Geldanlage

Trotz Niedrigstzinsen: Deutsche lieben ihr Sparbuch

Lesezeit: 3 min
19.10.2020 17:10  Aktualisiert: 19.10.2020 17:10
Der überwiegende Anteil der Deutschen will an seinem Sparverhalten nichts ändern. Am beliebtesten ist das Sparbuch, obwohl diese Form der Geldanlage keine bis wenig Zinsen abwirft.
Trotz Niedrigstzinsen: Deutsche lieben ihr Sparbuch
Das Sparschwein wirft aktuell fast genauso viel Zinsen ab wie das klassische Sparbuch. (Foto: Pixabay)

Der Spareifer der Deutschen ist nicht nur zum Weltspartag ungebrochen, die meisten Sparerinnen und Sparer wollen trotz Corona-Krise so weitermachen wie bisher, viele möchten beim Sparen sogar noch zulegen. Dabei ist ihnen Sicherheit und die jederzeitige Verfügbarkeit bei ihrer Geldanlage besonders wichtig. Trotz Mehrwertsteuersenkung und kaum vorhandener Inflation rechnen die meisten Befragten mit leicht steigenden Preisen. Dies sind die Ergebnisse aus dem aktuellen Anlegerbarometer von Union Investment, einer repräsentativen Befragung deutscher Finanzentscheider in privaten Haushalten.

76 Prozent der Befragten werden trotz der Corona-Krise an ihrem Sparverhalten nichts ändern. 17 Prozent wollen sogar mehr sparen. Das sind sieben Prozentpunkte mehr als noch im Vorquartal. Die meisten Anlegerinnen und Anleger wissen, dass sie mit der traditionsreichsten Sparform der Deutschen - dem Sparbuch - nichts mehr gewinnen können. 68 Prozent der Befragten sagen, dass der Zinssatz für ein Sparbuch unter 0,5 Prozent liegt. Wie im Vorquartal, geht kaum jemand von vier Prozent oder mehr aus. Auffällig ist: Immer mehr Befragte legen sich bei ihrer Antwort explizit auf einen Prozentsatz fest, wodurch sich der Anteil derer, die keine Angabe machen oder es nicht wissen, seit dem ersten Quartal 2014 von 14 Prozent auf 7 Prozent halbiert. „Diese Ergebnisse zeigen, dass den Sparerinnen und Sparern die Zinssituation sehr deutlich bewusst ist. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass sich mittlerweile knapp die Hälfte unserer Umfrageteilnehmer vorstellen kann, auch chancenreichere Anlageformen wie Aktien oder Aktienfonds zu nutzen“, kommentiert Giovanni Gay, Geschäftsführer bei Union Investment.

Sicherheit und Verfügbarkeit sind den Deutschen besonders wichtig

Bei ihrer Geldanlage ist es den Deutschen am wichtigsten, mindestens den eingezahlten Betrag zurückzubekommen. Darauf legen 35 Prozent der Befragten Wert (Vorquartal 34 Prozent). Die jederzeitige Verfügbarkeit der eigenen Geldanlage hat jedoch in der Corona-Krise mit 32 Prozent Zustimmung deutlich an Relevanz gewonnen. Vor der Krise, im ersten Quartal dieses Jahres, waren es 11 Prozentpunkte weniger (21 Prozent). Wohingegen Renditeaspekte in den letzten sechs Monaten deutlich an Relevanz verloren haben: Für 21 Prozent der Befragten ist entscheidend, mit der eigenen Geldanlage eine hohe Rendite zu erzielen. Zu Beginn des Jahres waren es noch 32 Prozent. „Investmentfonds bieten die Möglichkeit, an den Entwicklungen der Kapitalmärkte teilzuhaben und sind gleichzeitig jederzeit verfügbar. Insofern passt diese Form der Geldanlage zu dem, was sich Sparerinnen und Sparer wünschen, sagt Gay.

Die meisten Anlegerinnen und Anleger erwarten leicht steigende Preise

Die Folgen der Corona-Krise hinterlassen bei der Entwicklung der Inflation deutliche Spuren. Fragt man deutsche Sparerinnen und Sparer nach ihrem Eindruck zur Entwicklung der Preise, rechnen knapp zwei Drittel (63 Prozent) mit steigenden Preisen. Im zweiten Quartal dieses Jahres waren es noch 78 Prozent. Gleichzeitig erhöht sich der Anteil derer, die von konstanten Preisen ausgehen, auf 28 Prozent. Das sind zehn Prozentpunkte mehr als noch im Vorquartal. Der Anteil der Befragten, der leicht fallende Preise erwartet, verdoppelt sich in den letzten drei Monaten von 4 Prozent auf nun 9 Prozent und erreicht somit einen neuen Höchstwert. Wenn man die Umfrageteilnehmer fragt, wie sie bei den Preisen zu ihrer Einschätzung kommen, dann spielt der regelmäßige Einkauf, z.B. im Supermarkt, die größte Rolle. Für 82 Prozent ist das, was an der Kasse bezahlt wird, der entscheidende Eindruck bei ihrer Beurteilung der Preisentwicklung. Für 61 Prozent der Befragten weisen auch die Immobilienpreise und die Höhe der Mieten sowie die Berichterstattung in den Medien (58 Prozent) auf die Entwicklung der Preise hin. Der Benzinpreis ist für 49 Prozent ein Hinweis auf steigende oder fallende Preise und 43 Prozent machen ihre Einschätzung an der Tatsache, dass am Monatsende weniger Geld auf dem Konto ist, fest.

Seit Anfang 2001 ermittelt das Marktforschungsinstitut Forsa im Auftrag von Union Investment quartalsweise das Anlegerverhalten. Befragt werden 500 Finanzentscheider in privaten Haushalten im Alter von 20 bis 59 Jahren, die mindestens eine Geldanlage besitzen. Für das dritte Quartal erhob Forsa die Daten vom 3. bis 11. August 2020. Bei Umfragewerten, die sich nicht zu 100 Prozent addieren, gibt die Differenz den Anteil der unschlüssigen Befragten an.

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