Geldanlage

Bitcoin-Konkurrent Ethereum setzt seinen Höhenflug fort

Lesezeit: 5 min
13.05.2021 09:33
Ethereum eilt von Allzeithoch zu Allzeithoch. Damit entkoppelte sich die Währung in den letzten Wochen vom restlichen Kryptomarkt, der einige Verluste verkraften musste. Was steckt hinter dem Ethereum-Boom?
Bitcoin-Konkurrent Ethereum setzt seinen Höhenflug fort
Ob Ethereum seinen großen Kryptobruder Bitcoin einholen kann, ist ungewiss. (Foto: iStock.com/NKTN)
Foto: NKTN

Ethereum hat kürzlich die magische Marke von 4.000 Dollar durchbrochen. In den letzten sieben Tagen stieg der Bitcoin-Konkurrent laut dem Branchenportal Coinmarketcap allein um mehr als 17 Prozent. Das ist insofern beachtlich, als das der restliche Kryptomarkt sich derzeit wieder in einer Phase fallender Kurse bewegt.

Der große Konkurrent Bitcoin vollzieht seit Wochen eine Seitwärtsbewegung. Nachdem Bitcoin im März die 60.000-Dollar-Marke knackte, schwankte der Kurs zwischen 45.000 und 65.000 Dollar. Aktuell notiert Bitcoin bei rund 55.000 Dollar nach einigen Tagen stark fallender Kurse und es ist ungewiss, ob der Höhenflug vom Anfang des Jahres noch einmal Fahrt aufnimmt.

Technologischer Vorteil überzeugt Anleger

Ethereum scheint dagegen unbeirrt von den Schwankungen der Konkurrenz seine Rally fortzusetzen. Die 2015 von Vitalik Buterin geschaffene Kryptowährung hat seit Jahresbeginn mehr als 430 Prozent an Wert gewonnen. Ethereum überzeugt dabei durch seine Anwendbarkeit. Denn Ethereum ist anders als Bitcoin nicht in erster Linie eine Kryptowährung. Vielmehr handelt es sich um eine Plattform mit weitreichenden Anwendungsmöglichkeiten – von e-Commerce bis hin zur Verknüpfung von internetfähigen Geräten (IoT).

Ethereum nutzt dabei genau wie Bitcoin eine öffentliche Blockchain, doch statt sich nur auf Transaktionen und Besitzrechte von Geld zu konzentrieren, will Ethereum seine Plattform für jegliche dezentrale Anwendung bereitsstellen. Diese breite Anwendungsmöglichkeit ist einer der Gründe, warum Experten Ethereum zu trauen, Bitcoin eines Tages sogar zu überflügeln – vorausgesetzt, sie findet breite Akzeptanz in der Geschäftswelt und in der Verwaltung.

Steve Ehrlich etwa, CEO des Kryptobrokers Voyager Digital, sagte gegenüber Business Insider, er sehe das Aufwärtspotenzial angesichts der Nützlichkeit, Funktionalität und des Ökosystems etwas größer als bei Bitcoin. Ähnlich äußerte sich auch Tally Greenberg vom Krypto-Hoster Allnodes. „Der technologische Vorteil und der Nutzen von Ethereums Blockchain-Technologie ist deutlich größer als von Bitcoin, und ich denke, das merken auch gerade Anleger“.

Digitalisierung der Kapitalmärkte

Ethereums langfristiger Erfolg steht und fällt mit seiner Akzeptanz. Daher war es ein gute Nachricht, als die Europäische Investitionsbank (EIB) im April ankündigte, eine zweijährige Anleihe mit einem Volumen von 100 Millionen Euro über die Ethereum-Blockchain emittieren zu wollen. Das Projekt findet in Zusammenarbeit mit der Banque de France statt.

Die EIB ist der Ansicht, dass die Digitalisierung der Kapitalmärkte den Marktteilnehmern in den kommenden Jahren Vorteile bringen kann. Sie erhofft sich durch den Einsatz der Ethereum-Blockchain langfristig eine Verringerung der Zahl der Intermediäre und der Fixkosten, eine bessere Markttransparenz durch eine bessere Einsicht in die Handelsströme und die Identität der Eigentümer von Vermögenswerten sowie eine wesentlich schnellere Abwicklungsgeschwindigkeit.

„Dieses Vorhaben [...] markiert den ersten Schritt der EIB als Pionier bei der Nutzung der Blockchain-Technologie für die Emission von Finanztiteln“, kommentiert Bertrand de Mazières, Finanzdirektor bei der EIB. „Die EIB ist davon überzeugt, dass sie durch die Schaffung eines Rahmens für ein neues Marktökosystem sowohl für Emittenten als auch für Anleger einen Mehrwert schafft und gleichzeitig zu einer innovativen, effizienten und sicheren Marktinfrastruktur beiträgt.“

Analysten prognostizieren anhaltende Rally

Ein weiterer Grund für den ungebrochenen Aufwärtstrend ist der anhaltende Hype um Non-Fungible Tokens (NFT). Dabei handelt es sich um ein Zertifkat für digitale Dateien wie Videos, Fotos, Texte und Tweets. Diese werden durch NFTs zu nicht-kopierbaren und handelbaren Vermögenswerten. NFTs werden über die Ethereum-Blockchain abgewickelt und in Ether bezahlt. Im Februar wurde beispielsweise eine Sammlung des Digitalkünstlers Beeple im Auktionshaus Christie's für 69,3 Millionen Dollar (bzw. 42.329 Ether) versteigert. Nach der Kursrally der folgenden Monate wäre das Kunstwerk heute schon mehr als 170 Millionen Dollar wert.

Viele Analysten sehen Ethereum nach wie vor als unterbewertet an und prognostizieren eine anhaltende Rally. „Die Rally hat gerade erst begonnen“, meint etwa Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. Der Kapitalzufluss sei ungebrochen und ein Sprung über die 5000-Dollar-Marke nur eine Frage der Zeit. Mittelfristig sieht er Ethereum in Richtung 10.000 Dollar steigen. Noch optimistischer zeigt sich Analyst James Wang von Ark Invest. Er prognostiziert ein langfristiges Kursziel von 40.000 Dollar, was einem weiteren 1000-prozentigen Anstieg entspräche.

Ob Ethereum seinen großen Kryptobruder Bitcoin einholen kann, ist ungewiss. Dank des diesjährigen Höhenflugs erreichte die Kryptowährung eine Marktkapitalisierung von 460 Milliarden Dollar und ist damit in etwa halb so hoch bewertet wie Bitcoin. Für Ethereum-Gründer Vitalik Buterin hat sich seine Erfindung in jeden Fall schon jetzt bezahlt gemacht. Er ist nun offiziell der weltweit erste Krypto-Milliardär.

Lesen Sie mehr zum Thema

Tappen Sie nicht in die Bitcoin-Steuerfalle

So profitieren Sie von Bitcoin, ohne die Kryptowährung kaufen zu müssen

Hoffnung auf Bitcoin-ETF treibt Kryptowährung Richtung Allzeithoch

Bitcoin: Lohnt sich der Einstieg noch oder ist es zu spät?

Welche Kryptowährungen werden Bitcoin dieses Jahr den Rang ablaufen?

                                                                            ***

André Jasch ist freier Wirtschafts- und Finanzjournalist und lebt in Berlin.  

ANG
Börse
Börse Zocker oder Spießer? So ticken die Wertpapiersparer

Im Auftrag von Union Investment hat das Marktforschungsinstitut Kantar 2.000 Sparer in Deutschland, die Wertpapiere und Aktien besitzen, zu...

ANG
Karriere
Karriere Gender Pay Gap: Fakt oder Fiktion?

Frauen könnten bis zu 7 Prozent weniger verdienen als Männer, besagt eine neue Analyse des Statistischen Bundesamts. Ist die Ursache...

ANG
Vorsorge
Vorsorge Frauen und Altersarmut - Wie können Sie vorbeugen?

Viele Frauen leben auch nach Jahrzehnten der Erwerbstätigkeit am Existenzminimum. Doch was sie dagegen unternehmen?

ANG
Geldanlage
Geldanlage Finanzinvestoren investieren 2022 weniger in deutschen Mittelstand

Die Management-Buy-Outs sind im letzten Jahr deutlich zurückgegangen.

ANG
Geldanlage
Geldanlage Bankenkrise: Warum Geld auf dem Konto nicht sicher ist

Banken erwecken gerne den Eindruck, Geld auf Konten sei sicher. Doch stimmt das?

ANG
Vorsorge
Vorsorge Altersvorsorge: Warum das Abdriften in die Planwirtschaft gefährlich ist

Steuern und Bürokratie wachsen in Deutschland immer weiter. Das werde den Lebensstandard der Rentner drücken und die Altersarmut...

ANG
Börse
Börse Studie: Nur wenige deutsche Aktien schaffen hohe Werte für Anleger

Viele deutsche Aktien brockten Investoren in den vergangenen 20 Jahren Verluste ein - darunter prominente Namen. Den Löwenanteil der...

ANG
Vorsorge
Vorsorge 1,1 Millionen Menschen bekommen Grundrente

Schon heute ist eine siebenstellige Zahl älterer Menschen auf die Grundrente angewiesen.