Geldanlage

Verkauf von Gold und Silber in Deutschland wird weiter erschwert

Lesezeit: 4 min
01.09.2021 12:05
Schon wer zwei Unzen Gold verkaufen will, muss bei der Bank seit August die Herkunft des Goldes dokumentieren können. Wer keine Rechnung des Goldkaufs mehr hat, wird abgewiesen.
Verkauf von Gold und Silber in Deutschland wird weiter erschwert
Wer diese Krügerrand-Münzen an eine deutsche Bank verkaufen will, muss dafür die Rechnung des Kaufs vorlegen. (Foto: Pixabay)

Mehr zum Thema:  
Gold > Banken >
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Gold  
Banken  

Seit August fordert die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) von den Banken bei Bareinzahlungen einen Herkunftsnachweis über Beträge von mehr als 10.000 Euro. Wer also entsprechend hohe Bargeldbeträge auf sein Konto einzahlen will, der muss einen Nachweis über die Herkunft des Geldes vorlegen. Das gilt auch dann, wenn der Kunde mehrere Teilbeträge unter 10.000 Euro einzahlt, deren Summe jedoch 10.000 Euro übersteig. Fehlt dieser Nachweis bei der Einzahlung, muss der Bankkunde den Nachweis unverzüglich nachreichen.

Geeignete Nachweise sind nach Angaben der BaFin Zahlungsquittungen über Bargeldauszahlungen anderer Bankinstitute oder Sparkassen, Sparbücher auf den Namen des Kunden, in denen die Barauszahlung ersichtlich ist, Belege zu Bargeldgeschäften, etwa zu einem Autoverkauf, Zahlungsquittungen über Sortengeschäfte (Tausch mit ausländischen Zahlungsmitteln), Erbnachweise wie Erbschein, Testament oder letztwillige Verfügung sowie Schenkungsanzeigen oder Schenkungsverträge.

Bei Gold muss man Herkunft schon ab 2.500 Euro nachweisen

Wenn ein Bankkunde ausländische Zahlungsmittel oder Edelmetalle bei seiner Bank einzahlen will, die nicht seine Hausbank ist, so muss er die Herkunft bereits angeben, wenn der Wert der eingezahlten Mittel 2.500 Euro übersteigt. Wer zum Beispiel keinen Nachweis über seine zwei Krügerrand-Goldunzen mehr hat, weil der Kauf viele Jahre zurückliegt und die Quittung entsorgt oder verblichen ist, der wird von der Bank abgewiesen. Zudem haben die Banken eine Verpflichtung zur Meldung nach § 43 Geldwäschegesetz.

Die Banken hatten lange gegen die neuen Regeln gekämpft. Die Bafin stigmatisiere das Bargeld, ohne dass dabei ein Mehrwert bei der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorfinanzierung entstehe, hatten der Deutsche Sparkassen- und Giroverband sowie der Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken erklärt. Die geforderten Dokumente könne kaum ein Bankmitarbeiter auf Echtheit überprüfen. Zudem werde der Nachweis vielen Kunden unmöglich sein. Die Banken seien auch vielfach vertraglich verpflichtet, Bargeld als Einzahlung anzunehmen.

So schreibt etwa die Sparkasse Osnabrück auf ihrer Webseite: "Edelmetall- und Sortenankauf (Ankauf ausländischer Zahlungsmittel, Anm. d. Red.) werden über unseren Vertragspartner BayernLB abgewickelt. Ein entsprechender Herkunftsnachweis ist hierbei bereits ab einem Betrag von 2.500 EUR erforderlich. Sofern der Herkunftsnachweis bei einem solchen Gelegenheitsgeschäft vom Kunden nicht geführt werden kann, muss das Institut das Geschäft ablehnen."

Was kann der Goldverkäufer tun?

Wer ein paar Goldmünzen verkaufen möchte und über keinen Herkunftsnachweis mehr verfügt, für den gibt es jedoch noch immer einfache Wege. Denn die Edelmetallhändler unterliegen der neuen BaFin-Regel zum Herkunftsnachweis nicht. Beim Edelmetallhändler kann man seine älteren Münzen und Barren weiterhin verkaufen, wie Benjamin Summa, Unternehmenssprecher des Edelmetallhändlers pro aurum gegenüber Altersvorsorge neu gedacht bestätigt. Lediglich in Verdachtsfällen könne eine Herkunftsnachweis gefordert werden.

Doch auch bei den Edelmetallhändlern ist es heute recht schwierig, Geld zu waschen und Terrorismus zu finanzieren. Denn bei Edelmetallverkäufen muss der Verkäufer immer seine Identität gegenüber dem Händler nachweisen. Selbst bei kleinsten Mengen Altgold, bei kleinen Münzen oder Barren muss der Verkäufer sich ausweisen. Und auch beim Kauf von Gold und Silber muss der Kunde seine Identität nachweisen, dies allerdings erst ab einem Warenwert von 2.000 Euro. Diese Regelung gilt bereits seit Anfang 2020.


Mehr zum Thema:  
Gold > Banken >

AS
Geldanlage
Geldanlage Wie eine Familienstiftung vor staatlicher Enteignung schützt

Parteien und Gewerkschafter fordern immer wieder eine Vermögensabgabe. Wer sich davor schützen möchte, dem raten Experten zu einer...

AS
Geldanlage
Geldanlage Darum ist die Inflation in der Schweiz so gering

In der Schweiz steigen die Verbraucherpreise bloß moderat, davon können andere Europäer nur träumen. Was machen die Schweizer besser...

AS
Immobilien
Immobilien BGH urteilt bald zu Selbstbeteiligungs-Zwist unter Eigentümern

Feuer, Wasser, Sturm: Eine Gebäudeversicherung wird immer für die gesamte Wohnanlage abgeschlossen. In Eigentümergemeinschaften...

AS
Geldanlage
Geldanlage Bankenpräsident Sewing: Branche hat Gefahr von „Greenwashing“ erkannt

Der Klimawandel fordert auch die Finanzbranche. Die Nachfrage nach „grünen“ Anlagen steigt, der Begriff „Nachhaltigkeit“ ist in...

AS
Geldanlage
Geldanlage Kommt eine neue Weltordnung – und wie können Anleger reagieren?

Mit China und Russland bildet sich ein neuer Gegenpol zu den USA. Anleger können sich gegen die geopolitischen Risiken nicht bloß durch...

AS
Immobilien
Immobilien „Böses Erwachen“ für viele Immobilieninteressenten

Die Immobilienzinsen werden nach Einschätzung von Experten noch weiter steigen. Dabei haben sich die Kosten für die Finanzierung eines...

AS
Vorsorge
Vorsorge Gaskrise: Wie Verbraucher viel Geld sparen können

Die Gaspreise ziehen scharf an. Wer mit Erdgas heizt, dem drohen tausende Euro an Zusatzkosten. Verbraucher können bereits jetzt...

AS
Börse
Börse Zahlungsausfall: Warum Russland nicht zahlen kann – und was die Folgen sind

Russland kann seine Auslandsschulden erstmals seit der Russischen Revolution von 1917 nicht bedienen. Wie es dazu kam und was das für...

AS
Vorsorge
Vorsorge Was können wir vom Schweizer Rentensystem lernen?

Für die deutsche Altersvorsorge sieht es düster aus. Das belegen Statistiken mittlerweile zu hunderten. Vielleicht hilft ein Blick zu...

AS
Börse
Börse Top-Ökonom: Rezession droht „vor Ende des nächsten Jahres“

Der frühere US-Finanzminister Larry Summers rechnet mit einem Einbruch der US-Wirtschaft vor Ende 2023. Auch in Deutschland schlagen immer...

AS
Geldanlage
Geldanlage Welche Anlagestrategie in einer Krise am besten schützt

Value, Growth oder doch Momentum? Forscher haben für die Krisen der vergangenen 30 Jahre untersucht, welche Anlagestile am besten...

AS
Geldanlage
Geldanlage Gold: Warum das Edelmetall nur bedingt als Inflationsschutz taugt

Die Inflation ist zurück. Sie lässt in der Eurozone die Verbraucherpreise rasant ansteigen. Die richtige Zeit, um sein Erspartes in Gold...