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Top-Ökonom: Rezession droht „vor Ende des nächsten Jahres“

Lesezeit: 5 min
20.06.2022 15:46  Aktualisiert: 20.06.2022 15:46
Der frühere US-Finanzminister Larry Summers rechnet mit einem Einbruch der US-Wirtschaft vor Ende 2023. Auch in Deutschland schlagen immer mehr Stimmen Alarm.
Top-Ökonom: Rezession droht „vor Ende des nächsten Jahres“
Seit Jahresbeginn fallen die Kurse - das bereitet Marktteilnehmern Kopfzerbrechen. (Foto: iStock.com/peshkov)
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Die Warnungen vor einer Wirtschaftskrise häufen sich. Der frühere Finanzminister in der Clinton-Administration und ehemalige Chefökonom der Weltbank, Larry Summers, rechnet mit einer Rezession noch vor Ende des kommenden Jahres. „Ich begründe das damit, dass wir noch nie eine Situation wie die jetzige mit einer Inflation von über 4 Prozent und einer Arbeitslosigkeit von über 4 Prozent hatten, ohne dass innerhalb von ein oder zwei Jahren eine Rezession folgte“, erklärte er gegenüber dem amerikanischen Fernsehsender NBC. „Daher denke ich, dass die Fed wahrscheinlich die Zinsen so weit anheben wird, dass die Wirtschaft in eine Rezession abgleitet.“

Summers verneinte die Frage, ob die Inflation ohne eine Rezession eingedämmt werden könne. Es gebe keine „historischen Präzedenzfälle für eine Inflation mit der Rate, die wir jetzt haben“, bei denen die Inflationsrate ohne Rezession auf das 2-Prozent-Ziel der Federal Reserve gesunken sei. „Ich denke, alle Präzedenzfälle deuten auf eine Rezession hin.“ Die Rezession erwartete Summers „vor Ende des nächsten Jahres“. Gleichwohl seien Prognosen schwierig und er könne falsch liegen, betonte der VWL-Professor mehrmals.

JPMorgan-Chef warnt vor "Hurrikan“ an den Finanzmärkten

Zuletzt hatten einige bekannte Stimmen vor einer neuen Finanzkrise gewarnt. Etwa sah der Chef der US-Großbank JPMorgan, Jamie Dimon, einen „Hurrikan“ auf die US-Wirtschaft zukommen. „Wir wissen nicht, ob es ein kleinerer Sturm ist oder ein Supersturm Sandy. Seien Sie gewappnet“, sagte der US-Amerikaner Anfang Juni auf einer Bankentagung. Die Wirtschaft sei mit einer gefährlichen Kombination von Problemen konfrontiert, etwa der Inflation, dem Ukraine-Krieg und anhaltenden Lieferengpässen.

Auch der Leipziger Ökonom Gunther Schnabl geht davon aus, dass die FED-Geldpolitik zu Instabilitäten an den Finanzmärkten führen wird. „Dann dürfte es zum Kräftemessen kommen: Wenn die Fed im Gegensatz zu früheren Episoden nicht nachgibt, müssen sich die Finanzmärkte neu ausrichten. Das dürfte mit Verlusten und Turbulenzen verbunden sein, danach wird es aber wieder aufwärts gehen“, sagte der VWL-Professor im Interview mit Altersvorsorge Neu Gedacht. Auf Europa sieht Schnabl schwere Zeiten zukommen: Die Eurozone werde an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den USA verlieren und auf Dauer von höherer Inflation geplagt werden.

Die Finanzmärkte befinden sich bereits seit Beginn des Jahres in einer Rezession, die üblicherweise als ein Minus von 20 Prozent zum vorherigen Allzeithoch definiert wird. Etwa hat der US-Aktienindex S&P 500 von Jahresbeginn bis Mitte Juni etwa 23 Prozent eingebüßt. Der DAX steht mit 18 Prozent im Minus. Auch die Kurse von Anleihen brachen aufgrund der angekündigten Zinserhöhungen scharf ein.

Ende des Immobilienbooms in 2022?

In Deutschland warnen derweil mehrere Stimmen vor einem Ende des Immobilienbooms. Etwa registrierten die Forscher des Immobilienberaters Savills im Mai viel weniger Transaktionen von Wohn- und Gewerbeimmobilien als in den Vorjahren. „Schon im April fanden nur sehr wenige Transaktionen statt und im Mai haben wir erstmals seit über zehn Jahren weniger als hundert Verkäufe registriert“, schreiben die Forscher. Ursache seien vor allem die gestiegenen Bauzinsen, wodurch sich die Kosten für Immobilienkredite innerhalb kurzer Zeit mehr als verdoppelt hätten. Dieser Zinsschock sorge aktuell für „eine Art Schockstarre“ am Markt, bei der viele Verkäufer einen Verkauf nicht realisierten, weil sie ihre Preisvorstellungen nicht durchsetzen könnten, und viele Käufer aufgrund der gestiegenen Finanzierungskosten vom Markt verschwänden.

Gleichwohl rechnen die Analysten mit keinem starken Preiseinbruch. Erstens sei von nun an mit geringeren Zinsanstiegen zu rechnen. Zweitens sei absehbar, dass die Anleiherenditen bis auf Weiteres gering bleiben dürften, sodass Immobilien weiter attraktiv blieben. Drittens sorge der schwache Euro für zusätzliche Immobiliennachfrage von ausländischen Investoren. „Würde auf den Zinsschock ein Konjunkturschock folgen, würde auch dem Immobilienmarkt eine kräftige Korrektur bevorstehen. Danach sieht es derzeit jedoch nicht aus“, schreiben die Forscher.

Größter Preisrückgang in Frankfurt

Auch das Immobilien-Vergleichsportal Immowelt warnte Anfang Juni vor einem Ende des Immobilienbooms. „Die Zeit der großen Preissteigerungen ist voraussichtlich vorbei“, heißt es in einer Pressemitteilung zu einer Preisschätzung. Demnach sollen die Preise bis Ende 2022 in 10 von 14 Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern stagnieren oder fallen. Ganz vorne lagen dabei Frankfurt (-5 Prozent), Leipzig (-4 Prozent) und Berlin (-3 Prozent).

Grundlage der Preisschätzung waren die Angebotspreise von Bestandswohnungen (75 Quadratmeter, 3 Zimmer, 1. Stock, Baujahr 1990er-Jahre). Daneben vermuteten die Mitarbeiter von Immowelt einen Anstieg der Zinsen für zehnjährige Immobilienkredite auf 3,5 Prozent und weiter steigende Inflation mit einem Verbraucherpreisindex von 121 Punkten. Zuletzt lag der Zins für einen zehnjährigen Immobilienkredit laut Interhyp im Schnitt bei 3,07 Prozent. Die Inflationsrate lag im Mai bei +7,9 Prozent. (eli)


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