Börse

US-Wahl: Woge der Begeisterung erfasste auch Anleger

Lesezeit: 3 min
09.11.2020 18:24
Die Befürchtungen waren groß, dass ein langes Warten auf das Ergebnis der US-Wahl die Märkte verunsichern würde. Doch das Gegenteil ist eingetreten. Die auf den ersten Blick erstaunliche erneute Risikobereitschaft und Beliebtheit von Aktien am Tag nach den Wahlen lassen sich recht einfach erklären.
US-Wahl: Woge der Begeisterung erfasste auch Anleger
Das Ergebnis der US-Wahl 2020 ließ unerwartet lange auf sich warten. (Foto: Pixabay)

Analyse von Olivier de Berranger, CIO bei LFDE:

In den letzten Wahltagen erschien der – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne – im Weißen Haus verschanzte Präsident Trump zunehmend isoliert. In Washington herrscht Endzeitstimmung. Denn auch wenn er seine Wählerschaft viel stärker mobilisieren konnte als die Umfragen vorhergesagt hatten, scheint es einen offenen Bruch zwischen ihm und seiner Partei zu geben. Während der ungewissen Phase der Stimmenauszählung schienen nur sehr wenige seiner Anhänger die Auffassungen Donald Trumps von Wahlbetrug und Fälschungen zu teilen. Die sozialen Netzwerke schwächten die Fake News des Präsidenten über Pandemie und Politik bereits häufig ab, und auch die Medien zauderten nicht mehr, die Kommunikation des Präsidenten zu zensieren. Viele brachen am vergangenen Donnerstag die Übertragung seiner Erklärung aus dem Presseraum des Weißen Hauses ab, weil sie sie für unverschämt wahrheitswidrig hielten.

Zuversicht kehrt zurück: Aussicht auf geteilte Regierung stützt Anlegerstimmung

Man hätte befürchten können, dass das Szenario eines knappen, umstrittenen Ergebnisses die Finanzmärkte, die bereits durch neue COVID-Wellen in Europa und den USA geschwächt sind, ins Wanken bringt. Doch nichts dergleichen. Obwohl das Wahlergebnis mehrere Tage nach dem Urnengang immer noch nicht feststand und sich die Gerichtsklagen häuften, wurden die Anleger zum Ende der Wahlwoche von einer Woge der Begeisterung erfasst.

Die auf den ersten Blick erstaunliche erneute Risikobereitschaft und Beliebtheit von Aktien am Tag nach den Wahlen lassen sich recht einfach erklären. Auch wenn die Ergebnisse sowohl im Hinblick auf das Präsidentenamt als auch den Senat noch unklar waren, war ein deutlicher Sieg der Demokraten, der den gesamten Kongress auf ihre Seite zieht, nicht wahrscheinlich. In der Vergangenheit bevorzugten die Märkte Phasen mit geteiltem Kongress, denn ein geteilter Kongress bedeutet eine erzwungene Suche nach Kompromissen und Konsens. Es handelt sich also nicht um eine demokratische Revolution, sondern um eine Evolution. Die umstrittensten Reformen des Kandidaten Biden werden ganz gewiss nur sehr begrenzt umgesetzt werden. Dies gilt in erster Linie für Steuererhöhungen und ein großzügiges Konjunkturpaket.

Technologiewerte profitieren besonders

Hauptnutznießer dieser neuerlichen Risikobereitschaft waren die großen Technologiewerte, deren Leitindex Nasdaq binnen zwei Tagen nach dem Wahltag um mehr als 6 Prozent zulegte und den weniger „technologielastigen“ S&P 500 um fast 2 Prozent übertraf. Eine von den Demokraten ins Spiel gebrachte Zerschlagung der Tech-Riesen wegen des Missbrauchs ihrer beherrschenden Position ist vorerst aufgeschoben beziehungsweise auf kurze Sicht sogar ausgeschlossen.

Auf der anderen Seite sank der Zinssatz für 10-jährige US-Anleihen nach der Meldung der ersten amtlichen Ergebnisse rasch unter der Annahme, dass ein angemessenes Konjunkturpaket verabschiedet wird, welches keinen beunruhigenden Anstieg der US-Schuldenlast und damit Misstrauen bei den Kapitalgebern bewirkt. Während die Märkte einen kühlen Kopf bewahrten, ließ sich dies von Donald Trump nicht behaupten.

Die Fondsgesellschaft LFDE wurde 1991 in Frankreich gegründet und konzentriert sich auf Investments in europäische und internationale börsennotierte Unternehmen. LFDE ist in Deutschland, Spanien, Italien, der Schweiz und in den Benelux-Ländern vertreten und verwaltet zum 31.12.2019 Vermögen in Höhe von rund 10 Milliarden Euro.

***

Altersvorsorge-neu-gedacht.de ist eine Publikation von Bonnier Business Press Deutschland und ist Ratgeber zu den Themen Vorsorge und Geldanlage.

ANG
Geldanlage
Geldanlage Zollfreilager für Edelmetalle: Lohnt sich das für Privatanleger?

Mit der Lagerung im Zollfreilager sparen Privatanleger die Mehrwertsteuern auf die Weißmetalle Silber, Platin und Palladium. Ein guter...

ANG
Geldanlage
Geldanlage Privatkredite: Wenn die Freundschaft beim Geld endet

37 Prozent der Deutschen haben laut einer aktuellen Umfrage schon einmal einer nahestehenden Person Geld geliehen. Ist das eine gute Idee?

ANG
Karriere
Karriere Studie: Höherer Mindestlohn gut für rund 6,6 Millionen Beschäftigte

Mehrere Millionen Menschen dürften hierzulande nach Schätzungen des WSI von der Anhebung des Mindestlohns profitieren.

ANG
Vorsorge
Vorsorge Frugalismus – ein Trend für jedermann?

Möglichst viel sparen, um möglichst früh in Rente zu gehen? Das ist das Ziel der Frugalisten. Doch dieser Weg erfordert eiserne...

ANG
Börse
Börse Volkswagen: „Porsche-Börsengang gibt uns finanzielle Kraft“

Porsche ist an die Börse gegangen. Das dürfte wohl noch hohe Wellen schlagen.

ANG
Geldanlage
Geldanlage Gold anonym kaufen: Wo ist das noch möglich?

Der anonyme Goldkauf ist in Deutschland bloß unter einem Betrag von 2000 Euro erlaubt. In anderen europäischen Ländern liegt die Grenze...

ANG
Börse
Börse Agrar-ETFs: Sinnvolles Investment in die Ernährung der Zukunft?

Steigende Nahrungsmittelpreise, zunehmende Dürren und eine wachsende Weltbevölkerung – die Landwirtschaft der Zukunft muss sich an...

ANG
Geldanlage
Geldanlage Aktien waren gestern - hier kommen fünf unkonventionelle Geldanlagen

Nicht immer müssen profitable Investments nur an der Börse vorhanden sein.