Vorsorge
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So reagieren Sie nach einem Autounfall richtig

Lesezeit: 7 min
09.12.2021 20:00  Aktualisiert: 10.12.2021 20:00
Nach einem Unfall gilt es, die Ruhe zu bewahren. Denn nur wer in diesem Moment richtig handelt, kann sich im Nachhinein viel Ärger ersparen. Dabei ist es erstmal unerheblich, ob man den Unfall selbst verschuldet hat oder nicht.
So reagieren Sie nach einem Autounfall richtig
Deutsche Autobahnen gelten als relativ sicher. (Foto: iStock.com/anyaberkut)
Foto: anyaberkut

Es knallt und erstmal sind alle unter Schock: Ein Verkehrsunfall ist für jeden ein einschneidendes Erlebnis. Wie verhält man sich richtig und welche Fehler kann man machen? Darüber haben wir mit Stefan Hartmann von Allianz Direct gesprochen und erfahren, was der Fachmann in solchen Situationen rät.

Altersvorsorge neu gedacht: Herr Hartmann, Sie haben jahrelange Erfahrung im Schadensmanagement. Was empfehlen Sie nach einem Unfall?

Stefan Hartmann: Es ist wichtig, Ruhe zu bewahren, den Warnblinker einzuschalten, das Warndreieck aufzustellen und sich einen Überblick zu verschaffen: wie intensiv war der Unfall und gibt es Verletzte? Wenn dem so ist, bringen Sie sich in Sicherheit, wenn möglich fahren oder rollen Sie den Wagen an den Rand und versuchen Sie dabei Passanten anzusprechen, dass diese bei einem Personenschaden den Notruf wählen.

Bei größeren Unfällen, etwa auf der Autobahn, empfehle ich, die 112 zu wählen. Unter dieser Nummer wird gleich ein ganzes Bündel an Maßnahmen eingeleitet, beispielsweise wird neben der Versorgung durch einen Notarzt meist auch gleich ein Abschleppdienst gerufen. Vor allem auf Autobahnen ist es wichtig, dass bei der Versorgung von anderen verletzten Unfallteilnehmern das eigene Leben nicht in Gefahr gebracht wird. Jedes Jahr verlieren mehrere Menschen ihr Leben nach einem Unfall. Daher gilt hier als Faustregel: Sofern möglich, bringen Sie Ihren Wagen auf den Standstreifen, ziehen Sie sich die Warnweste an und warten Sie im besten Fall hinter der Leitplanke. Auch das Aufstellen des Warndreiecks im richtigen Abstand ist wichtig, um die Unfallstelle zu sichern.

Machen Sie konkrete Ansagen, wer den Notruf verständigen soll und schätzen Sie realistisch ab, ob es sicher ist, zum anderen Unfallwagen zu gehen und nach Verletzen zu sehen. Ist dies erledigt, rufen Sie am besten gleich bei ihrer Versicherung an, die sich um alles Weitere kümmert.

Aber auch an Zeugen geht mein Appell: Erste Hilfe und Hilfeleistung geht alle etwas an. Das fängt damit an, dass diese beispielsweise den Notruf übernehmen können oder auch an die Bildung der Rettungsgasse denken, bevor es zum Stau kommt.

Gehen wir davon aus, dass es keine verletzen Personen gegeben hat. Was kann man als Unfallteilnehmer nach einem Unfall alles falsch machen?

Der größte Fehler ist es, zu wenige Informationen festzuhalten. Eine gute Dokumentation des Unfalls ist für alle von großem Vorteil. Ist eine zweite Partei beteiligt, gilt es, alle relevanten Personendaten aufzunehmen. Denken Sie dabei auch an Zeugen! Welche Personen waren im anderen Fahrzeug anwesend, wer ist gefahren? Machen Sie so viele Fotos wie möglich von den Beschädigungen an beiden Autos, wie die Fahrzeuge auf der Straße stehen oder ob vielleicht noch andere Objekte touchiert worden sind. Dabei können auch Fotos von der Umgebung relevant sein, beispielsweise ein schlecht sichtbares Stoppschild.

Denken Sie daran: Sie können mit Leichtigkeit geschossene Fotos löschen, aber sie kommen nie wieder an diese, wenn Sie vergessen welche zu machen. Je mehr Informationen und Details, umso besser für den Sachbearbeiter, da man so viele Rückfragen vermeiden kann. Ein Tipp: Machen Sie auch Fotos von den Dokumenten: Führerschein und Versicherungskarte nebeneinanderlegen und abfotografieren – so sind alle relevanten Daten auf einem Bild gesichert und Sie brauchen keine Zettel schreiben, die dann vielleicht sogar verloren gehen.

Und wenn es gar keinen Unfallgegner gibt, weil ich mein Auto ohne Zutun von anderen beschädigt habe?

Wenn der Unfall ohne ein weiteres Fahrzeug stattfindet, kann ich Ihnen ebenfalls eine gute Dokumentation empfehlen. Touchieren Sie beispielsweise mit Ihrem Wagen eine Mauer, ist es genauso wichtig, dass das Objekt abfotografiert wird. Das Schadensmanagement kann anhand dieser Dokumentation erkennen, wie stark der Einschlag war und zieht so Rückschlüsse, die man ohne Hintergrundwissen nicht gleich erkennt.

Ein Beispiel: Alle modernen Autos haben Kunststoffteile, die im Falle eines Unfalls eingedrückt werden, aber sich wieder zurückverformen, wie etwa der Stoßfänger. Der Lack geht diese Bewegung mit und von außen ist kein Schaden wahrnehmbar. Durch die Heftigkeit des Aufschlags, den wir dann anhand der Fotos des Anstoßobjektes erkennen, lässt sich aber feststellen, ob es sinnvoll ist, die Stoßstange ganz abzumontieren, um diese nach Schäden zu untersuchen.

Um den Einwand entgegenzuwirken, man hätte Fahrerflucht begangen, empfehle ich im Fall eines Schadens, dass die Polizei benachrichtigt wird. Sobald ein anderes, parkendes Auto involviert ist – auch wenn Sie nur den Rückspiegel leicht touchieren sollten –, ist das gesetzlich vorgeschrieben, anderenfalls ist es tatsächlich Fahrerflucht. Aber ich empfehle das Hinzuziehen der Polizei auch, wenn ein Zaun, ein Garagentor oder eine Mauer beschädigt wurde.

Was jeder Autofahrer bestimmt schon einmal gehört hat, ist, dass man keinesfalls zugeben sollte, dass man Schuld an einem Unfall hat. Wie wichtig ist das tatsächlich?

Sie brauchen die Verschuldensfrage nicht selbst klären. Wichtig ist, dass Sie wie beschrieben den Unfallhergang dokumentieren. Das kann einem auch Ärger ersparen, weil sich Aussagen nach einem Unfall oft ändern können. Deswegen ist es sinnvoll, sofern der Schaden schriftlich festgehalten wurde, das Dokument abzufotografieren. Dadurch kann verhindert werden, dass im Nachhinein daran noch Korrekturen vorgenommen werden. Machen Sie kein Schadenszugeständnis per Unterschrift, sondern rufen Sie Ihre Versicherung an. Alle Versicherungen sind in der Lage, die Situationen per Telefon vorab grundsätzlich einzuschätzen.

Ich kann mich hier nur wiederholen: Bewahren Sie nach einem Unfall die Ruhe, kontrollieren Sie die eigene Unversehrtheit und die des anderen und bleiben Sie freundlich. Jedem kann ein Unfall passieren, bleiben Sie fair, egal ob Sie Geschädigter oder Schädiger sind. So lässt sich dann auch die Dokumentation angenehmer gestalten.

Ein weit verbreiteter Irrglaube ist auch, dass die Polizei die Schuld feststellt, wenn sie gerufen wird. Dies jedoch ist nicht die Aufgabe der Polizei. Auch eine mögliche mündliche Verwarnung der Polizei bedeutet nicht, dass Sie Schuld an dem Unfall haben.

Oftmals können auch beide Verkehrsteilnehmer schuld an einem Unfall sein, zum Beispiel, wenn auf einem Parkplatz beide rückwärtsfahren. Bei einer Haftungsteilung kümmert sich ebenfalls die Versicherung um die Aufarbeitung.

Eine wichtige Information: Wenn Sie felsenfest davon überzeugt sind, nicht schuld zu sein und einen Sachverständigen auf eigene Rechnung bestellen und dieser kommt zu dem Schluss, dass Sie teil- oder ganz schuld sind, bleiben Sie im schlimmsten Fall ganz oder teilweise auf den Kosten des Sachverständigen sitzen, die sich auf mehrere hundert Euro belaufen können. Deswegen mein Rat: Immer zum Telefon greifen und sich mit der eigenen Kfz-Versicherung abstimmen.

Was passiert, wenn ich einen Unfallgegner habe, dessen Fahrzeug nicht in Deutschland zugelassen ist?

Überall in der EU – außer in Deutschland – muss in so einem Fall ein europäischer Unfallbericht ausgefüllt werden. Ich empfehle dieses Vorgehen auch für einen Fall hierzulande, obwohl es nicht vorgeschrieben ist. Der Vordruck des Berichts kann hier runtergeladen und im Auto deponiert werden. Ich wünsche Ihnen, dass Sie ihn nie brauchen werden, aber im Fall der Fälle sind Sie dann vorbereitet. Das weitere Vorgehen bleibt dasselbe: Dokumentieren Sie so ausführlich wie möglich und fotografieren Sie den Unfallbericht ab, damit daran nichts mehr verändert werden kann.

Und wenn der Unfall im Ausland stattfindet?

Im Ausland rate ich dazu, die Behörden zu involvieren, da diese einen Dolmetscher stellen können. Wir bei Allianz Direct haben ein internationales Netzwerk, welches auch im Ausland dafür sorgt, dass ein Abschleppwagen gerufen wird. Zudem stellen wir Ihnen einen Ersatzwagen und der Reiserücktransport wird organisiert. So wird Ihnen administrativ viel abgenommen, was im Ausland schwer zu organisieren ist.

Stellen Sie einen Ersatzwagen auch in Deutschland?

Selbstverständlich übernehmen wir die Organisation von Abschleppdienst und Ersatzwagen auch in Deutschland, nicht nur im Ausland. Wenn Sie als unser Kunde zu einer unserer Partnerwerkstätten in die Reparatur gehen, dann erhalten Sie einen Ersatzwagen, solange die Reparatur dauert. Unser Werkstattnetz SPN Service Partner Netzwerk GmbH ist gemeinsam mit dem ADAC und der Versicherungskammer Bayern organisiert. Dazu gehören landesweit etwa 1000 Partnerbetriebe, die ständig überprüft werden, wo der Schadensprozess schnell abläuft und die Qualität einwandfrei gegeben ist. Da wir mit diesen Betrieben so eng zusammenarbeiten, haben sich viele Prozesse verschlankt und können deswegen schneller vonstattengehen. In der Regel erhalten Sie spätestens eine Stunde nach dem Unfall bereits den Anruf der Werkstatt.

Kann jeder den Service der Partnerwerkstätten nutzen?

Den Service durch unsere Partnerwerkstätten kann jeder Allianz Direct Kunde bei uns nutzen, egal ob er sich im Vertrag für die Werkstattbindung entschlossen hat oder nicht. Durch Standardisierung der Prozesse haben wir eine gute Zusammenarbeit mit den Werkstätten und können so schnellere Lösungen und weniger Wartezeit anbieten. Weiters gibt es einen Hol- und Bringservice im Schadenfall und das Fahrzeug kommt gereinigt zu Ihnen zurück. Die Garantien für die Reparaturen sind deutlich länger als die gesetzlichen Vorgaben. Sollte dennoch einmal irgendetwas nicht zu Ihrer Zufriedenheit sein, rufen Sie uns an. Wir haben einen direkten Draht zu unseren Partnern und können alles auf einem schnellen Weg klären.

Was passiert, wenn sich eine Reparatur nach einem Unfall nicht mehr lohnt?

Wenn der Schaden etwa die Hälfte des Werts des Fahrzeugs ausmacht, lohnt sich eine Reparatur meistens schon nicht mehr. In so einem Fall empfehlen wir die Veräußerung und bemühen uns um einen Ersatzwagen. Denn zum tatsächlichen Schaden kommt noch das Prognoserisiko, das heißt, der Schaden wird berechnet, doch erst nach der Reparatur weiß man ganz genau, ob noch weitere Posten auf die Rechnung dazukommen.

Natürlich werden die Reparaturen von Unfallschäden immer sachgerecht durchgeführt, doch es ist auch schwieriger, einen Unfallwagen zu verkaufen. Daher bin ich der Meinung, dass es nicht sinnvoll ist, Reparaturen durchzuführen, die ins Fahrzeuggefüge eingreifen. Nichts schützt davor, dass es nicht doch eine technische Beeinträchtigung gibt.

Wann rechnet es sich, den Schaden selbst zu übernehmen?

Es kann Sinn ergeben, den Schaden selbst zu zahlen, um nicht in eine höhere Schadensfreiheitsklasse zu gelangen. Jedoch rate ich dringend dazu, den Schaden dennoch Ihrer Versicherung zu melden. Erstens sind Sie vertraglich dazu verpflichtet und zweitens kann es, wie eingangs beschrieben, immer der Fall sein, dass ein Auto doch mehr beschädigt wurde als auf den ersten Blick erkennbar, was sich bei Folgeunfällen negativ auswirken kann.

Oder Sie entdecken einen Schaden dann erst viel später bei einem anderen Besuch in der Werkstatt und bemerken, dass dieser viel teurer ist als der von Ihnen vermutete Kratzer im Lack.

Falls es sich für Sie lohnen würde, den Schaden selbst zu übernehmen, sagen wir Ihnen das auch. Insofern mein Tipp: Immer als Erstes die Versicherung anrufen und mit einem Fachmann an der Seite die Situation meistern. Dafür sind wir schließlich da.

Zur Person: Stefan Hartmann ist verantwortlich für das Thema Kaskoversicherung bei Allianz Direct und hat im Schadenmanagement mehr als zehn Jahre Erfahrung auf Seiten einer Versicherung. Zudem hat er mehrjährige Kanzleierfahrung, spezialisiert auf Schadensrecht, und war davor sowohl in einer Autovermietung und einer großen Autohausgruppe tätig und kennt somit alle relevanten Aspekte, wenn es zu einem Schadensfall kommt.

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