Geldanlage

Serie „So werde ich zum Anleger“: Das Depot

Lesezeit: 4 min
21.10.2020 15:10  Aktualisiert: 21.10.2020 15:10
Viele Einsteiger verzweifeln, wenn sie in Fonds, ETFs oder Aktien investieren wollen. Wir erklären Ihnen Schritt für Schritt, auf welche Faktoren Sie achten müssen, um Ihr Geld in Wertpapiere anzulegen. Der erste Schritt: das passende Depot.
Serie „So werde ich zum Anleger“: Das Depot
Aller Anfang ist schwer, aber wem einmal das Licht aufgegangen ist, kann sich voll und ganz seinem Anlageziel widmen. (Foto: Pixabay)

Wer sich zum ersten Mal mit dem Thema Altersvorsorge beschäftig, gibt recht schnell entmutigt auf. So viele Fachbegriffe, Empfehlungen von diversen Anbietern und ein unüberschaubares Angebot an Geldanlage-Produkten, lassen Einsteiger in das Thema resignieren.

Die schlechte Nachricht vorweg, danach wird es aber besser, versprochen! Es gibt leider kein Patentrezept und keine einfach zugeschnittene Lösung für alle Interessieren. Denn Vorsorge ist immer etwas Individuelles, wo diverse Aspekte berücksichtigt werden müssen: Was ist das Anlageziel? Will ich im Alter eine Zusatzrente zu meiner gesetzlichen Rente erhalten und regelmäßige Auszahlungen? Spare ich auf ein großes Ziel und will meinen angesparten Betrag auf einmal erhalten? Wie viele Jahre bleiben mir noch zur Rente? Will ich einmalig einen größeren Betrag, etwa Dank eines Erbes, oder jeden Monat einen kleineren Betrag einzahlen?

Doch die schlechteste Erkenntnis daraus, ist, gar nicht zu handeln und den Kopf in den Sand zu stecken. Denn sobald der erste Schritt getan ist, geht der Rest viel leichter von der Hand. In dieser Serie wollen wir Schritt für Schritt erklären, wie man zum Anleger wird. Von den Grundlagen, die es zum Anlegen braucht, bis hin zu verschiedenen Anlagestrategien, den Vor- und Nachteilen von einzelnen Produkten und wie man sich in Krisen verhalten soll.

So finden Sie das passende Depot

Um überhaupt in Wertpapiere anlegen zu können, braucht man ein Depot, in dem die Wertpapiere aufbewahrt werden, also quasi ein Konto für Ihre Aktien, Fonds und ETFs. Das ist zwar schnell eröffnet, vorher jedoch hat man die Qual der Wahl und sollte genug Zeit in die Suche nach dem passenden Anbieter investieren. Denn je günstiger die Kosten, desto mehr Rendite bleibt für das Investitionsziel erhalten. Jeden Prozentpunkt, den sie hier liegenlassen, müssen Ihre Wertpapiere für Sie wieder „gutmachen“. Wenn man nicht aufpasst, können die Kosten schnell ein paar hundert Euro im Jahr ausmachen. Wer nach dem ersten Jahr erlebt, dass die ganzen Gewinne damit wieder abgeschmolzen werden, verliert die Lust und Freude am Investieren. Deshalb ist dieser Punkt einer der wichtigsten, die Sie auf Ihrem Weg zum Anleger beachten sollten.

Prinzipiell gibt es drei Möglichkeiten, über die ein Depot eröffnet werden kann: bei der Hausbank, einer Direktbank oder einem Online-Broker. Wenn es Ihnen wichtig ist, alles in einer Hand zu belassen – also Girokonto, Kreditkarten und Depot, können Sie Ihren Berater bei der Hausbank nach dem günstigsten Modell fragen, zum Beispiel ein Depot über das Online-Banking.

Falls Sie sowieso schon Kunde bei einer Direktbank sind, also einer Bank, die keine Filialen mehr hat und die Kundenbetreuung online oder telefonisch abwickelt, ist das zusätzliche Depot schnell freigeschaltet und in der Regel etwas günstiger als bei den Hausbanken.

Am günstigsten fahren Sie jedoch bei sogenannten Online-Brokern, die sich rein auf die Abwicklung von Wertpapiergeschäften im Internet spezialisiert haben und in den vergangenen Jahren immer populärer wurden. Das Depot beim Online-Broker kann dann mit dem bestehenden Girokonto als Verrechnungs- und Referenzkonto verknüpft werden, um Ein- und Auszahlungen schnell und einfach vorzunehmen.

Auf die Kostenfaktoren achten

Im Wesentlichen gibt es zwei Kostenfaktoren bei der Investition in Aktien, Fonds oder ETFs: Die jährliche Depotgebühr und die Transaktionskosten, die bei jeder Order, also jedem Kauf und Verkauf von Wertpapieren, fällig werden. In vielen Fällen verzichten die Anbieter auf die jährliche Depotgebühr, meistens, wenn ein gewisser Wertbestand überschritten wird. Die Transaktionskosten können hingegen ordentlich ins Gewicht fallen. Überlegen Sie sich also, wie Ihr Anlageverhalten aussieht: wie viele Transaktionen planen Sie pro Jahr und wie hoch ist das durchschnittliche Ordervolumen.

Doch nicht nur die reinen Kosten sind spannend, sondern auch das Angebot, wie viele Fonds und ETFs die Online-Broker oder Banken anbieten. Wichtig: wer monatlich eine gewisse Summe in aktive Fonds ansparen will, sollte sich unbedingt das „Sparplan“-Angebot der jeweiligen Anbieter durchsehen. Das ist die kostengünstigste Alternative, um sich sogenannte Ausgabeaufschläge zu sparen, die beim Kauf von aktiven Fonds fällig werden (mehr dazu in einem späteren Teil der Serie, der über die Anlagemöglichkeiten informieren wird).

Wenn Sie sich eine Vorstellung über Ihr Anlageverhalten verschafft haben, nutzen Sie einen der zahlreichen Depot-Vergleichsrechner im Internet, der Ihnen mehrere für Ihre Anlagewünsche passende Depots vorschlagen wird. Wenn Sie Gebühren und Depotvolumen gegenüberstellen und die Kosten bei unter einem Prozent liegen, haben Sie eine gute Grundlage fürs Investieren geschaffen.

Das Depot ist schnell eröffnet

Ist die Entscheidung getroffen, ist das Depot schnell eröffnet. In der Regel geht das online in wenigen Minuten. Gefragt werden natürlich persönliche Daten, aber auch Fragen zu Ihrer Anlageerfahrung. So soll verhindert werden, dass Anfänger gleich mit hoch spekulativen Papieren in Berührung kommen. Ist das erledigt, fehlt noch der letzte Schritt: Die Identifizierung, die bestätigt, dass Sie Sie sind. Das geht entweder über die Post, wo Sie einmalig Ihren Personalausweis zeigen müssen. Die Post bestätigt dem Anbieter die Angaben. Oder Sie identifizieren sich online, indem Sie einem Mitarbeiter den Personalausweis über Kamera zeigen, gleichzeitig wird ein Foto von Ihnen gemacht. Die Kosten für die Identifizierung übernehmen in der Regel die Anbieter.

Sind alle diese Unterlagen bei der Bank oder dem Broker eingetroffen, dauert die Depotbearbeitung meist wenige Tage. Im Anschluss bekommen Sie die Zugänge und Daten für Ihr Depot mit der Post in verschiedenen Briefen, damit sichergestellt wird, dass nur Sie Zugang zu Ihrem Depot erhalten.

Der erste große Schritt ist geschafft, mit Ihrem Depot steht Ihnen die Welt der Geldanlage offen. Oft ist das Angebot jedoch überwältigend. In den nächsten Folgen der Serie befassen wir uns mit den Vor- und Nachteilen der einzelnen Produkte und wie Sie Ihrem Anlageziel näherkommen.

Dies ist der erste Teil unserer Serie „So werde ich zum Anleger“.

Teil 2: Serie „So werde ich zum Anleger“: Das Portfolio

Teil 3: Serie „So werde ich zum Anleger“: Steuern auf Kapitalanlagen

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