stimmung in der Wirtschaft

Lesezeit: 2 min
25.10.2021 15:19  Aktualisiert: 25.10.2021 15:19
Die Exportnation Deutschland hat nach dem Pandemie-Schock erstaunlich schnell wieder Fahrt aufgenommen. Nun aber ruckelt die Konjunktur. Aus der Corona-Krise ist eine Knappheitskrise geworden.
Weniger Wachstum 2021: Engpässe trüben Stimmung in der Wirtschaft
Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft verschlechterte sich im Oktober zum vierten Mal in Folge. (Foto: Pixabay)

Die Erholung der deutschen Wirtschaft vom Corona-Tief gerät ins Stocken. Zwar sind die Auftragsbücher vieler Unternehmen prall gefüllt, doch Lieferengpässe und Rohstoffknappheit bremsen die Produktion der Exportnation Deutschland. Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft verschlechterte sich im Oktober zum vierten Mal in Folge: Das Ifo-Geschäftsklima, Deutschlands wichtigstes Konjunkturbarometer, fiel zum Vormonat um 1,2 Punkte auf nun 97,7 Zähler, wie das Ifo-Institut am Montag in München mitteilte.

Nach Einschätzung der Bundesbank wird die Wirtschaftsleistung Deutschlands „wohl auch im Herbst ihr Vorkrisenniveau vom Schlussquartal 2019 noch verfehlen“. In ihrem am Montag vorgelegten Monatsbericht Oktober korrigierte die Bundesbank ihre erst vor gut vier Monaten vorgelegte Wachstumsprognose für das laufende Jahr nach unten: „Im Jahr 2021 insgesamt dürfte das BIP deutlich weniger zulegen als in der Juni-Projektion der Bundesbank erwartet.“ Im Juni hatte die Notenbank für das laufende Jahr einen Zuwachs des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 3,7 Prozent vorausgesagt.

„Aus der Corona-Krise ist eine Knappheitskrise geworden“, analysierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. Die Materialknappheiten lasteten schwer auf der Industrie. Hinzu kämen Preisturbulenzen an den Energiemärkten. „Die massiv gestiegenen Gas- und Strompreise werden zu einem konjunkturellen Risiko“, warnte Gitzel.

Lieferengpässe sorgen für Probleme

„Im laufenden Quartal wird die gesamtwirtschaftliche Aktivität voraussichtlich deutlich schwächer zulegen“, schreiben die Volkswirte der Bundesbank. „Der kräftige Schwung im Dienstleistungssektor dürfte erheblich nachlassen. (...) Das Verarbeitende Gewerbe dürfte weiter unter den Lieferschwierigkeiten leiden.“

Im dritten Quartal profitierte beispielsweise das Gastgewerbe vom Zurückdrehen der Corona-Einschränkungen. „Die deutsche Wirtschaft erholte sich im Sommer 2021 weiter“, bekräftigte die Bundesbank in ihrem Monatsbericht. „Die wirtschaftliche Aktivität dürfte noch leicht stärker gestiegen sein als im Frühjahr.“ Dass Lieferengpässe bei Rohstoffen und Vorprodukten die Produktion in der Industrie dämpften, habe ein noch stärkeres Wirtschaftswachstum verhindert.

Nach dem Einbruch der Wirtschaftsleistung im Corona-Lockdown zu Jahresbeginn (minus 2,0 Prozent) hatte das BIP im Zeitraum April bis einschließlich Juni 2021 zum Vorquartal zum 1,6 Prozent zugelegt. Erste Zahlen für das dritte Quartal will das Statistische Bundesamt an diesem Freitag (29.10.) veröffentlichen.

„Lieferprobleme machen den Firmen zu schaffen“, erklärte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Kapazitätsauslastung in der Industrie sinke. „Sand im Getriebe der deutschen Wirtschaft hemmt die Erholung.“ Die vom Ifo-Institut befragten Unternehmen bewerteten vor allem die Aussichten ungünstiger. Erneut belasteten die anhaltenden Probleme im internationalen Warenhandel, die überwiegend auf die Corona-Pandemie zurückgehen, die Stimmung.

Baugewerbe positiv gestimmt

Gegen den allgemeinen Trend verbesserte sich im Bauhauptgewerbe das Geschäftsklima dem Ifo-Institut zufolge erneut: Hier beurteilten die Unternehmen ihre aktuelle Lage etwas besser als zuletzt.

Im August erhielten Baufirmen in Deutschland ungeachtet stark gestiegener Baupreise vergleichsweise viele neue Aufträge. Die Bestellungen lagen nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes wertmäßig um 18,9 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Bereinigt um Kalendereffekte und Preissteigerungen blieb immer noch ein reales Plus von 5,7 Prozent.

Der Materialmangel bremse die Unternehmen weiterhin, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes, Tim-Oliver Müller. Da die Aufträge nur stockend abgearbeitet werden könnten, habe es im August einen preisbereinigten Umsatzrückgang von 2,9 Prozent gegeben. Nominal kletterten die Erlöse aber um 6,8 Prozent zum Vorjahresmonat.

Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) verwies auf schwache Basiswerte aus dem Corona-Jahr 2020, um den starken Anstieg der Nachfrage zumindest teilweise zu erklären. Vor allem Wirtschaftsunternehmen bestellten mehr Bauleistungen als im Vorjahr, während sich öffentliche Kunden zurückhielten.

„Die Wirtschaft steht weiterhin unter dem Eindruck der weltweiten Produktionsschwierigkeiten und Energieknappheiten“, fasste der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater, die aktuelle Lage zusammen. „Wichtig ist jetzt, dass die privaten Haushalte sich durch den Dauerbeschuss mit schlechten Nachrichten nicht total verunsichern lassen und dadurch die Nachfrage einbricht.“

Nach Einschätzung von KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib ist die Erholung „nur aufgeschoben“: „Der Auftragsbestand in der Industrie ist rekordhoch und die privaten Haushalte haben in der Pandemie ungewöhnlich viel Geld gespart. Ich rechne deshalb mit einem kräftigen Wachstumsschub im Verlauf von 2022, sobald die angebotsseitigen Verwerfungen abebben.“

AS
Börse
Börse Auf diese 7 Gefahren müssen Anleger achten

Lieferengpässe auf der Welt stellen die Industrie vor schwerwiegende Herausforderungen. Kryptowährungen befinden sich in einem...

AS
Geldanlage
Geldanlage „Greenwashing“ oder Gütesiegel? Streit um nachhaltige EU-Anlageregeln

Geld verdienen und gleichzeitig das Klima schützen – klingt gut, ist aber gar nicht so einfach. Nun will die EU einen Rahmen schaffen,...

AS
Karriere
Karriere Was das Arbeitszeugnis über Sie verrät

Arbeitnehmer müssen bei ihrem Arbeitszeugnis sehr genau zwischen den Zeilen lesen. Denn nur derjenige, der den „geheimen Sprachcode“...

AS
Börse
Börse Indexfonds verschleiern, dass der Bärenmarkt längst begonnen hat

Die Aktienmärkte befinden schon seit einiger Zeit in einer Baisse. Dies wird jedoch dadurch verschleiert, dass passive ETFs die Kurse...

AS
Börse
Börse Aktien, Anleihen, Immobilien: Was Anleger 2022 wissen sollten

Die Finanzmärkte haben 2021 die Corona-Pandemie gut überstanden. Neben der Omikron-Variante wird in diesem Börsenjahr das...

AS
Immobilien
Immobilien Stärkster Anstieg der Baupreise in Deutschland seit 1970

Bauen wird immer kostspieliger. Insbesondere der Materialmangel treibt die Preise in die Höhe. Entspannung ist nicht in Sicht.

AS
Karriere
Karriere So verhandeln Sie Ihr Einstiegsgehalt

Wenn sie nicht schon im Anschreiben auf Sie wartet, stellt sie sich spätestens im Vorstellungsgespräch: die Frage nach dem Gehalt. Gerade...

AS
Karriere
Karriere Karriere in Teilzeit

Immer mehr Menschen in Deutschland gehen einer Teilzeitbeschäftigung nach – auch in Führungspositionen. Darauf reagieren viele...

AS
Börse
Börse Neue Rekordstände und Rückschläge: Das erwarten Börsenexperten für 2022

Risiken des alten Börsenjahres werden auch 2022 erst einmal Bestand haben. Dennoch erwarten viele ein gutes Börsenjahr. Vor allem Europa...

AS
Geldanlage
Geldanlage So vermeiden Sie Klumpenrisiken bei ETFs

Das Hauptargument für ETFs gegenüber reinen Aktieninvestments ist, dass die Indexfonds das Risiko breiter streuen. Doch auch ETFs weisen...

AS
Karriere
Karriere Arbeitsunfall im Homeoffice: Es ist nicht egal, wo Sie sich ein Bein brechen!

Homeoffice ist infolge der Corona-Krise für viele Beschäftigte plötzlich zur Realität geworden. Doch die Gesetzgebung passt sich erst...

AS
Geldanlage
Geldanlage Ist das noch Kunst und soll ich das kaufen?

Die Mittelschicht löst sich hierzulande auf; dennoch kann man einiges mit seinem Geld unternehmen, um es gewinnbringend anzulegen –...