Vorsorge

Schreiben der Lebensversicherer an ihre Kunden sind unverständlich

Lesezeit: 1 min
10.03.2021 16:33  Aktualisiert: 10.03.2021 16:33
Seit knapp zwei Jahren sind die Lebensversicherer gesetzlich verpflichtet, ihre Kunden besser darüber zu informieren, was diese am Ende herausbekommen werden. Doch die Schreiben der Versicherer sind oft unvollständig und unverständlich.
Schreiben der Lebensversicherer an ihre Kunden sind unverständlich
Die neuen Vorschriften für die Lebensversicherer bringen den Kunden wenig. (Foto: Pixabay)

Viele Lebensversicherungskunden können mit der jährlichen Info zum Stand des Altersvorsorgeklassikers einer Studie zufolge weiterhin nur begrenzt etwas anfangen.

Zwar haben die meisten Unternehmen die seit Juli 2018 geltenden Vorschriften umgesetzt und liefern in ihren Kunden-Schreiben inzwischen die vorgeschriebenen Informationen, wie aus einer Auswertung von Policen Direkt hervorgeht. «Vollständigkeit der Werte bedeutet allerdings nicht Verständlichkeit», argumentierte Henning Kühl, Chef-Versicherungsmathematiker von Policen Direkt.

Sehr oft fehlten demnach weitere Angaben, um die Vertragsentwicklung nachvollziehen zu können. Diese Info ist wichtig, damit Sparer abschätzen können, was sie im Alter rausbekommen. Das Problem: Bei Informationen wie beispielsweise im Vertrag enthaltenen Zusatzversicherungen oder Anwartschaften liegt die Darstellung im Ermessen des Versicherers und ist den Angaben zufolge oft nicht ausreichend erklärt.

Auch aus Sicht von Verbraucherschützern gibt es noch «Luft nach oben». Sie sehen zwar Fortschritte, wie Kerstin Hußmann-Funk von der Verbraucherzentrale Hamburg berichtete. «Bei einigen Standmitteilungen mangelt es aber nach wie vor an der Übersichtlichkeit.» Zudem fehlten teilweise für die Kunden wichtige Angaben.

So würden einige Versicherer beispielsweise weiterhin keine Angaben zur beitragsfreien Versicherungssumme machen. Beitragsfrei bedeutet, dass eine Police trotz ausbleibender Prämienzahlungen weiterläuft. Durch den Verzicht auf weitere Beträge reduziert sich die vereinbarte Versicherungssumme.

Policen Direkt nahm klassische Kapitallebensversicherungen genauer unter die Lupe. Das Unternehmen, das bestehende Verträge von Versicherten kauft und sie weiterführt, hat rund 12.000 Policen im Bestand. Für diese wurden die Info-Schreiben - sogenannte Standmitteilungen - ausgewertet. Insgesamt erfüllten demnach 66 der 74 untersuchten Assekuranzen die gesetzlichen Mindestanforderungen für alle untersuchten Verträge vollständig.

Verpflichtend sind Angaben über die Leistung im Todesfall sowie die Summe, die nach unveränderter Fortführung des Vertrages bei dessen Ablauf gezahlt wird. Genannt werden muss auch der Betrag, den Versicherte bei Verzicht auf Zahlung weiterer Beiträge erhalten würden, sowie der aktuelle Rückkaufswert des Vertrages.

Generell zeigt sich Kühl zufolge: «Je einfacher und einheitlicher die Darstellung, desto besser ist auch der Informationsgehalt.» Teils aufwendige und umfangreiche Infobriefe bringen nach seiner Einschätzung nicht immer einen Mehrwert für den Kunden. «Dabei lässt sich mit tabellarischer Darstellung sehr leicht gute Verständlichkeit erreichen.»

Den Angaben zufolge setzten 49 Assekuranzen auch sämtliche Info-Anforderungen der Finanzaufsicht Bafin zu den Bewertungsreserven um. Bewertungsreserven sind eine Komponente der Gesamtverzinsung - neben Garantiezins, Überschussbeteiligung sowie dem Schlussüberschuss am Ende der Laufzeit des Vertrages. Die Verzinsung des Altersvorsorgeklassikers sinkt angesichts der Zinsflaute auf den Kapitalmärkten seit Jahren.

Mehr zum Thema:

Verband: Riester-Rente droht „Defacto-Beerdigung

„Altersvorsorge ist nicht sexy, darf aber dennoch nicht ignoriert werden“

Warum Sie Ihre Altersvorsorge selber in die Hand nehmen sollten

***

Altersvorsorge-neu-gedacht.de ist eine Publikation von Bonnier Business Press Deutschland und ist Ratgeber zu den Themen Vorsorge und Geldanlage.

ANG
Börse
Börse Zocker oder Spießer? So ticken die Wertpapiersparer

Im Auftrag von Union Investment hat das Marktforschungsinstitut Kantar 2.000 Sparer in Deutschland, die Wertpapiere und Aktien besitzen, zu...

ANG
Karriere
Karriere Gender Pay Gap: Fakt oder Fiktion?

Frauen könnten bis zu 7 Prozent weniger verdienen als Männer, besagt eine neue Analyse des Statistischen Bundesamts. Ist die Ursache...

ANG
Vorsorge
Vorsorge Frauen und Altersarmut - Wie können Sie vorbeugen?

Viele Frauen leben auch nach Jahrzehnten der Erwerbstätigkeit am Existenzminimum. Doch was sie dagegen unternehmen?

ANG
Geldanlage
Geldanlage Finanzinvestoren investieren 2022 weniger in deutschen Mittelstand

Die Management-Buy-Outs sind im letzten Jahr deutlich zurückgegangen.

ANG
Geldanlage
Geldanlage Bankenkrise: Warum Geld auf dem Konto nicht sicher ist

Banken erwecken gerne den Eindruck, Geld auf Konten sei sicher. Doch stimmt das?

ANG
Vorsorge
Vorsorge Altersvorsorge: Warum das Abdriften in die Planwirtschaft gefährlich ist

Steuern und Bürokratie wachsen in Deutschland immer weiter. Das werde den Lebensstandard der Rentner drücken und die Altersarmut...

ANG
Börse
Börse Studie: Nur wenige deutsche Aktien schaffen hohe Werte für Anleger

Viele deutsche Aktien brockten Investoren in den vergangenen 20 Jahren Verluste ein - darunter prominente Namen. Den Löwenanteil der...

ANG
Vorsorge
Vorsorge 1,1 Millionen Menschen bekommen Grundrente

Schon heute ist eine siebenstellige Zahl älterer Menschen auf die Grundrente angewiesen.