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Immobilien bleiben der alles dominierende Vermögenswert

Lesezeit: 4 min
15.11.2021 16:31  Aktualisiert: 15.11.2021 16:31
Eine neue Studie von McKinsey zeigt, wie unfassbar viel Geld derzeit in Immobilien steckt: Die Deutschen haben lieber ein Haus als ein Portfolio.
Immobilien bleiben der alles dominierende Vermögenswert
Der extreme Anstieg des Immobilienvermögens kann nicht auf höherwertige Bauten zurückgeführt werden. (Foto: Pixabay)

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Das globale Nettovermögen hat sich seit dem Jahr 2000 etwa verdreifacht. Dieser Anstieg spiegelt hauptsächlich Bewertungsgewinne wider, vor allem bei Immobilien. Vereinfach gesagt: Es ist nicht so, dass es heute deutlich mehr Immobilien gäbe als vor zwei Jahrzehnten oder dass sich die Qualität oder der Nutzen der Häuser stark verbessert hätte. Vielmehr sind die Immobilien schlicht teurer geworden. "Vermögender" sind die Besitzer also oftmals nur auf dem Papier.

Historisch ist das Nettovermögen stets im Einklang mit dem Wirtschaftswachstum gestiegen. Doch dieser historische Zusammenhang kann in Australien, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Japan, Kanada, Mexiko, Schweden und den USA längst nicht mehr beobachtet werden. Während das Wirtschaftswachstum in diesen zehn Ländern, auf die etwa 60 Prozent des weltweiten BIP entfallen, seit dem Jahr 2000 schwach war, hat sich das Nettovermögen insgesamt verdreifacht.

Im Jahr 2020 machten Immobilien 68 Prozent des weltweiten Nettovermögens aus, so eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens McKinsey, darunter 46 Prozent Wohnimmobilien einschließlich der dazugehörige Grund und Boden und 23 Prozent gewerbliche Immobilien einschließlich der dazugehörige Grund und Boden. Sachanlagen, die in der Regel das Wirtschaftswachstum vorantreiben, wie Infrastruktur, Industrieanlagen, Maschinen und Ausrüstung, Patente und Mineralvorkommen machten hingegen nur rund ein Fünftel des weltweiten Nettovermögens aus.

Das (in der Grafik oben dargestellte) globale Realvermögen hat Stand 2020 einen Gesamtumfang von 520 Billionen Dollar. Dies entspricht auch dem Umfang des globalen Nettovermögens, denn die finanziellen Vermögenswerte werden insgesamt gerechnet durch die finanziellen Verpflichtungen genau ausgeglichen. Zum Beispiel ist die Schuldforderung des einen die Schuld des anderen, und die Aktie steht lediglich für einen Anteil am realen Vermögen des entsprechenden Unternehmens.

Das Nettovermögen der privaten Haushalte umfasst sowohl reale Vermögenswerte wie Immobilien als auch finanzielle Vermögenswerte wie Aktien und Anleihen. Denn über ihre Aktien besitzen die privaten Haushalte reale Vermögenswerte der Unternehmen, und über Anleihen reale Vermögenswerte der Schuldner. "Auf der Ebene einer globalen oder geschlossenen Volkswirtschaft stehen jedoch allen finanziellen Vermögenswerten die entsprechenden Verbindlichkeiten gegenüber", so die Studienautoren.

Und weiter: "Aktien, die etwa die Hälfte des Vermögens der privaten Haushalte ausmachen, sind Verbindlichkeiten für die emittierenden Unternehmen. In ähnlicher Weise ist eine Hypothek eine Verbindlichkeit für einen Haushalt, aber ein Vermögenswert für ein Finanzinstitut. Während das Bruttovolumen der finanziellen Vermögenswerte enorm ist, beträgt der Gesamtwert nach Abzug der entsprechenden finanziellen Verbindlichkeiten netto null."

Zwischen 2000 und 2020 stieg das Nettovermögen von 160 Billionen Dollar auf 510 Billionen Dollar. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Nettovermögen lag bei 66.000 Dollar, aber es gibt große Unterschiede zwischen den Staaten und noch größere Unterschiede zwischen den privaten Haushalten. In Deutschland etwa war das Nettovermögen sechsmal so groß wie die Wirtschaftskraft. Das entspricht einem Pro-Kopf-Nettovermögen von 274.000 Dollar.

Die Höhe des Nettovermögens im Verhältnis zum BIP hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu gehören die Ressourcenausstattung, die Handelsbilanz und die Investitionsquoten sowie die Preise von Vermögenswerten im Vergleich zu Verbraucherpreisen. So verfügen beispielsweise Australien, Kanada und Mexiko über beträchtliche Bodenschätze, während Exportnationen wie Deutschland und Japan über ein beträchtliches Nettofinanzvermögen verfügen.

Bei den privaten Haushalten macht das Realvermögen fast die Hälfte des Nettovermögens aus, vor allem das Wohneigentum. Die andere Hälfte, das Finanzvermögen, besteht zu etwa gleichen Teilen aus Pensionsansprüchen, Einlagen und Aktien. Doch die Verteilung ist von Land zu Land unterschiedlich. So besitzen die Haushalte in Deutschland, Australien, Frankreich und Mexiko vor allem Häuser und Grundstücke, während in den USA Aktien und Anleihen den größten Teil des Haushaltsvermögens ausmachen.


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