Börse

Wie ich mehrere Tausend Euro an der Börse verzockt habe

Lesezeit: 9 min
15.11.2021 13:28  Aktualisiert: 15.11.2021 13:28
Ziel eines jeden Investments ist die Geldvermehrung. Dass dieser Plan leider in der Praxis nicht immer so gut funktionier wie in der Theorie angedacht, ist wahrlich kein Geheimnis. Wie geht man aber am besten um mit Flops, Fehlschlägen und Verlusten?
Wie ich mehrere Tausend Euro an der Börse verzockt habe
Das Geldverlieren gehört leider beim Investieren an der Börse dazu. (Foto: iStock.com/g-stockstudio)
Foto: g-stockstudio

Hinweis bevor Sie den nachfolgenden Artikel lesen: Dieser Artikel stellt in keinerlei Weise einen Investmentratschlag dar oder sollte als solcher verstanden werden. Es handelt sich bei den folgenden Zeilen um die persönlichen Erfahrungen des Autors (Anm: der Name ist der Redaktion bekannt, er möchte jedoch für diesen Artikel anonym bleiben), welche er mit den Lesern teilen möchte. Das Ziel liegt darin, einen gesunden Umgang mit finanziellen Verlusten zu erreichen. Wir hoffen, dass wir diesem Anspruch gerecht werden.

Schmerzt der Verlust nicht?

Ich kann ihnen aus eigener Erfahrung sagen, dass man einen gesunden Weg finden muss. Ich habe selber schon mehrere Tausend Euro am Kapitalmarkt verloren. Ich hatte zwar auch immer mal Gewinnmitnahmen bei manchen Aktien. Dennoch habe ich insgesamt deutlich mehr in den Sand gesetzt, als es mir eigentlich lieb ist.

Wie ich damit umgehe? Indem ich versuche, rational an den Verlust zu gehen. Auf gar keinen Fall emotional. Ich schätze mich selbst nicht als dumm ein. Sicherlich auch nicht als hochintelligent. Sondern irgendwo in der Mitte. In einem Satz kann man mich als Mischung aus Bauernschläue und ersten Uniabsolventen in der Familie beschreiben.

Verluste sind ein essentieller Teil im Leben. Man verliert Freunde, Partner und Verwandte. Das klingt etwas hart, entspricht aber der Realität. Ich habe mir irgendwann angewöhnt, Geld als ein Werkzeug zu sehen. Es kann mir, neben der Erfüllung der Grundbedürfnisse wie ein Habitat, Essen und Klamotten, auch Luxus ermöglichen. Dass ich Zeit spare, mir eine Armbanduhr kaufe, obwohl überall Uhren hängen oder in den Urlaub fliegen kann. All das ist mir nach wie vor möglich. Es muss jemandem einfach bewusst sein; wenn man sein Geld anlegt, besteht die Möglichkeit, dass man einen Teil oder alles davon verlieren kann.

Ebenso kann man aber auch seinen „Einsatz“ vermehren. Es ist wie im „normalen“ Leben; manchmal gewinnt man und manchmal verliert man. Am Kapitalmarkt muss man schauen, dass man öfters gewinnt, als verliert. Ansonsten sollte man sein Geld entweder anderweitig anlegen oder es verleben. Reisen sind auch sehr schön und oft stärker in Erinnerungen bleibende Ereignisse als der Konsum von Luxusgütern.

Welche Fehler habe ich gemacht?

Ich versuche zu verstehen, warum ich ursprünglich mal gedacht habe, dass es eine gute Idee war, in die Aktie zu investieren, die mich dann mehrere Tausend Euro kostete. Ich wusste vorher schon, dass das besagte Unternehmen finanzielle Probleme hatte. Aber ich dachte auch, immer nur in Bluechips zu investieren ist was für Pensionskassen und Unternehmer, die Angst um ihre im Kapitalmarkt investierte Altersrücklage haben. Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich würde auch heute wieder ein Risiko eingehen. Nur eben ein kalkuliertes.

Meine Investmententscheidung basierte in dem vorab erwähnten größeren Verlustfall auf drei Aspekten. Ich habe immer in Unternehmen investiert, die mit Problemen zu kämpfen hatten. Aber ich war (und bin es im Leben auch noch) Optimist. Ich ging also davon aus, dass diese Unternehmen sich wieder fangen würden. Darüber hinaus hat auch ein sehr bekannter deutscher Investor Geld in das Unternehmen gesteckt. Das war für mich ein Zeichen, dass ich nicht die einzige Person war, welche Potenzial im besagten börsennotierten Unternehmen sah. Außerdem gab es diese Firma zum besagten Zeitpunkt bereits über Hundert Jahre. Es war also kein Pennystock- Überbleibsel vom Neuen Markt, sondern ein Traditionsunternehmen. Meiner Ansicht nach gute Voraussetzungen, um ein Risiko einzugehen. Je höher das Risiko, desto höher kann ein potenzieller Gewinn ausfallen. Ebenso hoch ist allerdings die Möglichkeit, dass die Aktie im Wert fällt.

Es geht bergab

Nachdem ich das Geld investiert hatte (einen vierstelligen Betrag), kannte der Aktienkurs eigentlich nur den Weg nach unten. Für jemanden, der Aktien sowohl an Wert verlieren als auch gewinnen hat sehen, ist das erstmal nicht so problematisch. Man sollte eine gewisse Geduld mitbringen und auch nicht gleich das Handtuch werfen, selbst wenn eine Aktie langfristig 10-20 Prozent an Wert verliert. Den kann ebendiese in ein paar Jahren auch wieder gewinnen (und ein Vielfaches mehr). Ich habe jedoch zu lange dabei zugeschaut, wie die Aktie immer mehr Geld verlor. Außerdem merkte ich, dass meine Beweggründe für dieses Investment zwar nicht die falschen waren. Dennoch hätte ich vielleicht mehr und tiefergehende Recherche betreiben sollen. Das war eigentlich konstant mein Hauptproblem, wenn ich in ein Unternehmen investierte und dabei Geld verlor. Dass ich zwar auf Kennzahlen geachtet habe und viel nach Bauchgefühl gegangen bin. Aber mich zu wenig mit dem Unternehmen oder auch der Branche selbst auseinandergesetzt habe. Das merke ich insbesondere jetzt, wo ich meine vergangenen Investments vor meinem inneren Auge nochmal Revue passieren lasse und über meine Fehler nachdenke.

Ich hätte hier also mehr Disziplin an den Tag legen sollen. Wo hätte ich mich informieren sollen? Nicht nur in Finanzzeitschriften, sondern auch in Fachzeitschriften. Falls es sich um eine Kette wie einen Supermarkt oder ein gastronomisches Unternehmen handelt, so hätte sicher auch ein Besuch in einer lokalen Filiale Sinn gemacht, um diese besser zu verstehen. Für eine gute Anlageentscheidung ist Wissen die beste Grundlage. Um dieses zu erlangen, muss man gewillt sein, sich intensiv mit einer Thematik zu befassen. Versuchen, alle Informationen aufzusaugen, welche man legal erhalten kann. Nur dadurch ist man in der Lage, eine fundierte Investmententscheidung zu treffen. Und selbst dann geht man immer ein gewisses Risiko ein. Kalkulierte Risiken gehören jedoch zum Leben und sind essenziell, wenn man sich weiterentwickeln möchte.

Wahrscheinlich hätte ich die Aktie auch früher verkaufen sollen. Es ist immer gut, mit einem sogenannten Stop-Loss zu arbeiten. Das heißt, sich ein Limit zu setzen, zu welchem Zeitpunkt man eine Aktie verkauft. Sowohl, wenn Sie an Wert gewinnt als auch, wenn sie an Wert verliert. Hätte ich also das wertlos gewordene Papier früher verkauft, so wären mir noch ein paar Euro geblieben. Warum habe ich das also nicht getan? Die Frage ging mir öfters durch den Kopf. Irgendwo habe ich immer daran geglaubt, dass sie nochmal an Wert gewinnt. Weil ich bereits gesehen habe, wie andere Aktienkurse wieder massiv an Wert zunahmen. Oder auch schon zu früh verkauft hatte und ein Unternehmen bzw. die entsprechende Aktie einen Turnaround geschafft hat. Das Problem ist, dass man vorher nie wissen kann, wie sich ein Aktienkurs entwickelt. Etwas Raterei und Glück gehören immer dazu. Selbst wenn man noch so viel Recherche betreibt.

Was habe ich daraus gelernt?

Was hätte ich nun in diesem Fall anders machen können? Einiges! Mich besser informieren, ob ein Unternehmen mit Problemen realistische Möglichkeiten hat, diese zu überwinden. Zu viele große Unternehmen haben sich bereits auf ihrer Firmengeschichte und vergangenen Innovationen ausgeruht. Später holte sie die fortschreitende Entwicklung und der eigene Übermut ein. Das ist nicht das erste Mal passiert und wird auch in der Zukunft wieder geschehen. Das heißt nicht, dass man gar nicht in Unternehmen investieren sollte, welche aktuell Probleme haben. Anstatt nur in die Vergangenheit zu schauen, muss man aber auch über die Zukunft nachdenken. Welche realistischen Möglichkeiten hat ein Unternehmen, um einen Turnaround zu schaffen? Wie lange benötigt es dafür? Oder ist es, nach intensiver Recherche wahrscheinlicher, dass hier eine Insolvenz relativ zeitnah eintreten wird?

Option eines Totalverlustes einkalkulieren

Manchmal gehen Aktienkurse erst noch weiter nach unten, bevor sie wieder ihren Weg nach oben finden. Deswegen macht es Sinn, nur mit Geld zu arbeiten, dass sie nicht zeitnah brauchen um Verbindlichkeiten wie Miete, Leasinggebühren oder gar Lebensmittel zu bezahlen. Es besteht, so hart es klingen mag, immer die Option eines Totalverlustes. Das also ihr angelegtes Geld weg ist. Das passiert bei riskanten Titeln deutlich häufiger als bei anderen Unternehmen. Aber selbst Großunternehmen sind hiervor nicht gefeit, wie uns die Wirtschaftsgeschichte zeigt. Generell gilt der Grundsatz, je höher der Gewinn sein soll, desto höher wird das Risiko. Deswegen sind konservativ orientierte Anleger schon froh, wenn sie es bewerkstelligen, mit ihrem Portfoliogewinn knapp über der Inflationsrate zu liegen. Dies schaffen sie meist dadurch, dass sie hauptsächlich in Bluechips investieren. Hierbei handelt es sich um Aktien von Großunternehmen, welche in einem prestigereichen Index wie dem DAX gelistet sind.

Diese Erfahrung nahm ich zum Anlass, um mein Portfolio etwas umzustrukturieren. Ich habe dann in weniger risikoreiche Titel investiert. Aber auch diese Werte gehen mal nach oben und mal nach unten. Deswegen ist es wichtig, einen langen Atem zu beweisen und Aktien ruhig auch einige Jahre oder Jahrzehnte im Portfolio zu halten. Wie gesagt, man sollte nur Geld investieren, welches man auf absehbare Zeit nicht wieder benötigt.

Setzen Sie auf Tiefgang

Wissen Sie, wann ich eine Vielzahl meiner Trades gemacht habe? In der Mittagspause meines Angestelltendaseins. Anstatt mich mit Kollegen über Nettigkeiten auszutauschen, hatte ich damals einen Stick mit einigen Gigabyte Datenvolumen. Dann habe ich mir eine ruhige Ecke im Freien gesucht und während der Pause mein Portfolio gemanagt. Einmal gelang es mir sogar, in der Mittagspause einen dreistelligen Gewinn einzufahren. Trotzdem fiel meine Mahlzeit nicht bedeutend größer aus.

Würde ich heute wieder in der Mittagspause handeln? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Ich bin der Erste, der zugibt, dass hier auch der Nervenkitzel eine Rolle gespielt hat. Ich fand es immer interessanter, in der Mittagspause über globale Marktbewegungen nachzudenken, als über Arbeit oder den Arbeitgeber bzw. andere Kollegen zu reden.

Heute wäre es vielleicht schlauer, mich in der Mittagspause eher auf die Recherche zu konzentrieren und das vielleicht nicht die ganze Mittagspause über. Schließlich hilft etwas Ruhe auch dabei, mit mehr Leistung und Elan an eine Aufgabe dranzugehen. Aktuell bin ich zwar noch im Kapitalmarkt investiert, aber ich baue keine neuen Positionen mehr auf.

Soll ich mein Geld überhaupt investieren?

Ja, es macht durchaus Sinn, sein Geld zu investieren. Durch die Inflation verliert es an Wert, wenn es nur auf dem Konto liegt. Natürlich sollten Sie immer auch einen gewissen Anteil auf ihrem Konto lassen. Manchmal geht eine Waschmaschine kaputt oder das Finanzamt sendet eine Nachforderung. Hier sind Rücklagen sehr hilfreich, um sich keinen Kredit ans Bein binden zu müssen.

Wenn Sie vorher noch nicht investiert haben, nehmen Sie erst einmal einen kleineren Betrag in die Hand. Suchen Sie sich am besten ein Unternehmen oder eine Branche, welche Sie als interessant empfinden. Das macht es deutlich einfacher, sich intensiv darin einzuarbeiten. Wir beschäftigen uns viel lieber mit Dingen, an welchen wir Spaß haben, als mit denen, die uns eigentlich nicht interessieren.

***

Altersvorsorge-neu-gedacht.de ist eine Publikation von Bonnier Business Press Deutschland und ist Ratgeber zu den Themen Vorsorge und Geldanlage.


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