Vorsorge

Altersvorsorge unter Druck: Corona setzt Lebensversicherern zu

Lesezeit: 2 min
21.04.2021 17:58
Die Versicherungsbranche wird durch die Corona-Krise zunehmend unter Druck gesetzt. Für eine Entwarnung ist es aus Sicht der Bafin zu früh. Sorgen bereiten die Niedrigzinsen.
Altersvorsorge unter Druck: Corona setzt Lebensversicherern zu
Laut Bafin hat Corona die größte Herausforderung für Pensionskassen und Lebensversicherer – das Niedrigzinsumfeld – noch weiter verfestigt. (Foto: Pixabay)

Die Corona-Krise verfestigt die Zinsflaute am Finanzmarkt, der Druck vor allem auf Pensionskassen wächst. Im vergangenen Jahr hätten rund 30 Pensionskassen finanzielle Unterstützung von ihren Trägerunternehmen oder Aktionären erhalten, die in der Regel auf mehrere Jahre gestreckt würden, berichtete Deutschlands oberster Versicherungsaufseher Frank Grund. „Es bleibt aber abzuwarten, wie leistungsfähig die Trägerunternehmen selbst in der Corona-Krise bleiben.“

Die Finanzaufsicht Bafin hält derzeit rund 40 der mehr als 130 Pensionskassen und rund 20 von 80 Lebensversicherern unter verschärfter Beobachtung. Corona habe die größte Herausforderung für Pensionskassen und Lebensversicherer – das Niedrigzinsumfeld – noch verfestigt, sagte der Bafin-Exekutivdirektor bei der Online-Jahreskonferenz der Versicherungsaufsicht.

Erst jüngst hatte die Finanzaufsicht zwei Pensionskassen die Betriebserlaubnis entzogen, weil diese die Mindestkapitalanforderung nicht erfüllten und ihre Finanzierungspläne zur Beseitigung der Unterdeckung unzureichend seien. Die Untersagung war bereits 2018 angeordnet worden, nach einem Widerspruchsverfahren wurde sie am 1. Januar 2021 rechtskräftig.

Nach Angaben der Bafin haben in den vergangenen Jahren insgesamt 60 Pensionskassen ihr Neugeschäft eingestellt. Eine besondere Häufung von Fällen in der jüngsten Vergangenheit habe er aber nicht beobachtet, sagte Grund.

Nach seinen Angaben haben Lebensversicherer einen größeren Spielraum zur Bewältigung der wegen der Corona-Krise wohl noch Jahre anhaltenden Niedrigzinsen am Finanzmarkt. Das gelte vor allem für Produkte im Neugeschäft, sagte Grund. Erste Versicherer haben sich bei Neuverträgen beispielsweise von der vollständigen Garantie der eingezahlten Beiträge verabschiedet. In der Zinsflaute fällt es der Branche immer schwerer, die hohen Zusagen der Vergangenheit für den Altersvorsorgeklassiker am Finanzmarkt zu erwirtschaften.

Keine Entwarnung

Insgesamt zeigte sich Grund mit Blick auf die Lage der gesamten Versicherungsbranche verhalten optimistisch. „Für Entwarnung ist es dennoch zu früh“, mahnte er. „Wir wissen nicht, wie sich die Corona-Pandemie weiterentwickelt und wie schnell sich die nationale und internationale Realwirtschaft erholt.“

Das Bundesfinanzministerium hält eine Begrenzung der Kosten beim Verkauf von Lebensversicherungen weiter für notwendig. „Wir müssen immer noch über eine Begrenzung der Kosten sprechen“, sagte Finanzstaatssekretär Jörg Kukies bei der Veranstaltung. Die geplante Deckelung der Provisionen war mangels Einigung zwischen Union und SPD zurückgestellt worden. Die Deckelung der Abschlussprovision bei Restschuldversicherungen sei im Bundestag dagegen auf einem guten Weg, sagte Kukies.

Die Bundesregierung will es Verbrauchern einfacher machen, einen Kredit beispielsweise für den Hauskauf abzusichern. Die Restschuldversicherung springt ein, wenn der Darlehensnehmer arbeitsunfähig beziehungsweise arbeitslos wird oder stirbt. Zuletzt hatten Versicherer für die Vermittlung dieser Policen Provisionen von teils mehr als 50 Prozent der Versicherungsprämie geboten. Künftig sollen nur noch maximal 2,5 Prozent der versicherten Darlehenssumme erlaubt sein.

Mehr zum Thema lesen Sie hier:

Darum sollten Sie Ihren Nachlass rechtzeitig regeln

Wegen Corona: Wirtschaftsexperten raten zu späterer Rente

Riester-Rente droht das Aus

So viel Geld brauchen Sie im Alter

Gewerkschaften warnen vor „Rentenkürzung durch die Hintertür“

Von wegen Ruhestand: Gewonnene Lebensjahre werden mit Arbeit verbracht

***

Altersvorsorge-neu-gedacht.de ist eine Publikation von Bonnier Business Press Deutschland und ist Ratgeber zu den Themen Vorsorge und Geldanlage.

ANG
Vorsorge
Vorsorge Lindner will Steuerzahler bis 2026 um 23 Milliarden Euro entlasten
17.06.2024

Finanzminister Christian Lindner will die Effekte der hohen Inflation ausgleichen und Steuerzahlerinnen und Steuerzahler in den nächsten...

ANG
Börse
Börse Aktien Europa: Bescheidene Stabilisierung nach Kursrutsch
17.06.2024

Europas wichtigste Aktienindizes haben sich nach den jüngst deutlichen Kursverlusten am Montag stabilisiert. Wegen anstehender...

ANG
Vorsorge
Vorsorge Umfrage: Große Mehrheit für Bundeszuschuss zur Pflege
17.06.2024

Als Antwort auf weiter steigende Kosten für die Pflege ist laut einer Umfrage eine große Mehrheit für eine zusätzliche Finanzspritze...

ANG
Geldanlage
Geldanlage EZB 2024: Zinssenkung läutet neue Ära ein
17.06.2024

Wie Bundesbankpräsident Joachim Nagel im April andeutete, hat die Europäische Zentralbank überraschend den Leitzins gesenkt. Diese...

ANG
Börse
Börse Börse Frankfurt-News: Kleine Erholung nach deutlichem Minus
17.06.2024

Frankreichs Parlamentswahlen und die China-Zolldebatte haben die europäischen Aktienmärkte stark belastet. Jetzt sieht es nach einer...

ANG
Immobilien
Immobilien Immobilienblase: Gefahr in diesen Bereichen!
17.06.2024

Das Risiko einer Immobilienblase auf dem Wohnimmobilienmarkt ist leicht gesunken, doch das Verhältnis zwischen Kaufpreisen und Mieten...

ANG
Vorsorge
Vorsorge Renten steigen um 4,57 Prozent
17.06.2024

Die Renten in Deutschland steigen zum 1. Juli um 4,57 Prozent. Der Bundesrat ließ am Freitag eine entsprechende Verordnung des...

ANG
Börse
Börse SEC räumt Weg auch für Ether-ETFs frei
03.06.2024

Die SEC hat den Weg für den Handel mit Ether-basierten ETFs freigemacht, was einen wichtigen Schritt für die Integration von...