Geldanlage

Kritik an MSCI-World-Index: Was bringen ETFs für Anleger?

Lesezeit: 3 min
16.11.2023 14:40  Aktualisiert: 16.11.2023 14:40
Wer langfristig sein Geld anlegen will, bekommt von Experten immer wieder den Index MSCI World empfohlen. Zuletzt gab es an seiner Zusammensetzung Kritik. Was bringen solche Indizes? Und sind sie für Privatanleger geeignet?
Kritik an MSCI-World-Index: Was bringen ETFs für Anleger?
ETFs sind nicht nur für Börseneinsteiger interessant. (Foto: iStock.com/peterschreiber.media)
Foto: peterschreiber.media

Im vergangenen Jahr gab es in Deutschland mit fast 13 Millionen Menschen so viele Aktiensparer wie nie. Sprunghaft stieg zuletzt dem Deutschen Aktieninstitut zufolge die Zahl jener Anleger, die dabei auf börsengehandelte Fonds, sogenannte ETFs, setzen. Diese bilden Aktienindizes wie den beliebten, international ausgerichteten MSCI World ab. Doch zuletzt ist der Index in die Kritik geraten.

Was ist ein ETF?

Ein ETF (exchange-traded fund) ist ein Indexfonds, der den Wert eines Index, also eines Börsenbarometers, eins zu eins abbildet. Dabei richtet sich der Anlagefokus etwa auf Aktien, Anleihen, Immobilien oder Rohstoffe. Spezialthemen wie Dividendenstrategien, Infrastruktur oder Nachhaltigkeit sind ebenfalls möglich. Zu den weltweit größten Indexanbietern zählen MSCI, FTSE, Stoxx und S&P. Wie bei allen Investmentfonds handelt es sich bei ETFs um Sondervermögen - das heißt, bei einer Insolvenz der Fondsgesellschaft ist das Geld der Anleger gesetzlich geschützt.

Wie unterscheiden sich ETFs von traditionellen Investmentfonds?

Die Grundidee von ETFs ist, den Gesamtmarkt abzubilden. Wer zum Beispiel nur die Wertentwicklung aller 40 im deutschen Leitindex Dax gelisteten Aktien widerspiegeln will, erwirbt einen Dax-ETF. Fachleute sprechen in diesem Fall von passivem Investieren. Traditionelle Investmentfonds hingegen legen aktiv an: Fondsmanager greifen bewusst ein und suchen aus. Dabei agieren sie zum Teil losgelöst von einzelnen Indizes.

ETFs werden börsentäglich gehandelt, wodurch sie liquider als klassische Fonds sind. Denn im Vergleich zu traditionellen Investmentfonds können ETFs nicht nur einmal täglich, sondern während der regulären Handelszeiten an der Börse zurückgegeben werden. Dadurch lassen sie sich leichter und zu einem günstigeren Preis zu Geld machen. Es gibt mittlerweile auch Mischformen zwischen diesen beiden Anlagephilosophien.

Eignen sich ETFs für Vermögensaufbau oder Altersvorsorge?

Grundsätzlich ja. Wegen der langfristig hohen Renditechancen bieten sich vor allem international breitgestreute, aktienbasierte Produkte als Ergänzung zu anderen Anlagen wie Anleihen, Immobilien oder Edelmetallen an. „Neben einem guten Tagesgeld und Festgeld sind Aktien-ETFs wichtiger Bestandteil der Empfehlungen für eine einfache, selbstgeschneiderte Geldanlage“, sagt Hendrik Buhrs, Experte für Bank und Börse beim Geldratgeber Finanztip. Wer noch gar keine Wertpapiere besitze, für den seien solche ETFs „ein guter Einstieg, die Aktien der größten Unternehmen der Welt zusammenfassen.“ So würden Verlustrisiken auf viele Schultern verteilt. Vor allem für den langfristigen Vermögensaufbau ist Buhrs zufolge ein Sparplan sinnvoll. Dafür werde lediglich ein Wertpapierdepot benötigt.

Wie hoch sind die Kosten?

Gegenüber aktiv gemanagten Fonds haben ETFs einen strukturellen Kostenvorteil, weil zum Beispiel weniger Aktien ge- oder verkauft werden. Zudem muss keine teure Recherche von Fondsmanagern bezahlt werden. Dadurch sind die Gesamtkosten in der Regel niedrig. Laut Verbraucherzentrale fallen normalerweise weniger als 0,5 Prozent im Jahr als Verwaltungsgebühr an. Aktiv gemanagte Aktienfonds verlangten im Schnitt gut 1,5 Prozent. Gleichwohl gibt es bei ETFs gewisse Kostenunterschiede je nach Fondsanbieter, Anlageschwerpunkt und Fondsgröße.

Warum gibt es Kritik?

Kritiker bemängeln die genaue Zusammensetzung der einzelnen Indizes. Der MSCI World etwa berücksichtigt nur Industrieländer und keine der zum Teil boomenden Schwellenländer. Zudem orientiert sich der MSCI World am Marktwert der Aktien. Dadurch dominieren in dem Index Aktien aus den USA und damit insbesondere die stark schwankungsanfälligen Technologiewerte. Die Wirtschaftskraft einzelner Länder hingegen fällt als möglicher Gewichtungsfaktor unter den Tisch. Anleger, die mit dem MSCI World als Index unzufrieden sind, können ETFs auf andere Börsenbarometer wählen oder auch sich ein individuelles Portfolio aus einzelnen Fonds zusammenstellen.

Wie hat sich der MSCI World zuletzt entwickelt?

Der MSCI World geriet im schwachen Börsenjahr 2022 mit einem Verlust von 19,5 Prozent stärker unter Druck als der Dax oder der US-Leitindex Dow Jones Industrial. Seit Jahresbeginn hat er sich aber besser geschlagen als die beiden Indizes.

Wie ist die langfristige Bilanz des MSCI World?

Für Anleger dürfte die längerfristige Sicht entscheidender sein als die kurzfristigen Schwankungen. „In den vergangenen 50 Jahren hat sich breitgestreutes, langfristiges und regelmäßiges Sparen in Aktien ausgezahlt“, schreibt das Deutsche Aktieninstitut. Wer etwa monatlich einen festen Betrag in Aktien des MSCI World gespart habe, profitiere von der Kursentwicklung und den Dividenden von Unternehmen aus über 20 Industrieländern. So konnte man beispielsweise bei einer Spardauer von 20 Jahren eine durchschnittliche Rendite von 8,6 Prozent im Jahr auf das angelegte Geld erwirtschaften. Im schlechtesten Fall lag demnach die jährliche Rendite bei 2,2 Prozent, im besten bei 15,4 Prozent.

***

Altersvorsorge-neu-gedacht.de ist eine Publikation von Bonnier Business Press Deutschland und ist Ratgeber zu den Themen Vorsorge und Geldanlage.

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.
ANG
Geldanlage
Geldanlage Goldskandal: Fälschungen und Unsicherheiten für Anleger
12.07.2024

Im aktuellen Goldskandal um die Swiss Gold Treuhand AG (SGT) stehen Anleger möglicherweise vor erheblichen Verlusten. Das Unternehmen hat...

ANG
Börse
Börse Bondmarkt-Analyse: Wie ein Trump-Sieg die Märkte beeinflusst
12.07.2024

Die bevorstehende US-Präsidentschaftswahl verspricht ein enges Rennen zwischen Amtsinhaber Joe Biden und seinem Herausforderer Donald...

ANG
Börse
Börse SEC räumt Weg auch für Ether-ETFs frei
03.06.2024

Die SEC hat den Weg für den Handel mit Ether-basierten ETFs freigemacht, was einen wichtigen Schritt für die Integration von...

ANG
Vorsorge
Vorsorge Altersvorsorge leicht gemacht: Die besten Optionen für Selbstständige
02.07.2024

Die finanzielle Absicherung im Ruhestand ist für Selbstständige von großer Bedeutung. Dieser Artikel bietet einen Überblick über...

ANG
Immobilien
Immobilien Wohnungskauf 2024: Regionen, in denen sich der Einstieg lohnt
08.07.2024

Durchschnittsverdiener kehren auf den Wohnungsmarkt zurück! Eine aktuelle Analyse offenbart, in welchen Regionen Deutschlands Haushalte...

ANG
Karriere
Karriere KI in Deutschland: Chance für Finanzinvestoren und Unternehmen
02.07.2024

Künstliche Intelligenz (KI) hat in den letzten Jahren enorm an Medienpräsenz gewonnen, doch die Lücke zwischen Theorie und Praxis bleibt...

ANG
Geldanlage
Geldanlage Finanzielle Planung für die Zukunft: Erbschafts- und Schenkungssteuer in Deutschland verständlich erklärt
02.07.2024

Erbschaften und Schenkungen in Deutschland bringen nicht nur emotionale, sondern auch steuerliche Herausforderungen mit sich. Dieser...

ANG
Vorsorge
Vorsorge Loch in der Familienkasse - Inflation frisst Plus beim Einkommen
02.07.2024

Die durchschnittlichen Einkommen sind in Deutschland zuletzt deutlich gestiegen. Die Preise allerdings noch schneller, wie aus Daten des...