Geldanlage

Impact Investing: Mit gutem Gewissen Geld verdienen

Lesezeit: 6 min
12.02.2021 13:39  Aktualisiert: 12.02.2021 13:39
Impact Investing liegt im Trend. Dabei handelt es sich um eine Form der Geldanlage, bei der neben finanziellen auch soziale oder ökologische Aspekte berücksichtigt werden. Doch im Gegensatz zur Wohltätigkeit wollen Impact Investoren nicht nur Gutes tun, sondern davon auch profitieren. Wir zeigen Ihnen, was dahintersteckt und ob Sie beim Impact Investing auf Rendite verzichten müssen.
Impact Investing: Mit gutem Gewissen Geld verdienen
Mit nachhaltigen Anlagen wird mit jedem Euro Gutes getan und man profitiert gleichzeitig von steigenden Erträgen. (Foto: iStock.com/AndreyPopov)
Foto: AndreyPopov

Das Thema Nachhaltigkeit spielt auch in der Finanzwelt eine immer wichtigere Rolle. Sowohl private als auch professionelle Anleger legen ihr Kapital vermehrt in Projekte und Unternehmen an, die einen positiven Effekt auf gesellschaftliche oder ökologische Probleme haben. Das Stichwort lautet hierbei Impact Investing. Doch was verbirgt sich hinter dieser Anlagestrategie?

Was versteht man unter Impact Investing?

Unter Impact Investing („wirkungsorientiertes Investieren“) versteht man im Finanzjargon Investitionen in Unternehmen oder Fonds mit dem Ziel, neben einer positiven finanziellen Rendite auch eine positive Wirkung („Impact“) auf soziale oder ökologische Bereiche zu erzielen. Beim Impact Investing steht nicht nur der finanzielle Profit im Vordergrund. Auch der soziale oder ökologische Effekt der Geldanlage ist fester Bestandteil der Anlagestrategie und wird ebenso wie der finanzielle Erfolg an bestimmten Kriterien festgemacht und gemessen.

In den Bereich des Impact Investing fällt jedoch nicht einfach jede „grüne Geldanlage“. So eine „grüne Geldanlagen“ kann beispielsweise das Konto bei einer ethisch-, sozial- oder ökologisch-orientierten Bank sein. Diese Banken stellen unter anderem sicher, dass das Geld der Anleger nicht in Waffengeschäfte, fossile Brennstoffe oder Unternehmen fließt, die wiederholt gegen Arbeitnehmerrechte verstoßen. Es handelt sich jedoch meist um eine Negativauslese. Nur einige wenige Banken erlauben es Anlegern auch, dass ihr Geld in bestimmte Projekte fließt, die sie für fördernswert erachten.

Im Gegensatz zu diesen nachhaltigen Finanzdienstleistungen versteht man unter Impact Investing das aktive Gestalten von sozialen oder ökologischen Herausforderungen durch Investitionen. Eine ganze Reihe an Finanzprodukten fällt in diese Kategorie. Dazu gehören unter anderem Fonds- und Unternehmensbeteiligungen sowie Direktinvestitionen. Die meisten dieser Investitionen sind mit dem Kampf gegen den Klimawandel verbunden, etwa in Form von Projekten zur Aufforstung, dem Ausbau regenerativer Energien oder der Reduktion von CO2-Emmisionen. Aber auch Unternehmen oder Projekte, die mit ihren Produkten oder Dienstleistungen einen Beitrag zur Reduktion der weltweiten Armut liefern, fallen hierunter.

Impact Investing befindet sich weiter im Aufwärtstrend

Lange Zeit galt für Privatanleger die Devise, dass sie ausschließlich in Produkte investieren, die ihnen auf lange Sicht die höchsten Renditen versprechen, um sich etwa im Alter finanziell abzusichern. Dazu zählten oftmals Fonds, die die Gelder ihrerseits in gewinnbringende Unternehmen investierten, von denen der Kunde nichts wusste oder wissen wollte. Seit ein paar Jahren jedoch nimmt die Anzahl der Kunden zu, die neben finanziellen eben auch soziale oder ökologische Faktoren berücksichtigen. Privatanleger werden sich zunehmend ihrer Macht bewusst, die Welt auch mit ihren Finanzentscheidungen mitzubestimmen und „mit dem Portemonnaie abzustimmen“, wie sie beim Autokauf oder an der Supermarktkasse schon länger tun.

„Die nachhaltige Geldanlage steht zu Recht ganz oben auf der Agenda vieler Anleger“, so Volker Weber, Vorsitzender des Forum für Nachhaltige Geldanlagen (FNG). Das FNG gibt jährliche Branchenreports heraus, die den Trend zur nachhaltigen Geldanlage und zum Impact Investing aufzeigen. Aus dem aktuellen FNG-Marktbericht geht hervor, dass das Volumen nachhaltiger Finanzprodukte weltweit von rund 171 Milliarden Euro im Jahr 2017 auf mehr als 219 Milliarden Euro im Jahr 2018 angestiegen ist. Das entspricht einem Zuwachs von etwa 28 Prozent.

„Getragen wird das Wachstum am Markt für Nachhaltige Geldanlagen maßgeblich von institutionellen Investoren“, so Weber weiter. „Aber auch private Investoren legen deutlich nach. Viele von ihnen sehen sich in der Verantwortung, zukünftigen Generationen eine lebenswerte und zukunftsfähige Welt hinterlassen zu wollen. Deshalb achten sie bei der Auswahl ihrer Investments immer mehr darauf, wofür ihr Geld eingesetzt wird.“

In Deutschland, Österreich und der Schweiz erleben Impact Investments bei Privatanlegern einen regelrechten Boom. Das private Kapital, dass in nachhaltige Fonds und Investmentgesellschaften floss, verdoppelte sich von knapp 9,4 Milliarden Euro im Jahr 2018 auf mehr als 18 Milliarden Euro. Dieser Trend dürfte sich noch verstärken, wenn im März 2021 die ESG-Kriterien in Kraft treten. ESG steht für „Environment“, „Social“ und „Governance“. Demnach müssen Unternehmen ab März offenlegen, inwieweit sie selbst und ihre Produkte diese Kriterien berücksichtigen.

Bei den ESG-Kriterien geht es vor allem um die Themen Umweltverschmutzung, Treibhausgasemissionen, Energieeffizienz („Enviroment“), Gesundheitsschutz, Diversity und gesellschaftliches Engagement („Social“) sowie nachhaltige Unternehmensprozesse („Governance“). Die ESG-Kriterien sind ab März auch für Finanzprodukte bindend. Finanzanlagenberater müssen ihre Kunden dann dahingehend aufklären. Damit wird das „magische Dreieck der Geldanlage“ (Liquidität, Rentabilität und Risikoprofil) um eine vierte Dimension (Nachhaltigkeitskriterien) erweitert.

Erzielen Impact Investments eine geringere Rendite als konventionelle Anlagen?

Bei Impact Investment handelt es sich nicht um wohltätige Spenden. Vielmehr erwarten Impact Investoren durchaus auch eine Rendite für ihre Investition. Sie wollen die größten Herausforderungen der Menschheit angehen und davon auch finanziell profitieren. Doch im Finanzmarkt kursierte lange Zeit der Mythos, Impact Investments müsse man sich Anleger (egal ob nun institutionell oder privat) erst mal leisten können. Sie würden, so die Argumentation, per se eine geringere Rendite erzielen, als konventionelle Geldanlagen.

Eine Analyse des Forbes-Magazine räumt mit dem Irrglauben auf, wirkungsvolles Investieren sei nur mit finanziellen Abstrichen möglich. Die Forbes-Analyse bezieht sich auf zwei Studien zum Thema Impact Investing. Die erste stammt Jeff Finkelman, der auf Impact Investments spezialisiert ist. In seiner Untersuchung „Building Impact Portfolios“ kommt Finkelman zu dem Schluss, dass einen Optimalbereich gibt, in denen sich wirkungsorientierte Anlagen mit marktüblichen Renditen finden lassen. Dort könnten Investoren also „kostenlos“ Gutes tun, ohne dabei auf Rendite zu verzichten.

Die zweite Untersuchung aus dem Jahr 2019 stammt von der Wissenschaftlerin Rachel Browning. Sie befragte 83 professionelle Investoren in Skandinavien zu den Renditeerwartungen ihrer Impact Investments. Unter den Befragten waren Family Offices, Business Angels, Investmentfonds und Venture-Capital-Gesellschaften. Diese Investoren hatten ihren Investmentfokus im Gesundheitssektor, im Bereich erneuerbarer Energien, bei Industrieinnovationen und auf Lösungen für urbane Probleme („Smart City“) gelegt. Die überwiegende Mehrheit (83 Prozent) rechnete mit marktüblichen oder sogar überdurchschnittlichen Renditen.

Darauf sollten Anleger achten

Zunächst einmal ist nicht alles grün, was glänzt. Das Thema „Green Washing“ ist angesichts der steigenden Beliebtheit des Impact Investing sehr präsent. Mit Einführung der ESG-Kriterien dürfte es für machen Finanzdienstleister schwieriger werden, sich ein grünes Image zu verpassen. Doch auszuschließen ist das auch damit nicht. Wenn Anleger sicher sein wollen, dass es sich bei der ausgewählten Geldanlage auch um ein echtes Impact Investing handelt und der Effekt ihres Geldes möglich groß ist, gilt die Daumenregel: Direktinvestitionen vor Fondsbeteiligungen. Nur bei Direktinvestitionen, beispielsweise in Erneuerbare-Energie-Projekte, fließt das investierte Kapital auch zur Gänze in das gewünschte Projekt.

Dagegen wird das investierte Kapital bei Fondsbeteiligungen nach dem Dafürhalten der Fondsmanagers auf verschiedene Projekte aufgeteilt. Fonds gehen dabei oftmals nach dem sogenannten „Klassenbesten-Prinzip“ („best-of-class“) vor. Sie schauen in einen Bereich, beispielsweise Erneuerbare Energien, suchen sich die größten Projekte mit der besten Performance und investieren dort. Das kann dazu führen, dass einige wenige Projekte überfinanziert sind, während viele kleine Projekte, die relativ gesehen eine viel größere Wirkung entfalten, leer ausgehen.

Außerdem sollten Impact Investoren auf die Messbarkeit des gewünschten sozialen oder ökologischen Effekts achten. Zur Messbarkeit der Wirkung eines Impact Investments gibt es eine ganze Reihe von Indikatoren. Die unterscheiden sich dabei je nach Anlageobjekt. Wenn es sich beispielsweise um ein Aufforstungsprojekt handelt, dessen erklärtes Ziel es ist, eine vom Aussterben bedrohte Baumart zu rekultivieren, kann der „Impact“ in der Anzahl der gepflanzten Bäume beziffert werden. Bei Erneuerbare-Energie-Investitionen wäre es dagegen die Anzahl produzierter Kilowattstunden „grünen“ Stroms.

Bei Investitionen in Unternehmungen mit gesellschaftlichem Einfluss wird es schon schwieriger. Ein inzwischen weit verbreiteter Ansatz ist die Sozialrendite. Damit soll der gesellschaftliche Mehrwert eines Projekts oder Unternehmens messbar gemacht werden. Welche Kennzahl Anleger auch nutzen, es kommt darauf an, die Wirkung des Investments messbar zu machen. Nur so kann man als Anleger auch sehen, welche Wirkung jeder investierte Euro erzielt.

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André Jasch ist freier Wirtschafts- und Finanzjournalist und lebt in Berlin.  

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