Geldanlage

Ist das noch Kunst und soll ich das kaufen?

Lesezeit: 8 min
03.01.2022 15:36
Die Mittelschicht löst sich hierzulande auf; dennoch kann man einiges mit seinem Geld unternehmen, um es gewinnbringend anzulegen – beispielsweise auf dem Kunstmarkt.
Ist das noch Kunst und soll ich das kaufen?
Ein Investment in Kunst kann interessant sein, erfordert aber viel persönlichen Einsatz, um sich eine Expertise aufzubauen. (Foto: iStock.com/Georgii Boronin)
Foto: Georgii Boronin

Es muss nicht immer nur der Kapitalmarkt sein. Seien wir mal ehrlich, was ist denn attraktiv daran, ein Stück (virtuelles) Papier zu besitzen, auf welchem steht, dass man Gold besitzt? Wäre es nicht viel angenehmer, tatsächlich Gold zu besitzen, dieses auch noch tragen zu können und nicht den Ausgabeaufschlag des Emittenten, sowie die Lagerkosten mittragen zu müssen? Dabei stellen Gold und Edelmetalle nur einige von vielen Möglichkeiten dar, wie man sein Geld gewinnbringend in Kunst anlegen kann.

Sicherlich denkt man vielleicht bei Gold, Silber und Platin als Laie nicht direkt an Kunst. Aber wenn Sie sich mal genauer mit Schmuck beschäftigen, insbesondere dem, der nicht nur maschinell gefertigt ist, umso mehr werden Sie sehen, dass auch hier teilweise enorme handwerkliche Kenntnisse gefragt sind. So gibt es wunderschöne Objekte, welche aus besagten Edelmetallen gefertigt werden. Das kann eine „Art déco“-Brosche aus Platin sein, ein silberner Taufbecher oder goldene Ohrringe mit schönen Diamanten. Das Angebot ist immens.

Wertanlage zum Anfassen

Neben Edelmetallen existieren noch unzählige weitere Objekte, welche sich zur Verschönerung der Wohnung, sowie von Fingern und Armen eignen. Das können beispielsweise Uhren sein. Omega und Rolex sind ihnen wahrscheinlich Begriffe. Aber gilt das ebenso für Junghans, IWC, Lange&Söhne, Blancpain und JaegerLeCoultre? Auch diese sehr bekannten Uhrenmarken können ein attraktives Investment darstellen. Darüber hinaus dürfen Sie ihrer Umwelt dadurch auch zeigen, dass Sie einen guten Geschmack haben.

Natürlich gehören auch Gemälde zum Thema Kunst. Hier gibt es eine riesige Bandbreite; sowohl in Sachen Qualität als auch bezüglich der Preise. Klar unterscheidet sich das Kaufhauskunstgemälde aus den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts deutlich von dem niederländischen Altmeistergemälde aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. In der Qualität, aber selbstredend auch im Preis. Dennoch sind gerade Gemälde ein gutes Beispiel dafür, dass man auch bei Kunst etwas Zeit und Ahnung braucht.

Ist das Kunst oder kann das weg?

Sicherlich ist man kein Kunstexperte, nur weil man gelegentlich die „Bares für Rares“-Wiederholungen auf ZDFneo schaut. Hier, wie bei allen Investments, ist es wichtig, sich beständig weiterzubilden. Sei es durch den Dialog mit anderen Sammlern, den Museumsbesuch, das Wälzen von Fachliteratur oder auch vom Konsum weiterer hochwertiger Sendungen, wie beispielsweise Kunst & Krempel. Besagte Sendung beschäftigt sich zumeist mit wertvolleren Exponaten; welche sich manchmal im fünfstelligen Bereich bewegen und gelegentlich auch darüber hinaus.

Obgleich das Selbststudium der Kunst sicherlich einige Zeit in Anspruch nimmt, so stellt es eine sehr abwechslungsreiche und zugleich renditenstarke Investmentmöglichkeit dar. Im Gegensatz zu Büffets bei Hauptversammlungen trifft man hier zumeist nicht nur Menschen, welche Angst haben, umgehend benachteiligt zu werden. Die Kunst zieht Charaktere aus den unterschiedlichsten Bereichen des Lebens an; dadurch finden auch immer wieder interessante Begegnungen statt. Darüber hinaus offerieren Museumsmitgliedschaften neben dem Erweitern des eigenen Wissens eine gute Möglichkeit der Netzwerkbereicherung.

Wo kann man eigentlich Kunst wie Gemälde und Schmuck kaufen? Da gibt es verschiedene Anlaufstellen. Beispielsweise auf Floh- und Antikmärkten. Unter Garantie sind sie hier nicht die einzige Person, welche versuchen wird, etwas zu einem guten Preis zu ergattern. Deswegen spielt auch hier Fachwissen eine große Rolle. Fangen Sie deswegen mit kleineren und preiswerteren Objekten an. Wenn Sie Glas nicht von einem Zirkon oder Brillanten unterscheiden können, dann sollten Sie nicht direkt einen Ring mit einem vermeintlichen 1-Karäter erwerben. Diamanten unterschieden sich übrigens außer in ihrer Größe auch in ihrer Qualität, dem Schliff und der Klarheit. Diese Aspekte sind im englischen Sprachraum auch als 4C bekannt: Cut, Clarity, Color und Carat. Auch wenn es sicherlich einige ehrliche Menschen auf Floh- und Antikmärkten gibt, so sollten Sie nicht alles glauben, was ihnen ein Verkäufer erzählt. Schließlich will dieser nur ihr bestes: ihr Geld!

„Alternative“ Handelsplätze

Obgleich man auf Floh- und Antikmärkten gute Käufe machen kann, so gibt es noch einige weitere „Kunsterwerbsquellen“. Dazu zählt beispielsweise die Haushaltsauflösung. Sei es, weil jemand umzieht oder verstorben ist. Oft muss ein Haus, bzw. eine Wohnung in einem knappen Zeitrahmen geräumt werden. Deswegen möchten Erben oft zeitnah Dinge aus dem Haushalt verkaufen. Hierbei lassen sich einige schöne Objekte erwerben. Dennoch sollten sie Freundlichkeit mitbringen und gerade trauernde Menschen nicht über den Tisch ziehen. Klar, etwas Gier ist in jedem Menschen gegeben. Aber zu viel Gier schadet nicht nur in der Bibel.

Natürlich dürfen Auktionshäuser an dieser Stelle nicht fehlen. Viele Menschen denken bei diesem Wort schnell an Namen wie Sotheby’s und Christie’s. Das sind sicherlich auch Auktionshäuser. Diese stellen aber die absolute Spitze des Auktionsmarktes dar. Es gibt eine Unmenge an Auktionshäusern, die nur einem überschaubaren Kreis an Menschen bekannt sind. Aber trotzdem sehr schöne Objekte versteigern. Das können hochwertige Gemälde sein, eine Historismusbrosche oder auch Geschirr bekannter Porzellanmanufakturen. Bei diesen Auktionshäusern kann man auf verschiedene Arten mitbieten. Wenn keine Pandemie herrscht zumeist direkt im Saal. D.h. man erhält eine Bieternummer und kann dann bei den gewünschten Objekten und dem jeweiligen Preis einfach seine Bieternummer in die Luft halten. Wenn man der Meistbietende ist, so erhält man den Zuschlag. Auf diesen zahlt man nochmal ein sogenanntes Aufgeld. Dieses liegt, je nach Auktionshaus, zumeist irgendwo zwischen 19% und 29% des Preises. Das klingt nach gar nicht so wenig. Allerdings kann man manche Objekte sehr preiswert erhalten, sodass selbst dieses Aufgeld nicht sonderlich ins Gewicht fällt.

Natürlich muss man nicht immer im Saal bieten. Ebenso besteht die Möglichkeit, sogenannte Vorgebote abzugeben. Dazu teilt man dem Auktionshaus schriftlich mit, welchen Betrag man maximal für ein Objekt (eine Losnummer) ausgeben möchte. Darüber hinaus kann man zumeist auch online live mitbieten. Und wenn Sie gerade kein Internet haben, so können Sie auch Telefongebote abgeben. Informieren Sie dazu einfach das jeweilige Auktionshaus, dass Sie bitte für das gewünschte Objekt angerufen werden wollen und teilen Sie ihre Telefonnummer mit. Sie werden dann rechtzeitig angerufen und können ihr(e) Gebot(e) am Telefon abgeben. Dies macht insbesondere Sinn, wenn Sie ein Objekt unbedingt erwerben wollen. Manchmal wird man nur um ein paar Euro überboten, weil das eigene Vorgebot etwas knapp bemessen war. Beim Telefongebot können Sie ihr Gebot individuell anpassen und direkt bei Ausruf des Objektes entscheiden, bis zu welchem Betrag Sie mitbieten.

Wann lohnt sich ein Investment?

Woher sollen Sie nun wissen, bei welchen Kunstgegenstände ein Investment Sinn ergibt? Suchen Sie sich etwas aus, dass Sie interessiert! Es gibt einige Möglichkeiten. Selbst Briefmarken können noch lukrativ sein; die seltenen zumindest. Auch wenn viele Sparten in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten preislich nachgelassen haben, so erzielen gute Objekte in jeder Sparte nach wie vor sehr gute Ergebnisse und es kommt immer noch zu Rekordergebnissen. Das mag teilweise auch inflationsbedingt sein. Dennoch ist auch die Wertschätzung für gut verarbeitete Objekte durchaus gegeben. Es mach langfristig also Sinn, sich auf bessere Objekte zu fokussieren. Zu Beginn ist es vielleicht besser, wenn Sie mit preiswerteren Objekten anfangen. So können Sie ein Auge dafür entwickeln, wie etwas verarbeitet ist und wie sie es preislich einordnen. Mit der Zeit können Sie sich dann im Preis und der Qualität steigern.

Wie findet man eigentlich den Wert eines Objektes heraus? Wie bei jedem anderen Markt bestimmen auch hier das alte Paar Angebot und Nachfrage den Marktpreis. Das interessante ist bei Kunst, dass Preise nicht festgelegt sind wie in einem Laden oder an der Börse. Man muss erkennen was man vor sich hat. Nicht jedes Stück Silber ist punziert und selbst der Salvator Mundi, ein Gemälde, welches 2017 bei Christie’s für 400 Millionen Dollar plus Aufgeld zugeschlagen wurde, ist Leonardo Da Vinci „nur“ zugeschrieben (d.h. man geht davon aus, dass es Da Vinci gemalt hat). Will heißen, selbst hochwertige Objekte haben nicht immer eine Unterschrift per se. Viel mehr kann man an der Verarbeitung, den dafür benutzten Materialien, wie auch an dem Stil festmachen, welcher Künstler hinter einem Objekt stehen könnte.

Wir sprachen eben von Zuschreibung. Was bedeutet das Wort eigentlich im Detail? Dass es auf einem Objekt keine Unterschrift gibt, aber man aufgrund der eben genannten Kriterien (und weiteren) davon ausgeht, dass ein bestimmter Künstler oder sein Umkreis/seine Werkstatt dieses Objekt geschaffen haben. Dabei ist eine Zuschreibung (welche auch Attributierung genannt wird) ein dehnbarer Begriff. Das kann heißen, dass ein Auktionator eines kleineren Auktionshaus diese mal eben nach Bauchgefühl gemacht hat. Oder aber auch, dass Akademiker und Experten sich eingehend mit dem Gemälde, Stil, den Materialien und der Provenienz befasst haben. Hier macht es in jedem Fall Sinn, nachzufragen, nach welchen Kriterien eine Attributierung/Zuschreibung erfolgte.

Wie wichtig ist die Unterschrift?

Werkstatt oder Umkreis sollte an dieser Stelle auch noch definiert wurden. Auch in anderen Jahrhunderten konnten Menschen durchaus schon kaufmännisch denken. Wenn sie dann mal eine gewisse Bekanntheit erlangten, welche zumeist mit einer hohen Nachfrage einherging, so beschäftigten Sie andere begnadete Maler. So war es nicht ungewöhnlich, dass Künstler ihre Unterschrift auch auf Werke setzten, die „nur“ aus ihrer Werkstatt kamen. Das heißt übrigens nicht, dass sie qualitativ schlechter sind. Das gute Qualität und ein einprägsamer Name hilfreich sind, haben nicht nur Maler erkannt. Auch Emil Gallé, einer der bekanntesten Glaskünstler, hat einige sehr schöne Vasen gefertigt. Aber bei weitem nicht jede der Vasen, welche seinen Namen tragen wurde von ihm gefertigt. Auch hier macht das die Vasen qualitativ nicht schlechter.

Eben fiel bereits das Wort Provenienz. Was versteht man nun darunter? Einfach gesagt, welche Vorbesitzer ein Objekt bisher hatte. Dass ist aus mehreren Gründen interessant. Zum einen kann es helfen, ein Objekt zu verkaufen, wenn dieses einen bekannten Vorbesitzer hatte. Das kann ein Star sein (auch Nachlässe bekannter Menschen finden ihren Weg in Auktionshäuser) oder eine Adelsfamilie. Manchmal ist eine Provenienz allerdings auch schlecht. Beispielsweise wenn es um Raubkunst geht. Gerade in Kriegen wechselt Kunst oft unrechtmäßig ihre Besitzer. Oder Besatzer plündern die Kunstbestände des Landes, in welchem Sie einmarschiert sind. Dass sie auf Raubkunst stoßen ist zwar nicht sehr wahrscheinlich. Der Vollständigkeit halber sollte es dennoch einmal Erwähnung finden.

Es gibt im Bereich Kunst und Antiquitäten eine Unmenge an faszinierenden Objekten. Das Ganze ist definitiv ein sehr gutes Kopftraining und eine attraktive Anlagemöglichkeit. Schauen Sie sich doch einmal ein paar Auktionskataloge an und lassen Sie sich faszinieren von den fabelhaften Objekten, welche einen neuen Besitzer suchen.

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Der Autor schreibt unter einem Pseudonym für Altersvorsorge Neu Gedacht. Sein echter Name ist der Redaktion bekannt. 

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