Geldanlage

Weniger Trauringe, begehrte Katalysatoren: Wie die Krise die Edelmetall-Branche beeinflusst

Lesezeit: 3 min
24.03.2021 12:26  Aktualisiert: 24.03.2021 12:26
Weil es Pandemie-bedingt weniger Anlässe gibt, gerät die Schmuckbranche unter Druck. Dennoch sind Edelmetalle in der Krise begehrt. Das sorgt sogar dafür, dass Katalysatoren aus Autos gestohlen werden.
Weniger Trauringe, begehrte Katalysatoren: Wie die Krise die Edelmetall-Branche beeinflusst
Die weltweite Nachfrage im Schmuckbereich ist um mehr als ein Drittel gesunken. (Foto: Pixabay)

Die Schmuck- und Edelmetallbranche erwartet nach Einbußen im vergangenen Jahr auch für 2021 keine glänzenden Zeiten. Lockdown und fehlende internationale Planbarkeit machen die Geschäfte aus Sicht der Fachvereinigung Edelmetalle schwer. Im hochwertigeren Bereich könnten Online-Handel und Angebote wie „click & collect“ Einbußen nicht ansatzweise kompensieren, heißt es beim Bundesverband Schmuck, Uhren, Silberwaren und verwandte Industrien. Zugleich ist durch die Corona-Pandemie aber die weltweite Nachfrage nach Gold als Investitionsmöglichkeit 2020 um 40 Prozent gestiegen, wie der Geschäftsführer der Fachvereinigung, York Tetzlaff sagte.

Die Edelmetallbranche spricht von Licht und Schatten. Denn die globale Nachfrage im Schmuckbereich sei hingegen um 34 Prozent gesunken. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass aufgrund der Pandemie die Anlässe fehlen, zu denen kostbarer Schmuck gebraucht wird. Der Trauringbereich beispielsweise sei besonders in Deutschland ein wichtiges Standbein für die Schmuckindustrie. Hier seien die Verkaufsmengen 2020 auch infolge abgesagter Hochzeiten um mehr als 25 Prozent zurückgegangen. Anders als bei Verlobungsringen, bei denen häufig nur noch ein Stein ergänzt werde, würden Trauringe nicht auf Vorrat produziert, sagte Tetzlaff. „Gerade in Deutschland wird hier sehr viel Wert auf Individualität gelegt.“ Zudem gebe es keine großen Lagerbestände, weil sonst zu viel Kapital gebunden würde.

Besonders schwer hätten es im vergangenen Jahr Unternehmen gehabt, die sich spezialisiert hätten, sagte Tetzlaff. „Es sei denn, sie haben sich auf den Handel mit Investmentbarren und Münzen aus Gold und Silber spezialisiert.“ Breiter aufgestellte Firmen hätten Rückgänge im Schmuckbereich mitunter durch die starken Zuwächse im Investmentbereich ausgleichen können. Vor allem Lieferengpässe und Einbußen im wichtigen asiatischen Markt seien problematisch gewesen.

In der Schmuck- und Uhrenindustrie verzeichneten Betrieben mit mehr als 50 Mitarbeitern im Schnitt Umsatzeinbußen im zweistelligen Bereich. Manche kleineren Unternehmen konnten aber auch Zuwächse verbuchen. Was die Umsatzerwartungen für das laufende Jahr angeht, so rechnet jede fünfte größere Firma nach Angaben des Verbandes mit einer günstigeren Entwicklung. Je 40 Prozent der Betriebe gingen von einer gleichbleibenden oder sinkenden Tendenz aus.

Nachdem der Goldpreis ein Hoch im Sommer 2020 von mehr als 1700 Euro je Feinunze (31,10 Gramm) erreichte, liegt der seit Wochen unter 1500 Euro. Dennoch gelte die alte Regel, dass Gold als Geldanlage in einer Krise gefragt sei, sagte Tetzlaff. Der Preis für Silber stieg laut der Fachvereinigung um rund 40 Prozent, was nicht zuletzt auf eine wachsende Nachfrage als Investition in Form von Münzen und Barren zurückzuführen sei. Noch eindrucksvoller sei die Entwicklung bei Rhodium, das in Autoabgaskatalysatoren verbaut ist. Hier sei der Preis im vergangenen Jahr um 300 Prozent gestiegen.

Für Verbraucher hat das unterschiedliche Folgen: Weil Katalysatoren zu einem der wertvollsten Bauteile in Autos würden, nehme deren Diebstahl zu, sagte Tetzlaff. Wer hingegen alten Schmuck etwa aus Erbschaften zu Hause hat und den zu Geld machen will, ist vom jeweiligen Tagespreis für die Edelmetalle abhängig. „Altgoldankäufer und Scheideanstalten orientieren sich am Materialwert“, sagte Tetzlaff. In seltenen Fällen - besonders bei begehrten Luxusmarken – spiele auch der künstlerische Wert eine Rolle, so dass auch schon mal deutlich mehr als der tatsächliche Materialwert gezahlt würde.

Lesen Sie mehr zum Thema:

Keine andere Geldanlage ist heute so einfach wie der Goldkauf

Höhere Inflation im Anmarsch – ein gutes Omen für Gold

Warum Silber ein frustrierendes Investment sein kann

Investieren in Rohstoffe: Darauf müssen Anleger achten

***

Altersvorsorge-neu-gedacht.de ist eine Publikation von Bonnier Business Press Deutschland und ist Ratgeber zu den Themen Vorsorge und Geldanlage.

ANG
Vorsorge
Vorsorge Lindner will Steuerzahler bis 2026 um 23 Milliarden Euro entlasten
17.06.2024

Finanzminister Christian Lindner will die Effekte der hohen Inflation ausgleichen und Steuerzahlerinnen und Steuerzahler in den nächsten...

ANG
Börse
Börse Aktien Europa: Bescheidene Stabilisierung nach Kursrutsch
17.06.2024

Europas wichtigste Aktienindizes haben sich nach den jüngst deutlichen Kursverlusten am Montag stabilisiert. Wegen anstehender...

ANG
Vorsorge
Vorsorge Umfrage: Große Mehrheit für Bundeszuschuss zur Pflege
17.06.2024

Als Antwort auf weiter steigende Kosten für die Pflege ist laut einer Umfrage eine große Mehrheit für eine zusätzliche Finanzspritze...

ANG
Geldanlage
Geldanlage EZB 2024: Zinssenkung läutet neue Ära ein
17.06.2024

Wie Bundesbankpräsident Joachim Nagel im April andeutete, hat die Europäische Zentralbank überraschend den Leitzins gesenkt. Diese...

ANG
Börse
Börse Börse Frankfurt-News: Kleine Erholung nach deutlichem Minus
17.06.2024

Frankreichs Parlamentswahlen und die China-Zolldebatte haben die europäischen Aktienmärkte stark belastet. Jetzt sieht es nach einer...

ANG
Immobilien
Immobilien Immobilienblase: Gefahr in diesen Bereichen!
17.06.2024

Das Risiko einer Immobilienblase auf dem Wohnimmobilienmarkt ist leicht gesunken, doch das Verhältnis zwischen Kaufpreisen und Mieten...

ANG
Vorsorge
Vorsorge Renten steigen um 4,57 Prozent
17.06.2024

Die Renten in Deutschland steigen zum 1. Juli um 4,57 Prozent. Der Bundesrat ließ am Freitag eine entsprechende Verordnung des...

ANG
Börse
Börse SEC räumt Weg auch für Ether-ETFs frei
03.06.2024

Die SEC hat den Weg für den Handel mit Ether-basierten ETFs freigemacht, was einen wichtigen Schritt für die Integration von...