Geldanlage

Bundesregierung will Ampel für Finanzprodukte

Lesezeit: 2 min
05.05.2021 18:58  Aktualisiert: 05.05.2021 18:58
Die Bundesregierung will mehr Anreize für Investitionen in Klimaschutz und Nachhaltigkeit setzen. Dazu gehören eine Ampel für Finanzprodukte, an der sich Anleger orientieren können, und die Pflicht zu Nachhaltigkeitsberichten für börsennotierte und andere große Unternehmen. Wie das kontrolliert werden soll, ist noch nicht klar.
Bundesregierung will Ampel für Finanzprodukte
Teil der Strategie ist, dass der Bund sogenannte grüne Anleihen auflegt. (Foto: Pixabay)

Die Bundesregierung will die Finanzwelt nachhaltiger gestalten. Dafür brachte das Kabinett am 5. Mai eine Strategie für nachhaltige Finanzierung („Sustainable Finance“) mit 26 Maßnahmen auf den Weg. Die Regierung will damit mehr Anreize für Investitionen in Klimaschutz und Nachhaltigkeit setzen. Dazu gehören eine Ampel für Finanzprodukte, an der sich Anleger orientieren können, und die Pflicht zu Nachhaltigkeitsberichten für börsennotierte und andere große Unternehmen.

Die Versorgungsfonds des Bundes sollen ihre Anlagen schrittweise in Richtung Nachhaltigkeit umschichten. Dabei geht es laut Finanzministerium um ein Anlagevolumen von neun Milliarden Euro.

Vorgesehen ist auch, dass der Bund sogenannte grüne Anleihen mit weiteren Laufzeiten auflegt, um den entsprechenden Markt zu stärken. Die Finanzagentur des Bundes hatte im vergangenen Jahr erstmals ein solches Papier Investoren angeboten. Damit werden etwa Ausgaben des Bundes finanziert, die sich an den UN-Nachhaltigkeitszielen orientieren.

Finanzminister Olaf Scholz (SPD) sprach angesichts der 26 Maßnahmen von einer Weichenstellung für die Branche. „Klimaschutz und Nachhaltigkeit werden zum Leitmotiv. Und das ist wichtig, denn der Finanzmarkt kann Billionen von Euro in Richtung Klimaschutz und Nachhaltigkeit bewegen.“

Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) sagte, auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu setzen, sei auch ökonomisch die richtige Strategie. Viele Investoren hätten verstanden, dass sie mit nachhaltigen Zukunftstechnologien langfristig die besten Geschäfte machten. Der Finanzmarkt brauche Klarheit, welche Investitionen sich noch lohnten und welche zu riskant würden.

Auch die EU-Kommission hat sich zum Ziel gesetzt, Bürgern und Investoren besser aufzuzeigen, welche Finanzprodukte dem Klimaschutz nützen. Dafür stellte sie im April ein Paket für die sogenannte Taxonomie vor und schlug neue Informationspflichten vor, um Anlegern einen Überblick zu verschaffen. Dabei klammerte sie aber die heikle Frage aus, ob etwa die Atomkraft als nachhaltig gilt. Das Kabinett positionierte sich in dieser Frage klar: „Mit ihrer Sustainable-Finance-Strategie stellt die Bundesregierung ihre Position klar, dass Atomkraft nicht als nachhaltig gelten kann. Atomkraft verursacht Müll für 300.000 Generationen.“

Die Deutsche Kreditwirtschaft, ein Zusammenschluss der wichtigsten Verbände von Banken und Sparkassen, begrüßte die Strategie grundsätzlich. Allerdings müsse das Thema global und europäisch vorangetrieben werden: „Die einzelnen Maßnahmen müssen sinnvoll verzahnt und gut aufeinander abgestimmt werden, um einen regulatorischen Flickenteppich und eine Fragmentierung der Märkte zu vermeiden.“ Eine Nachhaltigkeitsampel für Finanzprodukte sehen die Verbände kritisch. „Nationale Kennzeichen führen zu einer Zersplitterung der Vorschriften und stiften Verwirrung“, hieß es in der Erklärung.

Lob kam vom Versicherungsverband GDV. „Die Sustainable-Finance-Strategie ist ein wichtiger Schritt in Richtung eines nachhaltigen Finanzsystems“, sagte Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Besonders positiv sei die Ankündigung, verstärkt grüne Anleihen aufzulegen.

Lesen Sie mehr zum Thema:

Impact Investing: Mit gutem Gewissen Geld verdienen

„Nachhaltigkeit ist ein fantastisches Werbeversprechen“

Interesse an nachhaltigen Investments steigt deutlich

Nachhaltigkeit hat ihren Preis

***

Altersvorsorge-neu-gedacht.de ist eine Publikation von Bonnier Business Press Deutschland und ist Ratgeber zu den Themen Vorsorge und Geldanlage.

ANG
Immobilien
Immobilien Umfrage: Viele wissen nicht, ob Preisbremsen für sie gelten

Seit Anfang des Jahres dämpft der Bund hohe Strom- und Gaspreise mit Preisdeckeln. Ab März kommen die Entlastungen bei den Kunden an....

ANG
Geldanlage
Geldanlage Umfrage: 46 Prozent zweifeln an Sicherheit der Spareinlagen

Gerade mal jeder zweite hierzulande glaubt, dass seine Bankeinlagen im Ernstfall tatsächlich sicher sind.

ANG
Börse
Börse Aktien Europa: Ruhiger Wochenstart mit Gewinnen - Doch Bankensorgen bleiben

Die Angst vor einer neuerlichen Bankenkrise bleibt an den Märkten präsent.

ANG
Karriere
Karriere Vermögen: „Deutschland könnte mehr Ungleichheit vertragen“

Medien, Gewerkschaften und Politiker prangern die hohe Vermögenskonzentration in Deutschland an. Doch ist Ungleichheit tatsächlich...

ANG
Börse
Börse Deutsche Börse mit Niederlage im Streit um Milliarden aus dem Iran

Die Deutsche Börse muss sich derzeit mit alten Rechtsstreitigkeiten herumschlagen.

ANG
Geldanlage
Geldanlage Neobroker - eine gute Sache für Privatanleger?

In den zurückliegenden Jahren hat sich das Angebot an Online-Brokern regelrecht vervielfacht. Doch worin genau liegen die Vorteile der...

ANG
Börse
Börse Finanzmärkte stabilisieren sich nach Not-Übernahme der Credit Suisse

Mit der Notübernahme der Credit Suisse durch die Schweizer Großbank UBS konnten die heftigen Bankenturbulenzen zunächst eingedämmt...

ANG
Börse
Börse Höhere Rendite: Lohnen sich Unternehmensanleihen?

Unternehmensanleihen bringen mehr Rendite als Staatsanleihen, sind aber auch ausfallgefährdeter. Lohnt sich der Kauf?