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„Der Aktienmarkt ist nicht primär zum Zocken da“

 

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15.07.2021 13:44  Aktualisiert: 15.07.2021 13:44
Fondsmanager Frank freut sich über die steigende Begeisterung der Bevölkerung für Aktien und darüber, dass die Märkte wieder mit Spannung betrachtet werden. Aber nicht uneingeschränkt, denn das funktionierende Erfolgskonzept sei eher langweilig.
„Der Aktienmarkt ist nicht primär zum Zocken da“
Investieren ist kein Glücksspiel – auch wenn der Faktor Glück nicht schadet. (Foto: iStock.com/welcomia)
Foto: welcomia

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Ist Börse wieder „in“? Diesen Eindruck habe ich seit einiger Zeit tatsächlich. Die vorherige Phase, in der die Aktienanlage derart großes Interesse in Deutschland hervorgerufen hat, war meines Erachtens die zweite Hälfte der neunziger Jahre, als das Internet, der Börsengang der Telekom und der Neue Markt die Anleger elektrisierten.

Das ist jetzt auch schon wieder über 20 Jahre her. Nachdem diese Dotcom-Blase geplatzt war, erlahmte das Interesse an Aktien schlagartig. Die Zahl der Aktionäre ging stark zurück. Betrug die Quote derjenigen Personen, die Aktien entweder direkt oder über Fonds hielten, laut Zahlen des Deutschen Aktieninstituts im Jahr 2001 noch historisch hohe 20 Prozent, sank sie bis 2010 unter 13 Prozent und erholte sich danach nur sehr langsam, 2020 auf immerhin schon 17,5 Prozent. Zu viele Anleger hatten sich zur Jahrtausendwende die Finger verbrannt. Aktien galten nicht wenigen als „Teufelszeug“, das sie mieden wie der Teufel das Weihwasser. Im Gespräch waren diese Wertpapiere allenfalls noch, wenn gegen „gierige Banker“, „Zocker“ oder „böse Spekulanten“ gewettert wurde. Ansonsten waren sie als Small-Talk-Thema „out“.

Interesse an Aktien wächst

Seit einiger Zeit ist das anders. Immer häufiger erhalte ich auch im privaten Umfeld Anfragen von Personen, die noch nie etwas mit dem Kapitalmarkt zu tun hatten, sich nun aber doch für ihn zu interessieren beginnen. Gewiss: Oft geht es auch um Kryptowährungen, doch mindestens an zweiter Stelle kommen Aktien und Aktienfonds.

Mich freut das neu erwachte Interesse an der Aktienanlage sehr. Denn ich halte sehr viel davon, wenn Menschen ihr finanzielles Schicksal selbst in die Hand nehmen. Und die Börse bietet eben nun einmal eine sehr demokratische Möglichkeit, auch als „Kleinanleger“ mit nur wenig Geld an den Gewinnen von Unternehmen teilzuhaben. Dass diese Form der Eigenständigkeit in Deutschland von Politikern oft herabgewürdigt und verächtlich gemacht wird, ist ein großes Ärgernis und schadet unserem Land langfristig. Umso mehr freut es mich, dass gerade vermehrt junge Leute darauf nicht anspringen, sondern sich lieber ihre eigenen Gedanken machen. Und dann eben oft erkennen, dass die Börse Chancen bietet, finanzielle Freiheit zu erlangen – nicht mehr und nicht weniger. Je mehr Personen finanziell gebildet sind und Verantwortung für ihre Vermögensbildung übernehmen, desto besser für unsere Gesellschaft.

Keine Spielwiese zum Spekulieren

Nur ein Aspekt trübt mein positives Gesamtbild etwas: Ein nicht unerheblicher Teil der Neulinge sieht den Aktienmarkt eher als Spielwiese zum Spekulieren statt als Grundlage für den kontinuierlichen Vermögensaufbau. Natürlich bringen absichtlich herbeigeführte Spekulationsblasen bei Gamestop, Blackberry, AMC oder windeln.de spektakuläre Kursveränderungen und damit die besten Schlagzeilen und die größte Aufmerksamkeit in den sozialen Medien. Doch kann bei diesen „Meme-Aktien“ nur gewinnen, wer rechtzeitig ein- und wieder aussteigt. Das gelingt vor allem Anfängern so gut wie nie. Wer sein Geld tatsächlich verbrät, um verhassten Hedgefonds eins auszuwischen oder weil er oder sie kritiklos selbst ernannten „Gurus“ folgt, kann das selbstverständlich machen. Mit seriöser Geldanlage hat all das allerdings nichts zu tun. Und da kaum jemand über unendlich tiefe Taschen verfügt, werden viele dieser „Aktionäre“ schnell wieder aus den Aktionärsstatistiken verschwinden.

Nein, die Voraussetzungen für eine lange und erfolgreiche Anlegerkarriere sind andere. Mit Zocken wird nachgewiesenermaßen kaum jemand reich. Gefragt sind vor allem: Erstens Geduld bzw. ein langer Anlagezeitraum, um den Zinseszinseffekt bestmöglich auszuschöpfen und auch Phasen überstehen zu können, in denen nicht fast alles steigt wie derzeit; zweitens Fachwissen, das auch Externe, z. B. gute Finanzberater und Fondsmanager, beisteuern können; und drittens regelmäßige Einzahlungen, z. B. via Sparplan, damit der Kapitalstock auch ohne Kursgewinne stetig steigt. Also alles eher langweilige Dinge, die keinerlei Schlagzeilen und aufregende Geschichten versprechen. Doch wer so kontrolliert und langfristig agiert, hat gute Chancen, auch die nächste Dürreperiode am Aktienmarkt zu überstehen - und beim nächsten Boom dann noch dabei zu sein, um die Vermögensbildung fortzusetzen oder vielleicht sogar schon zum Abschluss zu bringen.

Christoph Frank ist geschäftsführender Gesellschafter der pfp Advisory GmbH. Gemeinsam mit seinem Partner Roger Peeters steuert der seit über 25 Jahren am deutschen Aktienmarkt aktive Experte den DWS Concept Platow (WKN DWSK62), einen 2006 aufgelegten und mehrfach ausgezeichneten Stock-Picking-Fonds.


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