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Börse Frankfurt: Nebenwerte schneiden deutlich besser ab als der Dax

Lesezeit: 5 min
16.12.2021 11:46  Aktualisiert: 16.12.2021 11:46
Scale All Share, der Aktienindex für kleine und mittlere Unternehmen an der deutschen Börse, verzeichnet dieses Jahr deutlich stärkere Gewinne als der große Bruder Dax.
Börse Frankfurt: Nebenwerte schneiden deutlich besser ab als der Dax
Nebenwerte sind im Verlauf dieses Jahres deutlich stärker gestiegen als der Dax. (Grafik: Pixabay)

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Unter den "kleinen Brüdern" des DAX sticht der kleinste heraus: Um 28 Prozent ist der Scale All Share seit Jahresanfang gestiegen, MDAX und SDAX hingegen nur um 10,5 und 7,4 Prozent und der DAX um 12,6 Prozent. Das hängt mit vielen extrem gut laufenden Scale-Aktien zusammen. Ernst Russ, JDC Group, Ökoworld, Deutsche Rohstoff AG, Lloyd Fonds und The Naga Group - die Performance-Spitzenreiter haben sich im Kurs verdoppelt bis verfünffacht.

Am Mittwochmorgen liegt der Scale All Share bei 1.866 Punkten und damit etwas unter dem Niveau vor einem Monat und dem im September erreichten Allzeithoch bei 1.969 Zählern. Der Auswahlindex Scale 30 steht aktuell bei 1.572 Punkten und damit deutlicher unter seinem Rekord von 1.835 Zählern vom September.

JDC und Lloyd Fonds überzeugen

Neu in der Gruppe der Top-Performer auf Zwölfmonatssicht ist die JDC Group. Von 9,44 auf 25 Euro ist die Aktie seit Mitte Dezember 2020 schon gestiegen. Geschäftlich läuft es derzeit richtig gut für den Wiesbadener Finanzdienstleister mit der Maklerpool-Tochter Jung, DMS & Cie. Auch aufgrund einiger Kooperationen als IT- und Abwicklungspartner von Großkunden meldete JDC einen "signifikanten Anstieg von Umsatz und Gewinn" in den ersten neun Monaten.

Ein Sprung nach oben machte zuletzt auch die Aktie des Hamburger Fonds- und Vermögensmanagers Lloyd Fonds. 13,75 Euro kostet sie aktuell, vor einem Monat waren es noch 10 Euro, vor einem Jahr 6 Euro. Grund für den jüngsten Kursanstieg: Das Unternehmen hat angekündigt, die Münchener BV Holding (Bayerische Vermögen Gruppe) zu übernehmen. Die verwaltet derzeit Gelder in Höhe von rund 2,5 Milliarden Euro von privaten und institutionellen Kunden. Das verwaltete Vermögen des Lloyd-Fonds-Konzerns soll mit der Transaktion auf knapp 5 Milliarden Euro klettern.

Bei Analysten kommt das gut an: Nach Einschätzung von Warburg Research bestätigt Lloyd Fonds mit der Strategie, eine aktive Rolle im deutschen Anlage- und Wealth-Management-Markt übernehmen zu wollen. Die Analysten erhöhen ihr Kursziel daher deutlich von 14 auf 18,50 Euro und bestätigen die Einstufung "Buy".

Auch SMC-Research rät zum Kauf: Nach Einschätzung des Analysehauses könnte mit der Übernahme der Umbau von Lloyd Fonds abgeschlossen sein und nun das organische Wachstum in den Mittelpunkt rücken. Die SMC-Analysten rechnen mit weiteren Umsatz- und Gewinnsteigerungen und erhöhen das Kursziel von 15,40 auf 17,50 Euro. Auch Hauck & Aufhäuser ist optimistisch, rät weiter zum Kauf und setzt als Kursziel jetzt 18 statt 14 Euro an.

Ernst Russ: Profiteur des boomenden Frachtgeschäfts

Die Aktie von Ernst Russ ist zuletzt ebenfalls noch einmal deutlich gestiegen und kostet jetzt 5,50 Euro nach 4 Euro vor einem Monat und 1 Euro vor einem Jahr. Das Unternehmen profitiert weiter vom boomenden Frachtgeschäft. Börse Online hat die Aktie, zusammen mit den Cointainerschifffahrtsriesen A. P. Møller-Mærsk und Hapag Lloyd, zum Kauf empfohlen. Die Kosten für den Transport eines 40-Fuß-Containers, der von Asien in die USA verschifft wird, sei von unter 2.000 US-Dollar vor zwei Jahren auf über 25.000 US-Dollar gestiegen, heißt es. Ernst Russ baue die Flotte kontinuierlich aus und sei mit kleineren Schiffen etwas flexibler als etwa Møller-Mærsk. Auch finanziell sei Ernst Russ gut ausgestattet. Anleger sollten aber immer auch die Frachtraten im Auge behalten. Das genannte Kursziel von 5 Euro ist durch den jüngsten Kursanstieg auch schon erreicht.

Naga strebt an die Nasdaq

Etwas schwächer zeigt sich aktuell die Aktie von The Naga Group, dem Anbieter des sozialen Netzwerks für Handelsgeschäfte, Kryptowährungen und Zahlungen. Seit Dezember 2020 hat sich der Kurs aber immer noch verdoppelt. Zuletzt hat das Unternehmen, das seit einer Umstrukturierung stark wächst, für 2022 den Börsengang an der Nasdaq angekündigt. Damit will sich Naga eine noch breitere Investorengruppe erschließen.

SMC-Research hält die Aktie für viel zu billig: Die Analysten gehen davon aus, dass sich der Umsatz von Naga auch 2022 in etwa verdoppeln wird. Durch erfolgreiche Kapitalerhöhungen habe sich zudem der Spielraum für Wachstumsinvestitionen erhöht. Die Analysten trauen der Aktie jetzt 12,70 statt bislang 11,70 Euro (aktuell 7 Euro) zu und bestätigen die Kaufempfehlung.

fashionette als Cyber Week-Gewinner

Lange nicht so gut gelaufen ist es für die Aktie des Online-Händlers für Modeaccessoires fashionette. Der Kurs fiel von 32 Euro Ende 2020 auf im Tief unter 16 Euro. Zuletzt kam es zu einer deutlichen Erholung, aktuell wird die Aktie zu 23,80 Euro gehandelt.

Nach Ansicht von Hauck & Aufhäuser ist das immer noch viel zu wenig, die Analysten stufen die Aktie auf "Buy" und nennen ein Kursziel von weit über dem aktuellen Kurs liegenden 60 Euro. Das Unternehmen habe andere Onlinehändler in der Cyber Week abgehängt, hieß es, die Bewertung der Papiere erscheine höchst attraktiv. Gelobt wurde die Einführung zahlreicher neuer Produkte von Edelmarken im Beauty-Bereich, das Geschäft passe ideal zum Betreiber eines Online-Shops für Premium- und Luxusmarken.


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