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Silber richtig kaufen – und was Sie sonst noch über dieses Edelmetall wissen sollten

Lesezeit: 6 min
24.01.2022 14:29  Aktualisiert: 24.01.2022 14:29
Silber ist ein Gewinner der Corona-Krise. Der Preis ist seit März 2020 um über 20 Prozent gestiegen. Doch zuletzt performte das Edelmetall schwach. Lohnt sich der Kauf noch – und was sollten Anleger beachten?
Silber richtig kaufen – und was Sie sonst noch über dieses Edelmetall wissen sollten
In der Industrie wird Silber gebraucht. Nicht nur deswegen ist es bei Anlegern beliebt. (Foto: iStock.com/Bet_Noire)
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Gold und Silber haben sich in den vergangenen zwölf Monaten kurios entwickelt. Trotz Zinsen unter der Inflationsrate, Rekordschulden und anziehender Inflation performten beide Edelmetalle schwach. Seit dem Kurshoch von 24,82 Euro im August 2020 fiel der Preis auf rund 20 Euro. Manche Beobachter rufen sogar bereits das Ende von Gold und Silber als Inflationsschutz aus.

Für gewöhnlich gilt Silber als etwas spekulativer als Gold. Das Edelmetall entwickle sich vor allem in Zeiten des Aufschwungs und von wachsenden Inflationsraten besser, schreiben Rahim Taghizadegan und Ronald Stöferle in ihrem Buch Österreichische Schule für Anleger. Silber ist konjunkturgetriebener: die Hälfte der Silberproduktion fließt in die Industrie – beim Gold sind es bloß rund zehn Prozent.

Was sind die Nachteile von Silber?

Die Preise von Gold und Silber sind volatil. Seit den Siebzigerjahren schwankte der Goldpreis ungefähr so sehr wie die Aktienkurse. Der Silberpreis gilt sogar als noch unbeständiger, weil der Konjunkturverlauf die Nachfrage stärker beeinflusst. Außerdem braucht Silber viel Platz, was die Lagerung teurer macht als beim Gold. Ein 100-Gramm-Goldbarren im Wert von 5.200 Euro passt in eine kleine Streichholzschachtel. Die gleiche Summe in Silber entspricht aktuell etwa sechs Münzbarren, von denen jeder so voluminös wie ein Smartphone ist. Silber kann außerdem anlaufen, was den Wert einer Münze mindert. Anleger sollten Silbermünzen luftdicht in sogenannten Blistern – also Plastiktaschen – oder noch besser in Plastikkapseln lagern.

Was sind die Vorteile von Silber?

Silber gilt als Profiteur der Energiewende. Etwa rechnet die Commerzbank mit steigenden Preisen. Im Autobau sei Silber aufgrund seiner überlegenen elektrischen Eigenschaften schwer zu ersetzen, schreiben Analysten der Bank in einem Bericht vom November. Viele Anwendungsbereiche seien wesentlich für die Erfüllung der verschärften Umweltstandards. Laut dem Silver Institute enthalten batteriebetriebene Autos mit 25 bis 50 Gramm etwa doppelt so viel Silber wie Verbrenner. Auch in die Photovoltaikindustrie fließen bereits 100 Mio. Unzen pro Jahr – das sind rund zehn Prozent der Gesamtproduktion. Nach Schätzungen könnte diese Zahl auf 185 Mio. Unzen in den kommenden zehn Jahren steigen. Außerdem sind die natürlichen Silbervorkommen endlich und womöglich bereits im Jahr 2045 erschöpft. Schon in diesem Jahr rechne man mit einem Unterangebot von 10 Millionen Unzen, sagt Rainer Beckmann, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung ficon. „Privatanleger und Silberinvestoren könnten einen Teil dieser Lücke schließen, indem sie sich von ihren Anlagen in Münzen und Barren trennen“, erklärt Beckmann. „Dies wird aber, wenn überhaupt, nur zu wesentlich höheren Kursen passieren.“

Ist Silber besser als Gold?

Beckmann sieht Silber zurzeit im Vorteil. „Der Erwerb von Goldmünzen oder -barren in vernünftigen Größen ist teuer und nicht für jeden darstellbar“, sagt er. Wer eine Anlagemünze wie den Maple Leaf Silber mit einem Gewicht von einer Feinunze (31,1 Gramm) kauft, zahlt momentan gerade einmal 25 Euro. Nachteil: Silber ist höher besteuert als Gold. Gewöhnliche Barren fallen unter die Mehrwertsteuer von 19 Prozent, während Anlagegold mehrwertsteuerfrei ist. Anleger sollten darum differenzbesteuerte Anlagemünzen und Münzbarren zu kaufen. Hier fließen bloß rund 7 Prozent an den Staat.

Wie können Anleger in Silber investieren?

Neben Münzen und Barren können Anleger auch ETFs, ETCs (Exchange Traded Commodities = börsengehandelte Rohstoffe) und Futures kaufen. Rainer Beckmann rät aber zu physischen Lieferungen: „Wer das Metall direkt besitzt, gewinnt höchste Sicherheit, da ihm das Edelmetall dann wirklich gehört und nicht rein über ein Wertpapier abgebildet wird.“ In einem Tresor oder einem Bankschließfach lasse sich eine große Menge lagern. Bei Wertpapieren wie ETCs, ETF-Anteilen oder Futures dürften die Nebenkosten geringer sein. Bei ETCs – also börsengehandelten Wertpapieren, die meist durch physisches Silber gedeckt sind – zählen die Silberlagerbestände aber nicht als Sondervermögen. Geht der Emittent pleite, fließt das Silber in die Insolvenzmasse. Ein Future ist ein Finanzkontrakt, der ein börsengehandeltes Termingeschäft zum Gegenstand hat, und ist deswegen nicht durch physisches Silber gedeckt. Alternative: Ein ausländisches Zollfreilager. Hier vermeiden Anleger die Mehrwertsteuer bei den Weißmetallen Silber, Platin und Palladium.

Sind Silberminenaktien eine gute Wahl?

Minenaktien sind eine Anlage für Experten, ebenso wie Sammlermünzen. Bei Minenaktien investieren die Anleger nicht in den Silberpreis, sondern in die Entwicklung der Silberindustrie. Die Kurse folgen zwar häufig dem Silberkurs, müssen das aber nicht zwangsläufig.

Münzen oder Barren?

Der Edelmetallhändler Tim Schieferstein rät zu Silbermünzen mit einem Gewicht einer Unze oder einem Kilogramm. Das seien die gebräuchlichsten Stückelungen. Silber-Münzbarren hätten zwar einen günstigeren Grammpreis, seien aber international weniger gefragt, erklärt Schieferstein in einem Interview. „Wer mit dem Gedanken spielt, auszuwandern, fährt mit Maple Leaf oder Britannia besser.“ Münzbarren seien für den deutschen Markt konzipiert worden, um die Mehrwertsteuer zu umgehen. Auf Münzbarren fallen rund 7 Prozent Steuern an, auf normale Silberbarren hingegen 19 Prozent.

Welche Münzen sind am besten?

Schieferstein rät bei Gold und Silber zum Maple Leaf oder Britannia von einer Feinunze. „Diese beiden Münzen haben einen hohen Feingehalt, sind sehr günstig, haben ein attraktives Erscheinungsbild und Sicherheitsfeatures“, erklärt der Edelmetallhändler. Zu den Sicherheitsfeatures zähle der Feingehalt von 99,99 Prozent, das aufwendige Münzbild und eine Sicherheitsprägung. Beide Münzen würden darum als fälschungssicher gelten. Beim Silber empfiehlt Schieferstein die Maple-Leaf-Münze. Das sei die einzige Silbermünze mit einem Anlaufschutz. Milchflecken, die den Wert mindern könnten, seien beim Maple Leaf unwahrscheinlich.

Wo kann ich Silber sicher verwahren?

Neben dem Bankschließfach setzen manche Anleger auf den eigenen Tresor. So haben sie auch in einer Krise Zugriff, um tauschen zu können. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann die Münzen bei der Hausratversicherung gegen Diebstahl versichern. Silber lässt sich aber auch kostenfrei verstecken. Nach Schätzungen dauern die meisten Einbrüche bloß wenige Minuten. Allerweltsverstecke wie der Kleiderschrank sind allerdings keine gute Wahl. Besser sind ungewöhnliche Orte oder eigens präparierte Hohlräume an Möbeln oder Wänden.

Wo kann ich Silber kaufen?

Im Internet dürfte es die günstigsten Angebote geben. Dafür ist im Tafelgeschäft ein anonymer Kauf möglich. Erst ab einer Summe von 2000 Euro muss ein Händler die Personalien aufnehmen, wenn der Kunde bar bezahlt. Anleger können die Seriosität des Händlers über Vergleichsportale wie gold.de prüfen. Ein gutes Zeichen ist, wenn der Händler mehrere Jahre am Markt ist und Mitglied des Berufsverbands des deutschen Münzfachhandels ist.

Was macht Silber besonders?

Silber ist einer der besten lichtreflektierenden und stromleitenden Stoffe der Welt. Silber-Zink-Batterien gelten bereits als Alternative zu Lithium-Batterien, weil sie mehr Energie speichern können. In vielen Industrien ist Silber unverzichtbar geworden – etwa steckt es in jedem Auto, Smartphone oder Computer. Außerdem wirkt das Edelmetall keimtötend. Schon Hippokrates empfahl es zur Wundheilung. Noch vor dem Ersten Weltkrieg – bevor Antibiotika entdeckt wurden – behandelte man mit Silber Verwundete.

***

Elias Huber arbeitet als freier Journalist in Frankfurt am Main und hat Volkswirtschaftslehre in Mannheim und Madrid studiert.


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