Geldanlage

Wie sinnvoll ist es, in Platin oder Palladium zu investieren?

Lesezeit: 6 min
10.06.2021 09:32  Aktualisiert: 10.06.2021 09:32
Platin und Palladium sind bei Anlegern weitaus weniger beliebt als Gold uns Silber. Die Investition ist riskanter und schwieriger.
Wie sinnvoll ist es, in Platin oder Palladium zu investieren?
Platin ist sogar noch seltener als Gold. (Foto: iStock.com/Antoine2K)
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Aufgrund ihrer einzigartigen chemischen Beschaffenheit kommen Platin und Palladium bisher fast ausschließlich in der Industrie zur Anwendungen, etwa in Katalysatoren zur Reduzierung der Schadstoffbelastung von Fahrzeugen. Im Übrigen wird Platin dabei häufiger in Dieselmotoren verwendet, während Palladium eher in Ottomotoren zum Einsatz kommt.

Zwar kommen auch rund elf Prozent des weltweit produzierten Goldes in der Industrie zum Einsatz und 55 Prozent des produzierten Silbers. Doch bei Platin und Palladium liegen die entsprechenden Quoten bei 92 beziehungsweise 95 Prozent. Natürlich schwanken diese Anteile von Jahr zu Jahr. Aber stets geht fast die gesamte Produktion an Platin und Palladium in die Industrie.

Zwar wird die Nutzung von Katalysatoren anhalten. Doch der Marktanteil von Elektrofahrzeugen, die offensichtlich keine Katalysatoren benötigen, steigt. Infolge des starken Preisanstiegs bei Palladium könnte es Analysten zufolge künftig in Autokatalysatoren zunehmend durch Platin ersetzt werden, was den Palladiumpreis unter Druck setzen könnte.

Industrielles oder monetäres Metall?

Wenn der überwältigende Anteil der Platin- und Palladiumproduktion in die Industrie geht, bedeutet dies im Umkehrschluss, dass nur ein sehr geringer Anteil von Anlegern oder von Schmuckkonsumenten gekauft wird. Tatsächlich ist die Investitionsnachfrage – sowohl bei Barren als auch bei börsengehandelten Fonds (ETFs) – seit einigen Jahren rückläufig, wie der Edelmetallhändler GoldSilver.com berichtet.

Gold ist das einzige Edelmetall, das von den Zentralbanken als Reservewährung anerkannt ist und in großen Mengen gehalten wird. Es gilt als der ultimative "sichere Hafen". Einige wenige Regierungen halten auch Bestände an Silber, Platin oder Palladium, aber nicht in ihren offiziellen Währungsreserven.

Trotz seiner starken hohen industriellen Verwendung ist auch Silber ein monetäres Metall. Nicht nur wurde es im Verlauf der Geschichte als Währung verwendet, sondern es war auch in Krisen, insbesondere in Zeiten hoher Inflation, ein guter Wertspeicher, auch wenn in Krisenzeiten die schwindende industrielle Nachfrage seinen Wert mindern kann.

Was bringen Platin und Palladium im Falle einer Rezession?

Platin und Palladium hingegen haben weder eine Tradition als monetäre Metalle noch waren sie in der Vergangenheit gute Wertspeicher in Krisenzeiten, also in wirtschaftlichen Rezessionen und Börsencrashs. Zum ersten Fall: Wenn in einer Rezession die Wirtschaft schrumpft, sinkt offensichtlich die Nachfrage nach Platin und Palladium und der Preis fällt.

Seit 1970 hat es in den USA sieben offizielle Rezessionen gegeben. Der Platinpreis ist in sechs dieser sieben Phasen zurückgegangen und meist im zweistelligen Bereich. Auch der Palladiumpreis fiel in fünf der sieben Rezessionen. Zwar stieg der Palladium in der Rezession 1974 zweistellig an. Doch ein sicherer Hafen in einer Rezession ist es genauso wenig wie Platin.

Gold hingegen hat sich in Phasen eines wirtschaftlichen Rückgangs meist positiv entwickelt. Der Goldpreis ist in fünf der sieben Rezessionen in den USA seit 1970 gestiegen, in einer stagnierte er und in einer anderen fiel er im einstelligen Bereich. Denn in der Regel ist wirtschaftliche Unsicherheit die Art von Umgebung, in der Gold gedeiht.

Was bringen Platin und Palladium bei Börsencrashs?

Die Frage nach dem Verhalten von Platin und Palladium bei Börsencrashs ist derzeit für Anleger besonders wichtig, da die Aktienmärkte zuletzt von Rekord zu Rekord gestiegen sind und historisch hoch bewertet sind. Die folgende Tabelle zeigt, wie sich die vier Edelmetalle während der acht größten Rückgänge des S&P 500 seit Mitte der 1970er Jahre verhalten haben.

Im Durchschnitt ist Gold das einzige Metall, das während der schlimmsten Aktienmarktcrashs gestiegen ist, wie die grüne Farbe in der Grafik veranschaulicht. Palladium und Platin hingegen fallen in solchen Szenarien in der Regel sehr stark, wie die rote Farbe in der Grafik veranschaulicht. Silber hat bei Börsencrashs stets schlechter performt als Gold, aber in der Regel besser als Platin und Palladium.

Wie investiert man in Palladium und Platin?

Wer sich von der meist schlechten Performance in Krisenzeiten von Platin und Palladium nicht abschrecken lässt, der steht vor weiteren Problemen, wenn er konkret investieren will. Denn da die beiden Edelmetalle nicht die Steuervorteile von Gold genießen, zahlt man beim Kauf einer Münze oder eines Barrens einen Preisaufschlag in Höhe von mindestens 20 Prozent.

Möglicherweise ist diese horrende Besteuerung einer Geldanlage einer der Gründe, warum so wenige Anleger in Platin oder Palladium investieren. Eine weitere Möglichkeit sind börsennotierte Fonds (ETFs), die mit den beiden Edelmetallen hinterlegt sind. Diese Option macht den Kauf und Verkauf relativ einfach und günstig.

Oder man nutzt seriöse Anbieter wie Goldmoney und BullionVault, die für ihre Kunden neben Gold und Silber auch Platin und Palladium verwahren. Ihre Lagerkosten sind deutlich niedriger als bei ETFs. Wer ein langfristiges Investment sucht und nicht beim Kauf 20 Prozent Steuern draufzahlen will, der sollte die Lagerung von physischem Platin und Palladium im Tresor eines seriösen Anbieters in Betracht ziehen.


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