Börse

Deutschen Geldinstitute wollen durch Fusionen europäische Bankenriesen schaffen

Lesezeit: 4 min
08.09.2021 17:20  Aktualisiert: 08.09.2021 17:20
Der Chef der Deutschen Bank will die Größenvorteile Europas nutzen. Auch andere Bosse deutscher Banken fordern einen einheitlichen Kapitalmarkt in Europa. Dazu gehöre auch die Schaffung von europäischen Bankenriesen.
Deutschen Geldinstitute wollen durch Fusionen europäische Bankenriesen schaffen
Optisch sind die deutschen Banken schon Riesen – jetzt sollen sie auch in Europa mehr Gewicht bekommen. (Foto: iStock.com/Cineberg)
Foto: Cineberg

Mehr zum Thema:  
Banken >
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Banken  

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing wirbt für einen europäischen Bankenriesen - sein eigenes Haus will der Manager aber vor einer möglichen Fusion erst fitter machen. „Wir müssen endlich die Größenvorteile Europas nutzen“, mahnte Sewing am Mittwoch bei der online übertragenen Handelsblatt-Bankentagung.

Auch Commerzbank-Chef Manfred Knof forderte von der Politik mehr Einsatz für einen einheitlichen Kapitalmarkt in Europa. Knof, der die Commerzbank seit Jahresbeginn führt, bekräftigte zugleich: „Wir haben eine Strategie, mit der wir es schaffen werden, die Voraussetzungen für die Eigenständigkeit der Commerzbank sicherzustellen.“

Sewing betonte, der Deutsche-Bank-Vorstand scharre „nicht mit den Hufen“ und schaue sich auch nicht nach möglichen Partnern um. „Zur Zeit gibt es für uns nur eins, und das ist die Vollendung unserer Strategie.“ Sewing hat Deutschlands größtem Geldhaus einen grundlegenden Umbau verordnet inklusive des Abbaus Tausender Stellen.

„Die beste Vorbereitung für einen nächsten Schritt ist, selbst fit zu sein“, sagte Sewing. Wenn der Konzernumbau abgeschlossen sei, werde die Deutsche Bank so weit sein, „dass wir auf Augenhöhe dann vielleicht mal über andere Dinge nachdenken können“.

Richtungswechsel in Europa?

Für grenzüberschreitende Zusammenschlüsse brauche es aber auch einen entsprechenden Rahmen in Europa. „Es war und bleibt richtig, Großbanken besonders sorgfältig zu regulieren. In Europa haben wir jedoch gleichzeitig viel dafür getan, Banken gar nicht mehr groß werden zu lassen. Das aber ist ein fragwürdiger Kurs – nimmt doch die Bedeutung von Größe in der Finanzwelt exponentiell zu“, sagte Sewing, der seit Juli auch Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) ist.

Um im scharfen Wettbewerb mit der Konkurrenz aus den USA und China wieder aufzuholen, müsse Europa Fortschritte bei der Vereinheitlichung der Kapitalmärkte machen. „Wir können uns da keinen evolutionären Weg mehr leisten, hier braucht es jetzt einen großen Sprung. Das wird auch die überfällige Konsolidierung über Landesgrenzen hinweg beschleunigen“, sagte Sewing.

Grenzüberschreitende Geldanlagen

Bei der Kapitalmarktunion geht es im Kern darum, bürokratische Hürden zwischen den einzelnen EU-Staaten abzubauen, um Unternehmen mehr Möglichkeiten zu geben, sich Geld zu beschaffen. Verbraucher sollen zudem mehr Möglichkeiten für grenzüberschreitende Geldanlagen bekommen. Kredite und Finanzierungen werden in Europa – im Gegensatz zu den USA – hauptsächlich von Banken vergeben. Pläne der EU-Kommission für eine Kapitalmarktunion liegen seit September 2015 auf dem Tisch, doch die Umsetzung stockt.

Ins Stocken geraten sind auch die Bemühungen von Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis, ein Zentralinstitut für die Sparkassen-Finanzgruppe zu formen. Unter anderem der Ostdeutsche Sparkassenverband hatte sich kürzlich erneut gegen einen Zusammenschluss von Dekabank und Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) als Kern eines solchen Zentralinstituts ausgesprochen.

„Erfolgreiche Gespräche kann man ja nur führen, wenn es dafür den notwendigen Willen aller Eigner gibt, die zustimmen müssen“, sagte Schleweis dem Handelsblatt. „Mit einem möglichen Zusammenschluss von Deka und Helaba beschäftigen wir uns dann, wenn die Anteilseigner das wollen“, sagte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV). „Ich verschwende keine Managementkapazitäten auf etwas, was notwendige Teile der Eigner ausdrücklich nicht wollen.“

Bei der Handelsblatt-Bankentagung äußerte sich Schleweis zuversichtlich: „Das Ganze ist ein Prozess und der Prozess wird zu einem guten Ende kommen. Das Zentralinstitut wird kommen – dann, wenn die Zeit dafür da ist.“


Mehr zum Thema:  
Banken >

AS
Börse
Börse Wie globale Finanzkrisen entstehen – und wie man den drohenden Crash erkennt

Finanzkrisen treten immer wieder auf. Die Börsenkurse stürzen dann innerhalb kürzester Zeit ins Bodenlose. Doch was sind die Auslöser...

AS
Vorsorge
Vorsorge Immobilie, Aktie oder doch Riester? Wie die Deutschen gerne die Rentenlücke schließen würden

Garantierte Renten und Immobilien sind am beliebtesten, doch aktienbasierte Anlageformen gewinnen an Bedeutung. Die Mehrheit wünscht sich...

AS
Geldanlage
Geldanlage Stablecoins auf dem Prüfstand: Möglicher Hinweis auf umfassendere Regulierung von Kryptowährungen

Regierungen beobachten das Wachstum von Stablecoins mit Sorge. Dabei handelt es sich um eine Form digitaler Vermögenswerte, die das...

AS
Immobilien
Immobilien So schützen sich Hauskäufer vor dem Platzen der Immobilienblase

Die Wohnimmobilienpreise steigen derzeit so kräftig wie nie. Doch damit könnte bald Schluss sein. Experten mahnen zur Vorsicht beim...

AS
Geldanlage
Geldanlage Goldanleger sind frustriert, weil sie eigentlich recht hatten

Um sich gegen Inflation abzusichern, haben Investoren im letzten Jahr im großen Stil Gold gekauft. Und sie hatten recht, die Inflation ist...

AS
Immobilien
Immobilien Steigende Energiepreise sorgen für dramatische soziale Schieflage

Für Gas, Strom und Sprit müssen Kunden immer tiefer in die Tasche greifen. Das alarmiert Sozialverbände und Verbraucherzentralen, denn...

AS
Geldanlage
Geldanlage Wie der US-Dollar über 90 Prozent seiner Kaufkraft verlor

Der US-Dollar ist noch immer die wichtigste Währung der Welt. Der heutige Dollar ist jedoch nur noch einen Bruchteil dessen wert, was er...

AS
Vorsorge
Vorsorge Deutsche verlieren massiv Vertrauen in gesetzliche Rente

Die Zahl der Menschen im Rentenalter nimmt stark zu, während die Erwerbstätigen immer weniger werden. Gleichzeitig schrumpft das...

AS
Immobilien
Immobilien Studis aufgepasst: Hier könnt Ihr Euch das Wohnen noch leisten

Es geht wieder los: Mit Anfang Oktober strömen Studentinnen und Studenten zurück in die Universitäten. Ausschlaggebend für den Wohnort...

AS
Börse
Börse Konzern braucht Geld: Handel mit Evergrande-Aktien ausgesetzt

Der chinesische Immobiliengigant ist mit mehr als 300 Milliarden US-Dollar verschuldet. Rating-Agenturen warnen vor einer...

AS
Geldanlage
Geldanlage Evergrande-Krise in China: Spielball der Politik – und ansteckend?

Die Geschichte des Zahlungsausfalls von Evergrande ist mehr als nur die Geschichte eines einzelnen Immobilienunternehmens, was unter der...

AS
Vorsorge
Vorsorge Massive Steigerung: Rentner zahlen fast 100 Milliarden an Steuern und Abgaben

Eine der wichtigsten Aufgaben der neuen Bundesregierung wird es sein, das marode Rentensystem zu reformieren. Die Abgabenlast steigt enorm...