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Warum Gold in China billiger ist als im Westen

 

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01.07.2021 08:37  Aktualisiert: 01.07.2021 08:37
Nach den historischen Preisunterschieden zwischen China und dem Westen im vergangenen Jahr ist der Spread nun wieder deutlich niedriger. Doch der chinesische Goldmarkt folgt auch weiterhin einer ganz anderen Dynamik als die westlichen Märkte.
Warum Gold in China billiger ist als im Westen
Der Goldpreis in China ist ein anderer als im Westen. (Foto: Pixabay)

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Der Goldpreis-Spread zwischen Shanghai und London ist am 2. Juni in den negativen Bereich gesunken und ist fast den Rest des Monats dort verblieben. Das heißt, der Goldpreis in Shanghai war nun wieder niedriger als in London, nachdem zuvor der Goldpreis-Spread zwischen den beiden Handelsplätzen seit Anfang des Jahres positiv gewesen war.

Für diese Trendwende im globalen Goldmarkt nennt der Branchenverband World Gold Council drei wahrscheinliche Ursachen: (1) die unterschiedliche Risikobereitschaft bei chinesischen und westlichen Anlegern, (2) die erwartete strengere Regulierung des chinesischen Goldmarktes und (3) den starken Anstieg der Goldimporte nach China.

Noch 2020 zeigte sich ein historisch niedriger Preis-Spread zwischen Shanghai und London. Niemals zuvor war Gold in China so viel billiger als im Westen. Einer der Gründe war die extreme Goldnachfrage im Westen. Der hohe Preisaufschlag gegenüber China hätte den Investoren in Europa und den USA als Warnsignal dienen können, dass Gold im Westen überteuert war. Tatsächlich ist der Dollar-Goldpreis in der Folge deutlich gesunken.

Sind Chinas Investoren risikofreudiger?

Es gibt messbare Unterschiede im Anlageverhalten zwischen chinesischen und westlichen Investoren. Diese Unterschiede zeigten sich in den letzten Monaten auch bei Gold. So verzeichneten zum Beispiel die in China notierten Gold-ETFs im ersten Quartal Zuflüsse, während die im Westen notierten Gold-ETFs Abflüsse verzeichneten.

Diese Divergenz könnte das Ergebnis einer höheren Risikobereitschaft chinesischer Investoren im Vergleich zu ihren westlichen Pendants sein. Denn der Yuan hat in letzter Zeit deutlich aufgewertet, und eine starke Landeswährung führt in der Regel zu einer höheren Risikotoleranz der Investoren, da sie oft auf eine Stärkung der lokalen Wirtschaft hinweist. Diese höhere Risikotoleranz der chinesischen Investoren hat die Handelsvolumina am dortigen Aktienmarkt in die Höhe getrieben und zugleich das Interesse der chinesischen Investoren an sicheren Anlagen wie Gold gesenkt.

Zudem hatten chinesische Investoren im bisherigen Jahresverlauf weniger steigende Inflationssorgen als Investoren im Westen. Zwar ist Chinas Erzeugerpreisindex vor dem Hintergrund explodierender Rohstoffpreise im Jahr 2021 rapide angestiegen. Doch der chinesische Verbraucherpreisindex blieb gedämpft, vor allem aufgrund niedrigerer Lebensmittelpreise und einer relativ allmählichen Erholung der Nachfrageseite der Wirtschaft. Infolgedessen ist die Nachfrage nach Gold als Absicherung gegen Inflation gesunken.

Kommt eine strengere Regulierung des chinesischen Goldmarkts?

Am 1. Juni meldete Chinas Notenbank, dass der Geltungsbereich des Anti-Geldwäsche-Gesetzes auf Gold-Spot-Börsen und die dortigen Händler ausgeweitet wird. Dies führte zu der Erwartung einer strengeren Regulierung im physischen Goldhandel und drückte weiter auf die Stimmung der chinesischen Goldhändler.

Und Händler, die auf eine Ausweitung des Goldpreis-Spreads zwischen Shanghai und London wetteten, mussten ihre Positionen schließen, indem sie Renminbi-Goldkontrakte verkauften und Dollar-Goldkontrakte kauften, um ihre Verluste zu begrenzen. Diese Umschichtung beschleunigte das Absinken des Goldpreis-Spreads.

Chinas Goldimporte sind deutlich angestiegen

Nachdem Chinas Goldimporte im vergangenen Jahr und Anfang dieses Jahres gedämpft waren, stiegen sie in der Folge rasch an. Im ersten Quartal 2021 waren es 54 Tonnen und im April und Mai insgesamt 178 Tonnen, was in erster Linie auf den steigenden Goldverbrauch und eine Lockerung der Beschränkungen für Goldzuflüsse zurückzuführen ist.

Diese Erhöhung der Goldimportquoten hat auch dazu beigetragen, den Shanghaier Goldpreis in den letzten Monaten nach unten zu drücken. Zudem wird erwartet, dass Chinas Goldimporte in den kommenden Monaten weiter ansteigen, wodurch die „Knappheit“ von Gold in China verringert wird. Das starke Goldangebot könnte durch die geringer als erwartete Anlegernachfrage noch verstärkt werden.

Fazit: (1) Die im Vergleich zum Westen höhere Risikobereitschaft der chinesischen Goldanleger, (2) die erwartete strengere Regulierung auf Chinas physischem Goldmarkt und (3) ein deutlicher Anstieg der Goldimporte in den letzten Monaten haben zu einer schwächeren Entwicklung des Shanghaier Goldpreises und somit zu einem negativen Shanghai-London-Goldpreis-Spread geführt.

Die Aussichten für die Goldnachfrage lassen jedoch vermuten, dass der negative Spread nicht anhalten wird. Die Rohstoffpreise sind weiterhin hoch und die Nachfrageseite der Wirtschaft erholt sich kontinuierlich, sodass der Inflationsdruck auch in China steigen könnte, was die Goldnachfrage zur Inflationsabsicherung erhöhen könnte. Zudem dürften zu Beginn des dritten Quartals die Goldschmuck-Käufe anziehen.


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