Börse

Warren Buffett: 7 Investment-Tipps des Börsen-Gurus

Lesezeit: 4 min
28.12.2020 14:02  Aktualisiert: 28.12.2020 14:02
Warren Buffett ist Großinvestor und Gründer des Investment-Unternehmens Berkshire Hathaway. Seine Anlageentscheidungen und Börsenweisheiten gelten als legendär.
Warren Buffett: 7 Investment-Tipps des Börsen-Gurus
Eines der Lieblingsinvestments von Warren Buffett ist Coca-Cola. In das Unternehmen ist er bereits seit 32 Jahren investiert. (Foto: Pixabay)

Warren Buffett gilt an der Börse als Investment-Legende. Seine Erfolge an den Finanzmärkten brachten dem 1930 in Omaha (Nebraska, USA) geborenen Buffett den Spitznamen „Das Orakel von Omaha“ ein. Heute ist Buffett Chef der Investment-Firma Berkshire Hathaway und mit einem Netto-Vermögen von knapp 85 Milliarden Dollar zählt er zu den reichsten Menschen auf dem Planeten (Platz 4 auf der Forbes-Liste).

Buffett ist bekannt für seine Gespür für erfolgversprechende Investitionen und seine Weitsicht. Der Self-Made-Milliardär hat im Lauf seiner Investment-Karriere unzählige nützliche Erfahrungen gesammelt, die er bereitwillig mit anderen Aktienanlegern teilt. Wir zeigen Ihnen seine 7 besten Tipps für erfolgreiche Aktien-Investments.

Tipp Nummer 1: Einfache Investitionen finden

Eine gute Investitionsstrategie zeichnet sich durch Einfachheit aus. Buffett beklagte einmal gegenüber seinen Investoren von Berkshire Hathaway, dass Menschen dazu neigen würden, einfache Dinge kompliziert zu machen. Dabei seien einfache Vorgehensweise viel effizienter. Das spiegele sich auch in der Investmentstrategie vieler Fondsmanager wider, so Buffett. Dabei gibt es keine Bonus-Punkte für eine möglichst komplizierte Anlagestrategie, am Ende zähle nur der finanzielle Erfolg. Demnach sollte das Investitionsobjekt, in das investiert werden soll, einfach verständlich sein und die Einstiegsbarrieren möglichst niedrig sein. Um seinen Punkt zu verdeutlichen, schrieb er seinen Investoren: „Ich versuche nicht, zwei Meter hoch zu springen. Ich schaue mich nach Hindernissen um, die 30 Zentimeter hoch sind, und die ich einfach erklimmen kann.“

Tipp Nummer 2: Sichere Investitionen tätigen

Am Aktienmarkt gibt es natürlich kein risikofreies Investment. Jede Investition beinhaltet auch ein Risiko, doch durch sorgfältige Prüfung des Unternehmens lässt sich dieses Risiko minimieren. Wenn er in Aktien investiert, sucht Buffett nach Unternehmen mit einem einfachen und überzeugenden Geschäftsmodell. Das Geschäftsmodell sollte so robust sein, dass auch schlechtes Management dem langfristigen Erfolg des Unternehmens nichts anhaben kann. „Ich kaufe gerne Anteile an Unternehmen, die so fabelhaft sind, dass selbst ein Idiot sie führen kann. Denn früher oder später wird einer an der Spitze sein“, so Buffett. Beispiele aus Buffetts Portfolio dafür sind der Getränkehersteller Coca-Cola, die weltgrößte Bank Wells Fargo oder der Finanzdienstleister American Express.

Tipp Nummer 3: Auf Unternehmen setzen

Wenn es um die Frage der richtigen Kapitalanlage geht, stehen für Buffett Unternehmensbeteiligungen in Form von Aktien ganz oben auf dem Plan. Zwar seien Aktienmärkte kurzfristig anfällig für Schwankungen, doch auf lange Sicht seien die Aussichten für die Börse gut, sagte er einmal in einem Interview mit der New York Times. Als Beleg für seine These führt er die Entwicklung des Dow Jones im 20. Jahrhundert an. Dieser sei von etwa 50 Basispunkten auf über 16.000 gestiegen, obwohl das Jahrhundert zwei Weltkriege, die Große Depression, die Spanische Grippe, Öl-Krisen und über ein Dutzend Rezessionen mit sich gebracht habe. Einige der sogenannten „Blue Chips“, also umsatzstarke Aktien von Großunternehmen, hätten all diese Krisen überstanden.

Tipp Nummer 4: Unternehmen mit Wettbewerbsvorteil finden

Das führt uns gleich zu Buffetts nächstem Investment-Tipp. Er investiert nicht einfach in jedes große Unternehmen, sondern sucht Firmen mit einem starken Vorsprung vor der Konkurrenz. Buffett erklärte dazu einmal die Strategie seiner Investment-Firma Berkshire Hathaway wie folgt: „Wir suchen Unternehmen mit einem anhaltenden Wettbewerbsvorteil, die von kompetenten Besitzern geleitet werden. Wenn diese Eigenschaften gegeben sind und wir zu günstigen Preisen einsteigen können, ist es schwer etwas falsch zu machen.“ Der Schlüssel dabei sei nicht die Fähigkeit, einzuschätzen, wie sehr eine Industrie oder eine neue Technologie eine Gesellschaft beeinflusse, sondern wie groß der Vorsprung des Unternehmens vor seinen Konkurrenten ist und wie lange dieser Vorsprung anhalten wird.

Tipp Nummer 5: Langfristig statt kurzfristig investieren

Warren Buffett hält nichts von kurzfristiger Zockerei. Wenn er einmal ein Unternehmen identifiziert hat, das ihn überzeugt, bleibt er oft Jahre lang daran beteiligt. „Wenn du nicht bereit bist, eine Anlage für zehn Jahre zu halten, denk nicht mal daran, sie für zehn Minuten zu besitzen. Stelle ein Portfolio mit Unternehmen zusammen, deren aggregierte Einnahmen über die Jahre steigen, dann wird auch der Wert des Portfolios steigen.“ Buffetts Portfolio spiegelt diesen Aspekt wider. Seine langfristigsten Investitionen hält der Self-Made-Milliardär seit über 30 Jahren, etwa die Aktien von Coca-Cola (seit 32 Jahren investiert) und Wells Fargo (seit 31 Jahren investiert). Dazu ist er seit mindestens zwei Jahrzehnten an den Unternehmen Cosco Wholesale (20 Jahre), der Rating-Agentur Moody's (20 Jahre), M&T Bank (24 Jahre) und American Express (27 Jahre) beteiligt.

Tipp Nummer 6: Den Preis einer Aktie richtig einschätzen

Hat Buffett einmal ein Unternehmen mit robustem Geschäftsmodell und Wettbewerbsvorteil identifiziert, kommt es natürlich noch auf den Preis an. Dabei sei der aktuelle Aktienpreis nicht immer der faire Marktpreis, etwa weil die Börse eine Phase der Überbewertung erlebe. Der Börsen-Guru aus Nebraska blickt daher zum Beispiel auf den derzeitigen Aktienkurs im Verhältnis zu den erwirtschafteten Gewinnen je Aktie (Kurs-Gewinn-Verhältnis, KGV). Buffett investiert nur dann, wenn er ein Unternehmen aktuell für unterbewertet hält. In einem Aktionärsbrief von Berkshire Hathaway beschrieb er es 1989 so: „Es ist wesentlich besser, ein wundervolles Unternehmen zu einem fairen Preis zu kaufen, als ein faires Unternehmen zu einem wundervollen Preis zu erwerben.” Da dies nicht immer gegeben sei, sollten sich Investoren in Geduld und Disziplin üben und den richtigen Moment für eine Investition abwarten, statt aktuellen Marktdynamiken hinterherzurennen. Ein günstiger Moment sei beispielsweise, wenn das Unternehmen in temporären Schwierigkeiten stecke, die die langfristige Entwicklung jedoch kaum beeinflussen.

Tipp Nummer 7: Kontrollierte Risiken eingehen

Was uns direkt zu unserem letzten Aktien-Tipp von Warren Buffett führt: Als Aktien-Investor muss man auch mal Risiken eingehen. Am besten misstraut man dabei aber der Herdenmentalität des Marktes und schwimmt auch mal gegen den Strom. Eines seiner berühmtesten Zitate lautet: „Seien Sie ängstlich, wenn andere gierig sind. Und seien Sie gierig, wenn andere ängstlich sind.” Wenn die Börse von einem Allzeit-Hoch zum nächsten eilt, ist Vorsicht geboten, denn viele Unternehmen sind dann wahrscheinlich überbewertet. Wenn der Markt dann die fälligen Korrekturen durchläuft, können mutige Investoren auf Schnäppchen-Jagd gehen. Denn dann, wenn alle Angst vor der Zukunft haben und pessimistisch sind, bieten sich günstige Gelegenheiten, um Aktien günstig zu erwerben und bereits vorhandene Positionen auszubauen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unseren Ratgeber-Interviews:

„Die Abneigung gegen Aktien wurde den Deutschen antrainiert“

„Frauen kommen oft nicht freiwillig in die Finanzberatung“

Altersvorsorge ist nicht sexy, darf aber dennoch nicht ignoriert werden“

                                                                            ***

André Jasch ist freier Wirtschafts- und Finanzjournalist und lebt in Berlin.  

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