Immobilien

Explosion der Immobilien-Preise: Mieten ist immer öfter lohnender als Kaufen

Lesezeit: 5 min
09.04.2021 17:23  Aktualisiert: 09.04.2021 17:23
In 51 von 75 Städten ist die finanzielle Belastung durch Mieten geringer als jene durch Kaufpreise. Die Unterschiede sind vor allem in den Großstädten massiv. Trotzdem kann sich der Kauf unter gewissen Umständen lohnen.
Explosion der Immobilien-Preise: Mieten ist immer öfter lohnender als Kaufen
Die Suche nach der richtigen Immobilie kann zermürben. (Foto: Pixabay)

Angesichts steigender Immobilienpreise stehen viele Deutsche vor der Frage: Lohnt sich der Immobilienkauf noch oder ist Mieten aktuell sinnvoller? Eine „immowelt“-Analyse zeigt, wie groß die Unterschiede bei der monatlichen Belastung bei der Miete und der Tilgungsrate beim Immobilienkauf in 75 deutschen Großstädten sind.

Demnach ist in 51 Städten die finanzielle Belastung beim Wohnen zur Miete niedriger als beim Immobilienkauf. In 35 Städten liegen sogar mehr als 100 Euro dazwischen. Dennoch kann der Wechsel in die eigenen vier Wände vor allem mit Blick auf die Altersvorsorge und Mietfreiheit sinnvoll sein.

Für die Analyse wurden die monatlichen Raten auf Grundlage der Angebotspreise (Miete und Kauf) für eine familientaugliche Wohnung zwischen 80 und 120 Quadratmetern berechnet. Zudem wurde bei der Tilgungsrate eine 100-Prozent-Finanzierung mit einer Laufzeit von 15 Jahren mit einem Zinssatz von 1,6 Prozent und einer anfänglichen Tilgungsrate von 2,0 Prozent angenommen.

Mieten bis zu 660 Euro günstiger

Besonders in den beliebten Großstädten haben sich die Kaufpreise so weit von den Mieten entfernt, dass für viele Familien der Immobilienkauf nicht mehr realisierbar ist – trotz niedriger Zinsen bei kurzer Darlehensdauer. In München ist die Differenz bei der monatlichen Belastung am größten. Die Tilgungsrate ist 660 Euro höher als die Miete. Eine Wohnung kostet im Median 1.740 Euro Miete, die Annuität liegt indes bei 2.400 Euro. Bei mittleren Kaufpreisen von 800.000 Euro plus Kaufnebenkosten kann der Immobilienerwerb somit nur noch im Einzelfall unter finanziellen Aspekten sinnvoll sein. Hinzu kommt, dass nach den 15 Jahren Darlehenslaufzeit eine große Restschuld wartet – im Fall von München rund 530.000 Euro. Ob die Konditionen für Darlehen bis dahin noch so gut wie aktuell sind, ist nicht sicher.

Doch nicht nur in München haben die steigenden Kaufpreise zu großen Unterschieden geführt: In Hamburg leben Mieter 440 Euro günstiger, in Frankfurt 420 Euro. Auch in kleineren Städten müssen Käufer mit einer hohen Monatsrate rechnen: In Potsdam zahlen sie 520 Euro mehr, in Ingolstadt und Lübeck sind es über 300 Euro oben drauf.

Vorteile des Immobilienkaufs rechtfertigen teils höhere Belastung

Obwohl die Belastung beim Immobilienkauf höher ist als die Miete, kann sich der Weg ins Eigenheim dennoch lohnen. Denn besonders das Thema Altersvorsorge spielt eine gewichtige Rolle bei der Entscheidung der Wohnform. Während Mieter ihr ganzes Leben lang hohe Ausgaben fürs Wohnen kalkulieren müssen, haben viele Eigentümer den Kredit bis zum Rentenalter abbezahlt, sodass sie im Alter geringere Ausgaben haben. Ein weiteres Plus für den Wohnungskauf ist der gestalterische Spielraum. Käufer können ohne Zustimmung das Aussehen der Wohnung verändern und investieren zudem in die eigenen vier Wände. Selbst wenn in einigen Jahren ein Wohnortwechsel ansteht, kann die Immobilie entweder vermietet oder wahrscheinlich sogar mit Wertzuwachs verkauft werden.

Welche Mehrkosten ein Käufer für diese Vorzüge in Kauf nimmt, ist eine rein individuelle Entscheidung. Es gibt aber viele Städte, in denen die sich die Mehrbelastung im Rahmen hält. In Köln zahlen Mieter gerade einmal 10 Euro weniger als Eigentümer. Selbst in der Hauptstadt ist der Unterschied gering: In Berlin zahlen Käufer für die Darlehensrückzahlung 100 Euro mehr als Mieter. Auch in anderen Großstädten wie Essen (40 Euro), Dortmund (50 Euro), Bremen, Hannover (je 90 Euro) sind die Unterschiede noch relativ gering. Selbst in Düsseldorf oder Nürnberg (je 180 Euro) kann der Wechsel ins Wohneigentum aus finanzieller Sicht noch sinnvoll sein.

Von Oberhausen bis Chemnitz: Hier wohnen Käufer günstiger

In 24 der 75 untersuchten Städte ist Kaufen sogar günstiger als Mieten. Viele der Städte liegen im Ruhrgebiet, da dort die Kaufpreise noch vergleichsweise niedrig sind. In Oberhausen kostet eine Wohnung mit 80 bis 120 Quadratmetern im Median nur 137.000 Euro. Bei der Finanzierung über 15 Jahre würde das eine monatliche Rate von 410 Euro ergeben. Demgegenüber stehen mittlere Mieten von 580 Euro, also 170 Euro mehr als die Tilgung. Das unweit entfernte Bochum (170 Euro) sowie Gelsenkirchen (120 Euro) und Krefeld (100 Euro) haben ähnliche Kaufvoraussetzungen. Doch nicht nur in NRW gibt es Städte, in denen die Annuität die Miete schlägt. Kaiserslautern, Hildesheim (je 140 Euro), Saarbrücken (110 Euro), Chemnitz (100 Euro) und Mainz (80 Euro) sind einige Beispiel dafür.

Lesen Sie hier mehr zum Thema:

Es ist noch nicht zu spät: Warum Immobilien auf dem Land eine Chance sind

So erfüllt sich Ihr Traum vom Eigenheim

Das sind die 7 größten Fehler beim Hauskauf

Kein Platz für Familien: So wenig Fläche gibt es noch für 1.000 Euro Miete

So finanzieren Sie sich Ihre eigenen vier Wände

AS
Geldanlage
Geldanlage Silber: Populistisches Metall für eine populistische Ära

Nach den starken Bewegungen im vergangenen Jahr hat sich der Goldpreis in diesem Jahr bislang eher verhalten entwickelt, während Silber...

AS
Vorsorge
Vorsorge Immer mehr Deutsche verbringen ihren Ruhestand im Ausland

Die Rente kann auch problemlos aus dem Ausland bezogen werden. Die Rentenversicherung rät dazu, sich vorher über die Bedingungen schlau...

AS
Börse
Börse Die USA ändern ihren Kurs: Ein großes Experiment

Unsicherheit gehört zum Leben dazu, aber jetzt scheint sie größer denn je. US-Investoren sind nicht nur mit den Folgen der ersten...

AS
Vorsorge
Vorsorge Experten warnen: Eine Erhöhung des Rentenalters ist unvermeidbar

Gehen wir künftig mit dem Rollator ins Büro? Das ifo-Institut warnt vor Überlastung des Bundeshaushalts durch steigende Renten. Mit...

AS
Vorsorge
Vorsorge Cannabis auf Rezept: Gegen diese Krankheiten wirkt die Heilpflanze

Cannabis ist vielen nur als Droge bekannt. Dabei nutzen Menschen das Kraut seit Jahrtausenden auch als Heilpflanze. Seit 2017 können...

AS
Börse
Börse Jerome Powells Drahtseilakt: Zeit für ein Ende der Finanzspritzen?

Erst flutete die Fed die Märkte mit billigem Geld. Jetzt hat sich die Lage deutlich verändert. Die Fed manövriert sich durch die...

AS
Geldanlage
Geldanlage China bringt Kryptomarkt unter Druck

Die Kryptowährungen verlieren weiter an Wert. Ein Grund kann Chinas harter Kurs gegenüber Bitcoin und Co. sein. Die düster werdende...

AS
Börse
Börse Inflation: „vorübergehendes“ Dilemma – oder?

Die Erholung in den USA ist robust. Daher ist es gefährlich, die Inflation zu ignorieren. Die Auffassung der Fed von „vorübergehend“...

AS
Geldanlage
Geldanlage Der Weltraum wird privat und eröffnet Anlegern neue Chancen

Privatunternehmen drängen in den Kosmos. Prominente Vorreiter wie SpaceX und Blue Origin bringen Satelliten ins All, versorgen die...

AS
Immobilien
Immobilien Wer soll zahlen? Heizkosten-Streit geht in die nächste Runde

Die Bundesregierung streitet weiter über die Heizkosten-Regelung. Wenn die Union den bereits vereinbarten Kompromiss aufkündigt, kann es...

AS
Börse
Börse Die Inflation steigt, der Markt applaudiert

Sind die Märkte immun gegen jede neue Inflationsmeldung? Es scheint fast so.

AS
Börse
Börse Was Anleihen antreibt: Bulle versus Bär

Das Jahr 2021 ist bisher durchaus volatil für die Wertentwicklungen von Vermögensanlagen, bedingt durch ein inflationäres Marktumfeld....