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So vermeiden Sie Klumpenrisiken bei ETFs

Lesezeit: 6 min
03.01.2022 16:29
Das Hauptargument für ETFs gegenüber reinen Aktieninvestments ist, dass die Indexfonds das Risiko breiter streuen. Doch auch ETFs weisen Klumpenrisiken auf.
So vermeiden Sie Klumpenrisiken bei ETFs
Mit einigen Kniffen vermeiden Anleger Klumpenrisiken im ETF. (Foto: iStock.com/BrianAJackson)
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Wer als Privatanleger vom anhaltenden Aktienboom profitieren möchte und gleichzeitig sein Risiko breit streuen will, der greift gern auf einen Exchange Traded Funds (ETF) zurück. Diese börsennotierten Fonds bilden einen Index detailgetreu nach, indem sie alle Aktientitel dieses Index in ihr Portfolio aufnehmen. ETFs haben für Anleger vor allem zwei Vorteile. Sie sind kostengünstig, weil im Gegensatz zu aktiv gemanagten Fonds kaum Gebühren anfallen, und sie sind risikoarm, weil sie breit gestreut in viele verschiedene Aktien investieren.

Wer also beispielsweise vom globalen Wirtschaftswachstum bei gleichzeitiger Risikostreuung profitieren möchte, der nutzt dafür den MSCI World. In diesem Index sind immerhin 1.593 Unternehmen aus 23 verschiedenen Ländern enthalten. Der Index soll damit die Weltwirtschaft abbilden und es Anlegern ermöglichen, daran auch finanziell teilzuhaben. Das Risiko im MSCI World sollte auch breit gestreut sein, denn je mehr Titel ein ETF aufweist, desto geringer ist das damit verbundene Risiko – so zumindest in der Theorie.

Zu viel US-Unternehmen und Tech-Aktien im MSCI World

Doch diese Annahme ist trügerisch. Denn die Unternehmen des MSCI World sind nicht alle im gleichen Anteil im Index vertreten, sondern werden nach ihrer Marktkapitalisierung gewichtet. Dadurch beeinflussen zehn besonders wertvolle Unternehmen maßgeblich die Entwicklung des Index. Diese Unternehmen heißen Apple, Microsoft, Amazon, Tesla, Alphabet, Meta Platforms (ehemals Facebook), Nvidia, JP Morgan, Johnson & Johnson und Home Depot. Zusammen genommen machen diese Aktien etwa 20 Prozent des Index aus.

Ein erstes Klumpenrisiko ergibt sich aus dem Branchenfokus des MSCI World. Dieser ist nämlich mitnichten über die ganze Bandbreite der Wirtschaft gestreut. Vielmehr sind unter den maßgeblichen Indextreibern auffällig viele amerikanische Tech- und Internetunternehmen wie Amazon, Microsoft, die Google-Holding Alphabet, die Facebook-Holding Meta Platforms und der Grafikkartenhersteller Nvidia, um nur einige zu nennen.

Der IT-Sektor dominiert den MSCI World mit einem Anteil von knapp 24 Prozent. Dabei sind Unternehmen wie Amazon und Tesla (Konsum) bzw. Alphabet und Meta Platforms (Kommunikation) noch nicht mal inbegriffen. Hier fallen nur solche Unternehmen rein, deren Hauptgeschäftsfeld im Bereich Software oder Hardware liegt. Sollte dieser Sektor also eine Phase schwacher Performance erwischen, wird dies den gesamten „Weltaktienindex“ in Mitleidenschaft ziehen.

Experten sehen Klumpenrisiken in MSCI World ETFs kritisch

Ein weiteres Klumpenrisiko des MSCI World entsteht durch den starken Einfluss von US-Unternehmen. Insgesamt stammen rund 69 Prozent der Unternehmen aus dem „Weltaktienindex“ aus den USA (Stand: 1. Dezember 2021). Das bedeutet also, dass Anleger, die Anteile eines MSCI World ETF für 100 Euro kaufen, 69 Euro in US-Aktien investieren. Deutschland kommt im MSCI World nur auf einen Anteil von 2,4 Prozent und liegt damit sogar unter dem Anteil, der allein auf den US-Techkonzern Apple (4,3 Prozent) entfällt. Überhaupt sind „Weltaktienindex“ nur Aktien aus 23 Industrieländern enthalten. Titel aus den zunehmend an Bedeutung gewinnenden Schwellenländern kommen darin gar nicht vor.

Eine Reihe von Finanzexperten sieht diese Konzentration in MSCI World ETFs kritisch. Darunter fällt auch Peter Thilo Hasler, Gründer und Analyst von Sphene Capital. „Schon der Begriff ist irreführend. Schließlich kann von einem ,Weltindex‘ kaum die Rede sein, wenn nur Aktien aus 23 entwickelten Ländern enthalten, sind“, zitiert Ariva den Analysten. Er sehe es auch kritisch, dass „der Index nur aus den Large- und Mid-Caps-Werten dieser Staaten zusammensetzt, die meist interessanteren Small-Caps aber außen vor bleiben“. Deshalb könne „von einem, diese Länder repräsentierenden Index nicht gesprochen werden“.

In dieselbe Richtung argumentiert auch Dyrk Vieten, Geschäftsführer der ficon Vermögensmanagement GmbH aus Düsseldorf. „Für ETF-Investoren ist das Risiko dieser Konzentration recht hoch. Sie allokieren zwangsläufig Gelder mehrheitlich in diese Titel, auch wenn Technologiewerte im Allgemeinen als Growth-Aktien und diese Unternehmen im Speziellen vielleicht gar nicht ihren Wünschen beziehungsweise ihre Strategie entsprechen“, so Vieten im im Interview mit v-check. Das daraus entstehende Klumpenrisiko könne sich besonders dann noch verschärfen, wenn Anleger bereits über andere Fonds in Technologiewerte investiert seien und damit eine Übergewichtung dieses Sektors stattfinde.

So vermeiden Anleger Klumpenrisiken in ETFs

Dabei ist das Klumpenrisiko bei ETFs nicht nur auf Indexfonds begrenzt, die den MSCI World abbilden. In vielen ETFs sind die großen Technologiekonzerne tonangebend für die Performance des gesamten ETFs. So machen Anteile des Tech-Konzerns Microsoft im SPDR S&P U.S. Technology Select Sector UCITS ETF (WKN: A14QB5) mehr als 21 Prozent aus. Aktien des iPhone-Herstellers Apple machen 21 Prozent des Xtrackers MSCI USA Information Technology UCITS ETF (WKN: A1W9KD) aus. Facebook-Aktien sind mit rund 20 Prozent der Haupttreiber des SPDR S&P U.S. Communication Services Select Sector UCITS ETF (WKN: A2JPTK). Und Amazon dominiert den Xtrackers MSCI USA Consumer Discretionary UCITS ETF (WKN: A1W9KB) mit einem Anteil von 35 Prozent.

Zwar sind all diese Aktien gleichzeitig auch starke Wachstumstreiber, doch Anleger sollten sich über das damit verbundene Klumpenrisiko bewusst sein. Wem diese Konzentration zu risikoreich ist, dem bieten ETFs auf gleich gewichtete Indices wie beispielsweise auf den MSCI World Equal Weight Index eine gute Alternative. Auch hier wird derselbe „Weltaktienindex“ abgebildet, mit dem entscheidenden Unterschied, dass alle Aktientitel gleich gewichtet sind und nicht, wie in den klassischen MSCI World ETFs, ein stärkeres Gewicht auf Unternehmen mit hoher Marktkapitalisierung legen. Das reduziert das Klumpenrisiko sowohl auf Regionen als auch auf Sektoren bezogen. US-Aktien machen hier „nur“ noch rund 41 Prozent und der IT-Sektor nur noch etwa 13 Prozent des gesamten Index aus.

Wer dagegen auch die aufstrebenden Schwellenländer in seinen „Weltaktienindex“ integrieren möchte, kann auf ETFs auf den MSCI All Country World Index (ACWI) in Betracht ziehen. Dieser Index umfasst mit 2.975 Aktien deutlich mehr Titel als der klassische MSCI World. Neben Unternehmen aus den 23 Industriestaaten sind hier auch 27 Schwellenländer enthalten, darunter etwa Indien, Brasilien, China und die Türkei. Der Nachteil dieses Index ist jedoch wieder die Gewichtung nach Marktkapitalisierung, was auch hier dazu führt, dass die USA (60 Prozent) und der IT-Sektor (23 Prozent) überproportional stark vertreten sind.

***

André Jasch arbeitet als freier Journalist und hat International Business in Berlin studiert.


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