Börse

50 Prozent Preisanstieg: Ölschwemme oder -engpass?

Lesezeit: 4 min
12.07.2021 13:06  Aktualisiert: 12.07.2021 13:06
Um erstaunliche rund 50 Prozent ist der Ölpreis seit Jahresanfang schon gestiegen. Und es ist es völlig unklar, wie es weitergeht. Gold hat sich unterdessen aufgrund des US-Notenbank-Treffens wieder verbilligt.
50 Prozent Preisanstieg: Ölschwemme oder -engpass?
Öl verzeichnet seit Jahresbeginn ein Preisanstieg um 50 Prozent. (Foto: Pixabay)

Gesprächsstoff Nummer eins im Rohstoffhandel ist derzeit ganz klar Öl. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete am Dienstag vergangener Woche mehr als 77 US-Dollar – das war der höchste Stand seit Herbst 2018. Auch der Preis für die US-Leichtölsorte WTI ist über 77 US-Dollar geklettert. Das war sogar so viel wie zuletzt 2014. Nach dem Höhenflug ging es wieder etwas nach unten, aktuell kostet Brent 73,31 US-Dollar, WTI 72 US-Dollar.

Hintergrund der Entwicklung: Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emiraten konnten sich diese Woche innerhalb des Ölkartells Opec+ abermals nicht auf eine Erhöhung der Fördermenge einigen. Die Folgen sind unklar. Einerseits könnte das Ölangebot bei steigender Nachfrage viel zu gering ausfallen und den Ölpreis in weitere Höhen treiben. Das hätte weitreichende Folgen, denn das würde auch die Inflation weiter anheizen. Anderseits könnte die Opec+ dauerhaft Schaden nehmen, es zu einer Ölschwemme kommen und die Preise in den Keller fallen. „Solange wir keine Einigung haben, werden die Preise volatil bleiben“, meint Commerzbank-Ölexperte Eugen Weinberg.

Öl-ETCs auf Verkaufslisten

ETC-Anleger trennten sich im Juni jedenfalls weiter im großen Stil von Öl-ETCs, wie Mobeen Tahir von WisdomTree meldet. „Die Flows bei Öl-ETCs sind traditionell gegenläufig zum Preis, wahrscheinlich, weil eine anhaltende Bewegung in eine Richtung in der Vergangenheit selten war.“ Hohe Umsätze an der Börse Frankfurt wiesen in den vergangenen vier Wochen ETCs mit Hebel, Short-ETCs und klassische Preis-Tracker auf, etwa der WisdomTree WTI Crude Oil 2x Daily Leveraged (ISIN: DE000A2BDEB6), der WisdomTree WTI Crude Oil 1x Daily Short (ISIN:DE000A0V9XY2) und der WisdomTree WTI Crude Oil (ISIN: DE000A0KRJX4).

„Starke Goldpreisreaktion auf US-Notenbank-Treffen“

Gold hat sich hingegen wieder verbilligt und ist Mitte Juni sogar deutlich unter die 1.800 US-Dollar-Marke gerutscht. Aktuell sind es 1.797 US-Dollar. Vor knapp einem Jahr hatte der Preis ein Allzeithoch von 2.069 US-Dollar erreicht. „Gold hat stark auf das US-Notenbanktreffen im Juni reagiert, auf dem Zinserhöhungen für 2023 anstelle von 2024 in Aussicht gestellt wurden“, erklärt Tahir. Höhere Zinsen machen Alternativen zum keine Zinsen abwerfenden Gold attraktiver.

„Der Goldmarkt könnte das Schlimmste hinter sich haben“, meint Barbara Lambrecht von der Commerzbank. Noch fehle es an Impulsen, sie sieht aber gute Chancen, dass der Goldpreis in den nächsten Wochen wieder spürbar zulegen wird.

Raus aus Edelmetall-ETCs

Gold-ETCs kommen derzeit nicht mehr so gut an, wie WisdomTree feststellt: In den vergangenen vier Wochen dominierten Abflüsse. Der Bestand von Xetra-Gold bewegt sich mit aktuell 233 Tonnen allerdings weiter nahe des Rekordhochs.

Xetra-Gold war in den vergangenen vier Wochen – wie immer – Umsatzrenner im ETC-Handel an der Börse Frankfurt. Weitere rege gehandelte Gold-ETCs sind der Xtrackers Physical Gold mit Währungssicherung (ISIN: DE000A1EK0G3), der WisdomTree Physical Gold Individual Securities (ISIN: DE000A0N62G0), der Invesco Physical Gold (ISIN: IE00B579F325) und der WisdomTree Physical Swiss Gold Individual Securities (ISIN: DE000A1DCTL3)

Neben Gold- und Öl-ETCs weisen auch Silber-ETCs hohe Umsätze auf. Der Silberpreis ist zuletzt ebenfalls gesunken. Die Feinunze geht jetzt zu 25,91 US-Dollar über den Tisch. Anfang Juni waren es noch über 28 US-Dollar. Umsatzstark waren vor allem der Xtrackers Physical Silver (ISIN: DE000A1E0HS6) und der WisdomTree Physical Silver Individual Securities (ISIN: DE000A0N62F2).

„Weiterer Korrekturbedarf“ bei Industriemetallen

Einen ordentlichen Dämpfer hat der Kupferpreis bekommen: Nach dem Rekordhoch vom Mai bei 10.738,50 US-Dollar kostet die Tonne jetzt nur noch 9.365 US-Dollar. Allerdings waren es Anfang 2021 nur 7.800 und Anfang 2020 sogar nur 6.200 US-Dollar. „Die spekulativen Kräfte haben sich mehr und mehr aus dem Markt zurückgezogen“, bemerkt Commerzbank-Analystin Lambrecht. Die Bank sieht dennoch weiteren Korrekturbedarf. WisdomTree bleibt langfristig optimistisch für Industriemetalle. „Grund sind Themen wie der wiedererwachte Fokus auf Infrastrukturausgaben seitens der Regierungen überall auf der Welt und auch die Energiewende.“

Industriemetall-ETCs wurden in den vergangenen Wochen WisdomTree zufolge ganz klar abgestoßen. Hohe Umsätze an der Börse Frankfurt wiesen vor allem der WisdomTree Copper (ISIN: DE000A0KRJU0) und der WisdomTree Industrial Metals (ISIN: DE000A0KRKG7) auf

Für den Inhalt der Kolumne ist allein die Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.

***

Altersvorsorge-neu-gedacht.de ist eine Publikation von Bonnier Business Press Deutschland und ist Ratgeber zu den Themen Vorsorge und Geldanlage.

ANG
Geldanlage
Geldanlage EZB tritt Befürchtungen der Banken beim digitalen Euro entgegen
20.02.2024

Die Europäische Zentralbank (EZB) versucht Sorgen unter Banken vor massiven Kontoabflüssen im Zuge der Einführung eines digitalen Euro...

ANG
Immobilien
Immobilien Studie - Preise für Wohnimmobilien 2023 in historischem Ausmaß gesunken
08.02.2024

Die Preise für deutsche Wohnimmobilien sind 2023 einer Studie zufolge so stark gefallen wie seit mindestens 60 Jahren nicht....

ANG
Vorsorge
Vorsorge SPD-Fraktion besteht bei Kinderfreibetrag-Reform auf höherem Kindergeld
16.02.2024

SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich hat betont, dass für die größte Ampel-Regierungspartei eine Erhöhung des Kinderfreibetrages ohne ein...

ANG
Vorsorge
Vorsorge Das Ifo-Institut befürwortet die Koppelung des Rentenalters an die steigende Lebenserwartung.
23.01.2024

"Einige unserer Nachbarländer haben das bereits beschlossen - die Niederlande, Schweden und Finnland", sagte Rentenexperte Joachim Ragnitz...

ANG
Karriere
Karriere Statistikamt - Frauen verdienen 18 Prozent weniger als Männer
31.01.2024

Frauen haben auch im vergangenen Jahr deutlich weniger verdient als ihre männlichen Kollegen.

ANG
Börse
Börse Zinszweifel setzen Goldpreis zu
06.02.2024

Die Erwartung vorerst hoch bleibender Zinsen drückt den Goldpreis.

ANG
Immobilien
Immobilien Studie - Abwärtstrend bei deutschen Immobilienpreisen gestoppt
06.02.2024

Der Abwärtstrend bei den Immobilienpreisen in Deutschland ist einer Studie zufolge gestoppt. Von Oktober bis Dezember 2023 seien die...

ANG
Geldanlage
Geldanlage Notenbankchef der Slowakei hält Zinssenkung im Juni für wahrscheinlicher als im April
31.01.2024

Der Notenbankchef der Slowakei, Peter Kazimir, geht momentan eher von einer ersten Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) im Juni...