Vorsorge

Weniger Geld fürs Alter: Zinsflaute erschwert private Vorsorge

Lesezeit: 4 min
06.12.2021 19:08  Aktualisiert: 06.12.2021 19:08
Ein Ende der Zinsflaute is nicht absehbar. Das hat Folgen für die private Altersvorsorge. Versicherer treten kräftig auf die Bremse.
Weniger Geld fürs Alter: Zinsflaute erschwert private Vorsorge
Die Niedrigzinsen haben den gesamten Anleihenmarkt durcheinandergewirbelt. (Foto: Pixabay)

Das Dauerzinstief nagt an der privaten Altersvorsorge. Viele Vorsorgesparer müsse sich auch im kommende Jahr auf eine sinkende Verzinsung von Lebensversicherungen einstellen. Nach Einschätzung von Branchenexperte Lars Heermann von der Ratingagentur Assekurata ist diese Sparform zwar immer noch attraktiver, „als das Geld auf dem Konto zu parken angesichts von Negativzinsen, die immer mehr Kreditinstitute erheben. Aber das allein wird bei vielen Menschen nicht reichen, um die Altersvorsorge-Lücke zu schließen.“ Verbraucherschützer haben grundsätzliche Bedenken.

Assekurata erwartet im Durchschnitt bei klassischen privaten Rentenversicherungen eine leichte Senkung der laufenden Verzinsung von derzeit 2,13 Prozent auf etwa 2 Prozent. Bei neueren Lebensversicherungsprodukten mit abgespeckter Garantie dürfte die Entwicklung ähnlich sein, sagte Heermann.

Vorsorgesparer mit lukrativen Altverträgen, die vor dem Jahr 2000 abgeschlossen wurden, stehen besser da. Sie haben zumindest den Garantiezins von bis zu 4 Prozent sicher. Liegt die laufende Verzinsung darunter, gilt automatisch der Garantiezins.

Erste Versicherer treten bereits auf die Bremse und senken die Überschussbeteiligung fürs kommende Jahr. Über deren Höhe entscheiden die Assekuranzen je nach Wirtschaftslage und Erfolg ihrer Anlagestrategie jedes Jahr neu. Überschussbeteiligung und Garantiezins ergeben die laufende Verzinsung, die sich nur auf den Sparanteil unter anderem nach Abzug von Abschluss- und Verwaltungskosten bezieht.

Garantiezins sinkt

Der Garantiezins sinkt nach einer Entscheidung des Bundesfinanzministeriums ab Januar 2022 für Neuverträge auf 0,25 Prozent nach zuletzt 0,9 Prozent. Dies gilt ausschließlich für Policen, die nach der Änderung abgeschlossen werden.

Das Problem der Branche sind die hochverzinsten Altverträge, weil in der Zinsflaute die Versprechen der Vergangenheit erfüllt werden müssen. Staatsanleihen mit guter Bewertung, die als sicher gelten, werfen so gut wie nichts mehr ab. Teilweise legen Anleger sogar Geld drauf. Die meisten der rund 80 Lebensversicherer in Deutschland bieten im Neugeschäft keine klassischen Policen mit lebenslangem Garantiezins mehr an. „In diesem Jahr sind es noch 16 Versicherer und ich gehe davon aus, dass die Zahl ab 2022 weiter sinken wird“, sagte Heermann. „Die Lebensversicherung im traditionellen Sinn ist ein Auslaufmodell und wird in der Form auch nicht mehr zurückkommen.“

Heermann zufolge hat sich bei neuen klassischen Policen bereits die Mehrheit der Anbieter zudem davon verabschiedet, Vorsorgesparern den Erhalt der eingezahlten Beiträge zu 100 Prozent zu garantieren. Dafür sollen Versicherte auf eine höhere Rendite hoffen können, weil die Assekuranzen Gelder in renditestärker, aber riskantere Produkte anlegen können. Die Vielzahl der neuen Modelle führt aus Heermanns Sicht dazu, „dass ein Vergleich zwischen den Altersvorsorgeprodukten zunehmend schwierig wird“.

Kritik von Experten

Verbraucherschützer kritisieren die Kapitallebensversicherung grundsätzlich als aus ihrer Sicht zu teuer und renditeschwach. „Lebensversicherungen sind für die Absicherung von Risiken wie den Todesfall geeignet, aber nicht für die private Altersvorsorge“, sagt Lars Gatschke vom Verbraucherzentrale Bundesverband. „Ein großes Problem sind die Abschluss- und Vertriebskosten. Hier hat sich leider nichts getan.“

Ein weiteres Problem: „Wenn ich eine lebenslange Garantie gebe, muss ich entsprechend vorsorgen, um das Versprechen erfüllen zu können. Darauf achtet auch die Aufsicht“, erläutert Gatschke. Die Garantieverpflichtung halte die Assekuranzen davon ab, renditeorientiert anzulegen. Zu groß sei die Gefahr, dass die Versprechen nicht jederzeit erfüllt werden könnten und Versicherer im Zweifel eigenes Geld nachschießen müssten. Investiert werde daher vor allem in renditeschwache Staatsanleihen mit guter Bewertung. (dpa)

***

Altersvorsorge-neu-gedacht.de ist eine Publikation von Bonnier Business Press Deutschland und ist Ratgeber zu den Themen Vorsorge und Geldanlage.

ANG
Geldanlage
Geldanlage Zollfreilager für Edelmetalle: Lohnt sich das für Privatanleger?

Mit der Lagerung im Zollfreilager sparen Privatanleger die Mehrwertsteuern auf die Weißmetalle Silber, Platin und Palladium. Ein guter...

ANG
Geldanlage
Geldanlage Privatkredite: Wenn die Freundschaft beim Geld endet

37 Prozent der Deutschen haben laut einer aktuellen Umfrage schon einmal einer nahestehenden Person Geld geliehen. Ist das eine gute Idee?

ANG
Karriere
Karriere Studie: Höherer Mindestlohn gut für rund 6,6 Millionen Beschäftigte

Mehrere Millionen Menschen dürften hierzulande nach Schätzungen des WSI von der Anhebung des Mindestlohns profitieren.

ANG
Vorsorge
Vorsorge Frugalismus – ein Trend für jedermann?

Möglichst viel sparen, um möglichst früh in Rente zu gehen? Das ist das Ziel der Frugalisten. Doch dieser Weg erfordert eiserne...

ANG
Börse
Börse Volkswagen: „Porsche-Börsengang gibt uns finanzielle Kraft“

Porsche ist an die Börse gegangen. Das dürfte wohl noch hohe Wellen schlagen.

ANG
Geldanlage
Geldanlage Gold anonym kaufen: Wo ist das noch möglich?

Der anonyme Goldkauf ist in Deutschland bloß unter einem Betrag von 2000 Euro erlaubt. In anderen europäischen Ländern liegt die Grenze...

ANG
Börse
Börse Agrar-ETFs: Sinnvolles Investment in die Ernährung der Zukunft?

Steigende Nahrungsmittelpreise, zunehmende Dürren und eine wachsende Weltbevölkerung – die Landwirtschaft der Zukunft muss sich an...

ANG
Geldanlage
Geldanlage Aktien waren gestern - hier kommen fünf unkonventionelle Geldanlagen

Nicht immer müssen profitable Investments nur an der Börse vorhanden sein.