Vorsorge

Immobilie, Aktie oder doch Riester? Wie die Deutschen gerne die Rentenlücke schließen würden

Lesezeit: 4 min
18.10.2021 21:16
Garantierte Renten und Immobilien sind am beliebtesten, doch aktienbasierte Anlageformen gewinnen an Bedeutung. Die Mehrheit wünscht sich mehr staatliche Förderung auch für private Vorsorge mit Aktien.
Immobilie, Aktie oder doch Riester? Wie die Deutschen gerne die Rentenlücke schließen würden
Die beste Methode, um die Rentenlücke zu schließen, ist ein breit diversifiziertes Portfolio. (Foto: Pixabay)

Eine große Mehrheit der Menschen in Deutschland wünscht sich mehr staatliche Förderung für die private Altersvorsorge. Auffällig ist, dass 57,3 Prozent der Frauen (Männer: 37,7%) dies vor allem für sichere Anlagen wie die Riester-Rente möchten, während Männer mit 56,1 Prozent (Frauen: 35,0%) auf staatlich gefördertes Aktiensparen setzen würden. Das geht aus einer Zusatzbefragung hervor, die im Rahmen des aktuellen Altersvorsorge-Index des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA) erhoben wurde.

„Die Deutschen wissen, dass die Aussichten auf eine ausreichende gesetzliche Rente schlechter werden und wollen deshalb eigenverantwortlich vorsorgen“, kommentiert Michael Heuser, Professor an der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) und Wissenschaftlicher Direktor des DIVA, die Ergebnisse. „Sie erwarten im Gegenzug, dass der Staat Anreize setzt und sich mit Fördermitteln beteiligt. Denn Strafzinsen auf Bankguthaben, Bundesanleihen mit Negativzins und die anziehende Inflation hinterlassen Spuren und erschweren die Vorsorge für die nach wie vor sicherheitsorientierten Bürger. Staatliche Förderung könnte als Renditehebel für Garantieprodukte wirken oder einen Puffer für mit Aktien verbundene Risiken schaffen.“

Sicherheit an erster Stelle

Die Ergebnisse der Umfrage unterstreichen diese Einschätzung. Wenn es um den Neuabschluss eines privaten Altersvorsorgevertrages geht, steht Sicherheit an erster Stelle: Für fast alle Befragten (94,3%) ist eine Leistungsgarantie wichtig oder sehr wichtig. Hohe Zustimmungswerte erhalten aber auch die Merkmale „hohe Renditen“ (83,0%) und „staatliche Förderung“ (81,2%). Die Vereinbarkeit der Leistungsmerkmale sieht Heuser problematisch: „Maximale Sicherheit bei zugleich hoher Rendite geht nicht. Den Bürgern ist das klar, deshalb wird der Wunsch nach staatlicher Förderung lauter.“

Das Sicherheitsbedürfnis zeigt sich einmal mehr, wenn es um konkrete Formen der Altervorsorge geht. Private Rentenversicherungen mit Garantie und die eigene Immobilie führen mit jeweils 67,8 Prozent die Rangliste an. Dr. Helge Lach, Vorstand des Bundesverbands Deutscher Vermögensberater (BDV), sieht die neue Regierung mit Blick auf dieses Stimmungsbild in der Bevölkerung in der Pflicht: „Das Riester-Sparen deckt die Präferenzen der Bürger sehr gut ab. Die Rente ist garantiert und die kapitalmarktbedingt niedrigen Renditen werden durch die hohen Zulagen deutlich verbessert. Anstatt Riester weiter kaputtzureden, wäre eine Reform wünschenswert.“

Politik soll Anreize schaffen

Für Lach kommt zum Beispiel eine Absenkung der Beitragsgarantie auf 80 Prozent in Verbindung mit einer Anhebung der Zulagen in Frage. „Auch die Verbreitung der aktienbasierten Altersvorsorge könnte die Politik deutlich beschleunigen. Anstatt das Tempo durch eine Diskussion über eine Finanztransaktionssteuer oder über eine Abschaffung der Abgeltungssteuer zu drosseln, sollte endlich auch das langfristige Aktiensparen gefördert werden. Warum nicht ein Steuerfreibetrag auf Kursgewinne und einbehaltene Dividenden, der beispielsweise ab dem 60. Lebensjahr einmalig geltend gemacht werden kann? Das würde einen immensen Schub geben und verhindern, dass das Geld der Bürger auf Bankkonten durch Strafzinsen und Inflation jedes Jahr rund 4 Prozent an Wert verliert“, so Lach.

***

Altersvorsorge-neu-gedacht.de ist eine Publikation von Bonnier Business Press Deutschland und ist Ratgeber zu den Themen Vorsorge und Geldanlage.

ANG
Vorsorge
Vorsorge Altersvorsorge: Warum das Abdriften in die Planwirtschaft gefährlich ist

Steuern und Bürokratie wachsen in Deutschland immer weiter. Das werde den Lebensstandard der Rentner drücken und die Altersarmut...

ANG
Börse
Börse Studie: Nur wenige deutsche Aktien schaffen hohe Werte für Anleger

Viele deutsche Aktien brockten Investoren in den vergangenen 20 Jahren Verluste ein - darunter prominente Namen. Den Löwenanteil der...

ANG
Vorsorge
Vorsorge 1,1 Millionen Menschen bekommen Grundrente

Schon heute ist eine siebenstellige Zahl älterer Menschen auf die Grundrente angewiesen.

ANG
Geldanlage
Geldanlage Börsencrash: Wie Anleger reagieren sollten

Die einen spekulieren auf Kurseinbrüche, um günstig nachzukaufen. Die anderen betrachten Crashs als Gefahr. Wer hat Recht?

ANG
Börse
Börse Anwälte: Pleite-Kryptobörse FTX hat über 5 Milliarden Dollar gefunden

Der Kollaps der Börse FTX hat die Krypto-Welt erschüttert. Die Konkursverwalter versuchen seitdem fieberhaft, Gelder zu finden, um...

ANG
Vorsorge
Vorsorge Hausratversicherungen – absolut notwendig oder überflüssig?

Hausratversicherungen - braucht man das oder kann das weg? Ein kleiner Überblick.

ANG
Börse
Börse Studien - Privatanleger scheuen das Risiko und investieren in ETFs

An den Kapitalmärkten sind die Akteure wieder etwas vorsichtiger geworden, wie neueste Erkenntnisse jetzt zeigen.

ANG
Börse
Börse Gekaufte Ökonomen: Wenn die Wahrheit Nebensache wird

Inflation, Euro-Krise, Deindustrialisierung: Die deutschen Ökonomen üben trotz der massiven Probleme kaum harte Kritik. Woran liegt das?