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27.05.2021 12:13  Aktualisiert: 27.05.2021 12:13
Die Inflation ist zurück. Nach Jahren niedriger Inflationsraten führen die Konjunkturpakete in den USA und Europa und die weltweite wirtschaftliche Erholung zu einem sprunghaften Anstieg der Geldentwertung. Wie können sich Privatanleger dagegen schützen?
Wie Sie Ihr Vermögen vor Inflation schützen
Durch steigende Preise verlieren Privatanleger an Kaufkraft und ihr Vermögen sowie die Renditen ihrer Investition werden durch die Geldentwertung aufgezehrt. (Foto: iStock.com/Michis-Fotos)
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Jahrelang kamen Anleger und Investoren in den Genuss niedriger Inflationsraten. Die Geldentwertung lag in den letzten Jahren konstant unter dem von Zentralbanken ausgegebenen Richtwert von 2 Prozent – und das obwohl diese die Finanzmärkte seit 2008 mit Billionen geflutet haben. Die Inflation war bisher lediglich in wenigen Anlageklassen zu spüren. So eilen die Aktienmärkte seit Jahren von einem Hoch zum nächsten und auch Immobilienpreise kletterten in immer neue Höhen. Doch die Verbraucherpreise, also die Preise für Güter des täglichen Bedarfs, sind größtenteils stabil geblieben oder zeitweise sogar gesunken.

Investoren warnen vor steigender Inflation

Dabei warnen prominente Investoren bereits seit Monaten vor einer Rückkehr der Inflation. Darunter ist auch Michael Burry, CEO des Hedgefonds Scion Capital. Burry erlangte weltweite Berühmtheit als er die Finanzkrise von 2008 voraussagte und mit Wetten auf den Einbruch des US-Hypothekenmarktes Millionen verdiente. Nun warnt „Mr. Big Short“ erneut, dieses Mal vor stark steigender Inflation. In einem inzwischen gelöschten Tweet schrieb Burry:

„Bereitet euch auf eine #Inflation vor. Wiederöffnung und (Kauf-)Anreize sind im Anmarsch. Vor der Ausbreitung von Covid-19 brauchte es 3$ Schulden, um 1$ des Bruttoinlandsprodukts zu schaffen. Jetzt ist es noch schlimmer. In einer inflationären Krise werden die Regierungen versuchen, konkurrierende Währungen zu zerschlagen. $BTC #gold.“

Damit teilt Burry dieselben Sorgen wie führende US-Ökonomen, darunter etwa der ehemalige US-Finanzminister und Chefökonom der Weltbank Larry Summers. Er warnte kürzlich auf einer Notenbanker-Konferenz in Atlanta, dass eine Wiederöffnung der US-Wirtschaft gekoppelt mit gigantischen Konjunkturprogrammen (15 Prozent der US-Wirtschaftsleistung) zu einer Überhitzung der Wirtschaft und rapide steigender Inflation führen werde.

Verbraucherpreise in USA und Europa steigen sprunghaft an

Genau diese Befürchtung scheint nun einzutreffen. Die US-Verbraucherpreise stiegen im April um 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr und damit so stark wie seit 1996 nicht mehr. Zwar hatte die US-Zentralbank mit „vorübergehend steigender Inflation“ gerechnet, doch die aktuellen Zahlen übertrafen diese Erwartungen deutlich. Die Effekte sind jedoch nicht nur auf die USA begrenzt, sondern auch in Europa spürbar. Die nun einsetzende wirtschaftliche Erholung führt bereits zu Lieferengpässen, etwa bei Holz und Computerchips. In einer Umfrage des ifo-Instituts berichteten 45 Prozent der produzierenden Unternehmen von Lieferengpässen, der höchste Wert seit 1991.

Die Inflation im Euro-Raum steigt bereits seit Anfang des Jahres stark an. Während Ende 2020 noch deflationäre Tendenzen zu beobachten waren, erreichte die Teuerungsrate im März 1,3 Prozent und im April sogar 1,6 Prozent. Laut führenden Volkswirten wird sich dieser Trend bis zum Jahresende fortsetzen. So prognostizierte etwa die Bundesbank in ihrem jüngsten Monatsbericht, dass sie einen Anstieg der Inflation bis zum Jahresende auf 4 Prozent für realistisch hält.

Für Privatanleger bedeuten diese Aussagen schlechte Nachrichten. Wie Milton Friedman (1912-2006), US-Ökonom und Wirtschafts-Nobelpreisträger, einst sagte, ist „Inflation Besteuerung ohne Gesetzgebung“. Durch steigende Preise verlieren Privatanleger an Kaufkraft und ihr Vermögen sowie die Renditen ihrer Investition werden allmählich durch die Geldentwertung aufgezehrt. Es gibt jedoch ein paar Möglichkeiten, mit der steigenden Inflation umzugehen.

Edelmetalle haben sich bewährt

Klassischerweise gelten Sachwert-Investments als Absicherung gegen Inflation. Darunter fallen all jene Güter, die sich nicht einfach beliebig vervielfachen lassen. In erster Linie zählen dazu die Edelmetalle Gold, Silber und Platin. In inflationären Zeiten gewinnen diese an Wert. Am Goldpreis kann man diesen Trend aktuell schon erkennen. Anfang März notierte Gold noch bei 1.418 Dollar je Feinunze. Seitdem Bekanntwerden der steigenden Verbraucherpreise in März und April kletterte der Goldpreis auf über 1.540 Dollar je Feinunze.

Doch es gibt auch Argumente, die derzeit gegen Gold und andere Edelmetalle als Inflationsschutz sprechen. Die Wirtschaft in Europa und den USA tritt nach der Pandemie in eine Phase der Konjunktur ein. In diesen Phasen bekommt Gold als Anlageform häufig Gegenwind, während andere Anlageformen wie Aktien und Anleihen im Kurs steigen. Dementsprechend könnten die positiven Effekte auf den Goldpreis durch steigende Inflation sich mit den negativen Effekten durch eine anziehende Konjunktur ausgleichen.

Dieser Ansicht ist etwa Russ Koesterich, Portfoliomanager des Global Allocation Fund von BlackRock. In einem Blogbeitrag schreibt Koesterich, dass der Inflationsschutz von Gold übertrieben dargestellt werde. Zwar sei das Edelmetall über einen sehr langen Zeitraum eine vernünftige und werterhaltende Anlageform, doch über kürzere Anlagezeiträume weniger zuverlässig. Allerdings räumt der Blackrock-Manager ein, dass Gold nach wie vor eine gute Wette auf einen sinkenden Dollar-Preis sei.

Ausgewählte Aktien können Schutz vor Inflation bieten

Zu den Sachwert-Investments zählen auch Aktien. Wie diese sich in inflationären Zeiten entwickeln, ist jedoch umstritten. Zwar gibt es Zeiten, in denen Aktien die Verluste durch Inflation gut kompensieren, doch ist der Aktienmarkt deutlich volatiler als andere Anlageklassen. Dadurch ist der Inflationsschutz empirisch schwer nachweisbar. Als zum Beispiel die Inflation in Deutschland in den 70er-Jahren zwischen fünf und acht Prozent betrug, waren Aktien für Privatanleger keine gute Investitionen. Denn höhere Inflation bedeutet auch, dass Unternehmen höhere Zinsen für Kredite bezahlen müssen. Außerdem schwinden die Gewinnmargen der Unternehmen durch höhere Einkaufspreise. Beides kann sich negativ auf Aktien auswirken.

Eine Untersuchung der Genfer Banque Pictet hat die US-Aktienrenditen in 30 Inflations- und Deflationsphasen seit 1871 analysiert. Das Ergebnis überrascht: Bei moderaten Inflationsraten zwischen zwei und sechs Prozent schnitten US-Aktien besser ab andere Anlageklassen. So erzielten Aktien in diesen Phasen mit durchschnittlich 14,1 Prozent deutlich mehr Ertrag als Anleihen (5,4 Prozent), Immobilien (6,3 Prozent) und Ackerland (9,7 Prozent). In Phasen galoppierender Inflation mit zweistelligen Inflationsraten verbuchten auch Aktien dagegen einen realen Wertverlust.

Privatanleger sehen sich am Aktienmarkt jedoch noch mit einem anderen Problem konfrontiert: Aktien sind derzeit historisch gesehen sehr teuer. Die Billionen Dollar und Euro, die die Zentralbanken seit der Finanzkrise in den Markt gepumpt haben, haben die Aktienpreise auf immer neue Höhen getrieben und dabei teilweise komplett von Fundamentaldaten entkoppelt. Wenn sich Anleger dennoch entscheiden, auch in inflationären Zeiten in Aktien zu investieren, sollten sie ihre Anlagestrategie entsprechend anpassen.

Als Faustformel gilt dabei: Aktien von Unternehmen auswählen, die notwendige Produkte herstellen und damit von Verbrauchern nicht einfach eingespart werden oder durch billigere Produkte ersetzt werden können. Dazu zählen etwa Energie- und Rohstoffunternehmen, aber auch Immobilienunternehmen, die finanziell solide aufgestellt sind. Dazu dürften sich die Aktien globaler Marktführer auch unter steigender Inflation gut entwickeln.

Immobilien-Investments als Krisenabsicherung

Immobilien gelten ebenfalls als klassischer Inflationsschutz. An erster Stelle stehen dabei selbstgenutzte Immobilien. Doch nach Jahren des Immobilienbooms sind bezahlbare Häuser oder Eigentumswohnungen nur noch schwer zu finden. Der Hauptgrund: Allein in den letzten fünf Jahren haben sich die Preise verdoppelt. Ob dieser Trend anhält, ist jedoch zweifelhaft. Die demografische Veränderung könnte zu einem mittelfristigen Wertverlust bei Immobilien führen. Denn die für die Nachfrage relevante Bevölkerungsschicht der 30- bis 45-Jährigen wird immer kleiner.

Hinzu kommt die Tatsache, dass die steigenden Holzpreise die Baukosten für Häuslebauer in die Höhe treiben. Wer dennoch ein attraktives Objekt für die eigene Nutzung findet, kann derzeit noch sehr günstige Finanzierungskosten bauen. Neben selbstgenutzten Immobilien können sich auch Investitionen in Mietobjekte auszahlen. Lukrativ sind dabei vor allem Mehrparteienwohnhäuser in wirtschaftlich starken Regionen wie Stuttgart, Frankfurt, München oder Hamburg. Wem dieses Investment zu riskant ist, der kann auch über diverse Immobilienfonds in den anhaltenden Bauboom investieren. Der Vorteil dabei ist die Risikostreuung auf mehrere Bauprojekte.

Schließlich bietet sich noch die Möglichkeit, in Grund und Boden zu investieren, der auch in inflationären Zeiten nicht an Wert verliert. Hierbei stehen Wald und Ackerland hoch im Kurs. Denn Holz- und Landwirtschaft werden auch in Zeiten steigender Preise immer benötigt und können nicht einfach eingespart werden. Schnäppchen sind leider auch hier selten geworden, da die Preise für Wald- und Ackerland in den letzten Jahren ebenfalls stark gestiegen sind. Der entscheidende Faktor für Investoren ist hierbei der Standort sowie die professionelle Bewirtschaftung durch Land- oder Forstwirte.


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