Geldanlage

Die Grundlagen der technischen Analyse für Anleger

Lesezeit: 3 min
22.09.2023 10:38  Aktualisiert: 22.09.2023 10:38
Die technische Analyse ist ein unverzichtbares Werkzeug für viele Investoren, das hilft, Markttrends zu entschlüsseln und fundierte Handelsentscheidungen zu treffen. Tauchen Sie mit uns in die Welt der Chartmuster, Indikatoren und die Grundprinzipien dieser Analyseform ein.
Die Grundlagen der technischen Analyse für Anleger
Ein Besucher schaut auf eine elektronische Aktientafel an der Tokioter Börse. (Foto: dpa)

Die technische Analyse ist ein zentrales Werkzeug für viele Investoren, das auf der Untersuchung von Preis- und Volumendaten basiert, um mögliche zukünftige Kursbewegungen vorherzusagen. Dieser Artikel führt Sie in die Grundprinzipien, wichtige Instrumente und die Anwendung dieser Analysemethode ein.

Grundprinzipien und Geschichte der technischen Analyse

Die technische Analyse, oft als Kunst und Wissenschaft des Vorhersagens zukünftiger Preisbewegungen basierend auf historischen Daten beschrieben, hat ihre Wurzeln in den ältesten Handelsbörsen der Welt. Schon im 18. Jahrhundert versuchten Reishändler in Japan mithilfe von "Candlestick"-Charts die zukünftigen Reispreise vorherzusagen.

Ein zentrales Prinzip der technischen Analyse ist die Annahme, dass der aktuelle Marktpreis alle relevanten Informationen widerspiegelt. Das bedeutet, alle Faktoren - sei es öffentliche Nachrichten oder Insiderinformationen - sind bereits im Preis enthalten. Daher konzentrieren sich technische Analysten auf Charts und andere Instrumente, um Muster zu identifizieren, die Hinweise auf zukünftige Bewegungen geben könnten.

Ein weiteres grundlegendes Konzept ist die Bedeutung von Trends. In der technischen Analyse wird oft gesagt: "Der Trend ist dein Freund". Dies unterstreicht die Tendenz von Preisen, sich in eine bestimmte Richtung zu bewegen, sei es aufwärts, abwärts oder seitwärts.

Die technische Analyse hat sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt und verfeinert, insbesondere mit der Digitalisierung der Finanzmärkte im 20. Jahrhundert. Heute stehen den Anlegern fortschrittliche Tools und Software zur Verfügung, die komplexe Analysen in Sekundenbruchteilen ermöglichen. Aber trotz dieser Entwicklungen bleiben die grundlegenden Prinzipien der technischen Analyse - das Erkennen von Mustern, das Vertrauen auf Trends und das Verstehen der Marktpsychologie - unverändert und sind nach wie vor von zentraler Bedeutung für jeden, der die Methode effektiv anwenden möchte.

Schlüsselkonzepte: Trends, Unterstützungs- und Widerstandsniveaus

Im Zentrum der technischen Analyse steht IG zufolge das Studium von Preisbewegungen, und dazu sind drei Konzepte besonders wichtig: Trends, Unterstützungs- und Widerstandsniveaus. Diese Begriffe sind nicht nur grundlegend, sondern auch unerlässlich, um die Dynamik des Marktes zu verstehen.

Beginnen wir mit den Trends. Ein Trend beschreibt die allgemeine Richtung, in die sich ein Markt über einen bestimmten Zeitraum bewegt. Es gibt grundsätzlich drei Arten von Trends: aufwärts, abwärts und seitwärts. Ein Aufwärtstrend zeichnet sich durch höhere Hochs und höhere Tiefs aus, während ein Abwärtstrend durch niedrigere Hochs und niedrigere Tiefs gekennzeichnet ist. Ein seitwärts gerichteter Trend, auch als horizontaler oder konsolidierender Trend bekannt, tritt auf, wenn die Preise innerhalb einer engen Spanne schwanken, ohne klare Richtung. Das Erkennen des vorherrschenden Trends hilft Investoren, ihre Strategien entsprechend auszurichten und zu entscheiden, ob sie kaufen, verkaufen oder abwarten sollten.

Das zweite Konzept sind die Unterstützungs- und Widerstandsniveaus. Diese beziehen sich auf die Preisniveaus, bei denen ein Finanzinstrument tendenziell Schwierigkeiten hat, darüber (Widerstand) oder darunter (Unterstützung) zu fallen. Ein Unterstützungsniveau ist wie ein Sicherheitsnetz oder eine Bodenbildung, wo der Preis scheint zu "ruhen" oder sogar wieder zu steigen. Ein Widerstandsniveau hingegen kann als eine Art Decke betrachtet werden, die den Preis daran hindert, weiter zu steigen. Diese Niveaus entstehen durch das kollektive Angebot und die Nachfrage auf dem Markt. Sobald ein Widerstand durchbrochen wird, kann er zu einem neuen Unterstützungsniveau werden und umgekehrt.

Das Verständnis dieser Konzepte ist entscheidend, da sie den Investoren helfen, potenzielle Wendepunkte im Markt zu identifizieren. Durch das Kombinieren der Trendanalyse mit dem Erkennen von Unterstützungs- und Widerstandsniveaus können Anleger besser informierte Entscheidungen darüber treffen, wann sie in den Markt einsteigen oder aus ihm aussteigen sollten.

Einführung in technische Indikatoren und Chartmuster

Wenn Sie tiefer in die technische Analyse eintauchen, werden Sie schnell feststellen, dass die Welt der Chartanalyse weit mehr zu bieten hat als einfache Trends und Unterstützungs-/Widerstandsniveaus. Technische Indikatoren und Chartmuster sind entscheidende Instrumente, die Tradern helfen, zukünftige Marktbewegungen besser vorherzusagen und ihre Handelsentscheidungen zu optimieren.

Beginnen wir mit den technischen Indikatoren. Diese sind mathematische Berechnungen, die auf historischen Preisen, Volumen oder sogar auf anderen Indikatoren basieren. Ein weit verbreiteter Indikator ist der Moving Average (gleitende Durchschnitt). Er hilft, die durchschnittlichen Kursbewegungen über einen bestimmten Zeitraum zu glätten, wodurch das Erkennen von Trends erleichtert wird. Ein weiterer populärer Indikator ist der Relative Strength Index (RSI). Er misst die Geschwindigkeit und die Veränderung von Preisbewegungen und wird oft verwendet, um überkaufte oder überverkaufte Zustände auf dem Markt zu identifizieren.

Während technische Indikatoren wertvolle Informationen über den Markt liefern, sind Chartmuster visuelle Darstellungen von Preisbewegungen, die bestimmte Formen auf dem Chart bilden. Diese Muster können den Tradern Hinweise darauf geben, in welche Richtung der Preis als Nächstes tendieren könnte. Zum Beispiel ist das "Kopf-Schulter"-Muster ein Hinweis darauf, dass eine Umkehr des aktuellen Trends bevorstehen könnte. Ein "Doppelboden"-Muster hingegen deutet auf einen potenziellen Aufwärtstrend nach einem rückläufigen Trend hin.

Sowohl technische Indikatoren als auch Chartmuster sind entscheidende Werkzeuge in der technischen Analyse. Sie helfen Tradern nicht nur, die aktuelle Marktstimmung zu verstehen, sondern auch, potenzielle zukünftige Bewegungen zu antizipieren. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass, obwohl diese Instrumente nützlich sind, kein Tool allein fehlerfrei ist. Eine erfolgreiche technische Analyse erfordert oft das Zusammenspiel mehrerer Indikatoren und Muster, kombiniert mit einer soliden Handelsstrategie und Risikomanagement.

Patryk Donocik ist ein Wirtschaftsredakteur, spezialisiert auf ETFs, Kryptowährungen und zukunftsweisende Anlagestrategien. Er verbindet analytische Tiefe mit leserfreundlicher Darstellung, um komplexe Finanzthemen verständlich zu vermitteln. Als Autor zahlreicher Fachartikel unterstützt er Anleger dabei, fundierte Entscheidungen in einer sich ständig verändernden Welt zu treffen.
Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.
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