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Der Weltraum wird privat und eröffnet Anlegern neue Chancen

Lesezeit: 8 min
18.06.2021 11:14  Aktualisiert: 18.06.2021 11:14
Privatunternehmen drängen in den Kosmos. Prominente Vorreiter wie SpaceX und Blue Origin bringen Satelliten ins All, versorgen die Raumstation ISS und bieten bald die ersten Weltraumflüge an. Wir zeigen Ihnen Aktien und ETFs, mit denen auch Privatanleger von dem Trend profitieren können.
Der Weltraum wird privat und eröffnet Anlegern neue Chancen
Für Privatanleger öffnen sich immer mehr Chancen, in Unternehmen zu investieren, die im Weltall aktiv sind. (Foto: iStock.com/Bulat Silvia)
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Als die Falcon-9-Rakete am 8. April 2016 nach erfolgreicher Mission im All auf dem autonomen Schiff „Of Course I Still Love You“ landete, war dies ein historischer Tag für die private Raumfahrt. Es war das erste Mal in der Geschichte, dass eine Rakete nach ihrer Nutzung wieder erfolgreich wieder auf der Erde landete und somit für künftige Missionen wiederverwendet werden konnte. Dies war insofern ein Meilenstein, da es die Kosten für Raketenstarts in Zukunft beträchtlich senken könnte.

Gelungen war diese Sensation dem US-Unternehmen SpaceX um Gründer und Visionär Elon Musk. Der Südafrikaner gilt als großer Fan der Science-Fiction-Bücher des schottischen Autoren Iain M. Banks und benannte daher die autonom im Meer schwimmenden Plattformen, auf denen die Falcon-Raketen nach ihrer Mission landen, allesamt nach Raumschiffen aus Banks „Culture Novels“: „Of Course I Still Love You“, „Just Read The Instructions“ und „A Shortfall of Gravitas“. Dem Meilenstein waren viele – teils spektakuläre – Fehlschläge vorangegangen. Eine nach der anderen Falcon-Rakete zerschellte nach ihrer Rückkehr auf den schwimmenden Plattformen.

Privatunternehmen erobern den Kosmos und haben große Pläne

Nur fünf Jahre später führte SpaceX dann den ersten bemannten Flug mit einer recycelten Falcon-9-Rakete durch. An Bord waren vier Astronauten und ihr Ziel war die internationale Raumstation ISS. SpaceX hat schon vor Jahren milliardenschwere Verträge mit der US-Raumfahrtbehörde NASA zur Versorgung der Raumstation unterschrieben. Das US-Unternehmen ist neben der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos der einzige Anbieter bemannter Raumflüge zur ISS. Dazu bringt SpaceX für zahlreiche private und staatliche Auftraggeber Satelliten in den Orbit.

Das Geschäft läuft dabei so gut, dass SpaceX den bisherigen Weltmarktführer für Satellitenstarts Arianespace schon 2017 ablöste. Eines der Großprojekte von SpaceX heißt Starlink. Dabei handelt es sich um ein Satellitennetzwerk, mit dem das Unternehmen von Elon Musk schnelles Internet auch in entlegenen Teilen der Welt bereitstellen will. Bisher wurden dafür bereits mehr als 1.000 Satelliten in die Erdumlaufbahn transportiert. Das Vorhaben scheint maßgeblich dazu beigetragen zu haben, dass sich sogar Google mit einer Milliarde Dollar an SpaceX beteiligte.

Dabei ist SpaceX ist nicht das einzige Privatunternehmen, dass in der Raumfahrtindustrie mitmischt und regelmäßig für Schlagzeilen sorgt. Auch Milliardär Jeff Bezos, Gründer von Amazon, hat sich mit seinem Unternehmen Blue Origin in den ehemals staatlich dominierten Sektor gewagt. Blue Origin hat es auf das Feld des Weltraumtourismus abgesehen. Bezos Unternehmen will Weltraumflüge unterhalb des Erdorbits anbieten und führte kürzlich eine Versteigerung für den ersten Rundflug durch. Den zehnminütigen Rundflug mit dem Amazon-Gründer in 100 Kilometern Höhe ließ sich ein Bieter 28 Millionen Dollar kosten. Dazu nutzt Blue Origin genau wie SpaceX recyclebare Raketen. Außerdem arbeitet das Unternehmen an einem Mondfahrzeug.

SpaceX und Blue Origin sind nur die bekanntesten Vertreter eines wachsenden Marktes. Die Motivation der Privatunternehmen ist unterschiedlich. Die einen sehen im Weltraumtourismus einen Markt der Zukunft. Andere haben erkannt, dass sich die führenden Weltraumnationen ihre extrem teuren Raumfahrtprogramme nicht mehr leisten können oder wollen. Sie versuchen durch innovative Technologien (wie SpaceX durch seine recyclebaren Raketen) die Kosten der Raumfahrt drastisch zu senken und sich dadurch langfristige und milliardenschwere Staatsverträge zu sichern. Dazu kommt eine ganze Palette von Privatunternehmen, die die nötige Technologie entwickeln, etwa im Bereich der Satellitenherstellung und -wartung, dem Bau der Trägerraketen oder Unternehmen aus dem Bereich satellitengestützter Telekommunikation.

Wie Privatanleger in die Raumfahrtindustrie investieren können

Der Raumfahrtsektor ist ein Wachstumsmarkt. Das Feld ist hochkomplex und wird geprägt von Hightech-Unternehmen. Analysten schätzen das Potenzial des Marktes als sehr groß ein. Derzeit wird die private Raumfahrtindustrie auf 400 Milliarden US-Dollar geschätzt und könnte bis 2045 die Marke von 2,7 Billionen US-Dollar erreichen. Gibt es für Privatanleger eine Möglichkeit, sich an diesem Trend zu beteiligen?

Zunächst einmal werden SpaceX und Blue Origin (noch) nicht an der Börse gehandelt. Elon Musk kündigte erst kürzlich an, dass er das Satellitennetzwerk Starlink vermutlich getrennt von SpaceX an die Börse bringen werde, aber erst „in einigen Jahren, wenn das Umsatzwachstum stabiler und vorhersagbarer ist“. Der Börsengang von SpaceX wird immer wieder vermutet, liegt aber wohl auch noch in ferner Zukunft. Bis es so weit ist, sind die Aktien Privatanlegern nicht zugänglich.

Ähnlich sieht es bei Blue Origin aus. Die Aktien des Unternehmens werden nicht öffentlich gehandelt und obwohl die Raumfahrtindustrie ein extrem teures Unterfangen ist, hat Blue Origin derzeit keine Geldsorgen. Warum auch, wenn der Chef der reichste Mann auf dem Planeten ist? Bezos stieß kürzlich Amazon-Aktien im Wert von zwei Milliarden Dollar ab, um Blue Origin mit frischem Kapital zu versorgen.

Welche Möglichkeiten bleiben Privatanlegern also, um in die Raumfahrt zu investieren? Es gibt eine Reihe von Unternehmen, die ebenfalls direkt oder indirekt in dem Sektor aktiv sind und deren Aktien auch handelbar sind. Wir haben im Folgenden vier vielversprechende Aktien für Sie aufgelistet. Außerdem stellen wir Ihnen die Möglichkeit vor, sich über ETFs an der Raumfahrtindustrie zu beteiligen.

Aktien mit Fokus Raumfahrt

Maxar Technologies (ISIN: US57778K1051): Maxar Technologies ist ein US-Unternehmen, das sich auf die Herstellung und den Betrieb von Satelliten spezialisiert hat. Die Satelliten von Maxar Technologies dienen vorwiegend der Erdbeobachtung und beliefern unter anderem Google Maps mit den nötigen Daten. Dazu entwickelt das Unternehmen auch das nötige Equipment, um Satelliten im Orbit zu versorgen und zu reparieren. In den letzten drei Jahren entwickelte sich die Aktie geradezu phänomenal und legte rund 477 Prozent an Wert zu. Zwischen Juni 2020 und Juni 2021 legte das Wertpapier um rund 142 Prozent zu und notiert aktuell bei rund 40 Dollar.

Virgin Galactic (ISIN: US92766K1060): Virgin Galactic ist das Unternehmen des britischen Milliardärs Richard Branson. Es verfügt über ein sehr ähnliches Geschäftsmodell wie Blue Origin und tritt mit dem Bezos-Unternehmen in direkte Konkurrenz. Virgin Galactic will Weltraumflüge im suborbitalen Bereich für rund 250.000 Dollar pro Ticket anbieten. Später sollen auch Flüge im Erdorbit hinzukommen, sowie wissenschaftliche Missionen im All. In den letzten drei Jahren entwickelte sich die Aktie sehr gut für Anleger. Insgesamt verbuchte sie ein Plus von 207 Prozent. Allein von Juni 2020 bis Juni 2021 legte das Wertpapier um mehr als 136 Prozent zu und notiert aktuell bei rund 34 Dollar.

OHB SE (ISIN: DE0005936124): Die OHB SE ist ein Technologieunternehmen aus Deutschland mit Sitz in Bremen. Die Unternehmensgruppe ist in den Bereichen Raumfahrt, Telematik und Nutzlasten aktiv und bereits seit 2001 an der Börse. Bis heute wird die OHB SE mehrheitlich von der Gründerfamilie Fuchs gehalten (70 Prozent). Im Geschäftsjahr 2019 knackte die OHB SE erstmals die Milliardenmarke beim Umsatz. In den letzten drei Jahren verbuchte die Aktie ein Plus von knapp 17 Prozent. Zuletzt verzeichnete sie allerdings Verluste. Zwischen Juni 2020 bis Juni 2021 gab das Wertpapier rund 14 Prozent nach und notiert aktuell bei 35,80 Euro.

Mynaric AG (ISIN: DE000A0JCY11): Ein weiteres deutsches Unternehmen aus dem Bereich Raumfahrttechnologie heißt Mynaric AG. Das Unternehmen mit Sitz im bayerischen Gichling wurde 2009 von ehemaligen Mitgliedern des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) gegründet und entwickelt Lasertechnologie. Diese soll zur Kommunikation zwischen Satelliten und Flugzeugen eingesetzt werden, in dem Datenmengen mittels Laser über große Distanzen versendet werden. In den letzten drei Jahren legte die Aktie um rund 41 Prozent zu. Zwischen Juni 2020 und Juni 2021 verbuchte sie ein Plus von rund 42 Prozent und notiert aktuell bei 74,60 Euro.

ETFs mit Fokus Weltall

Wem Einzelaktien in Raumfahrtunternehmen zu riskant sind und wer seine Investition lieber etwas streuen möchte, für den bieten sich börsengehandelte Indexfonds (ETFs) an. Wir stellen Ihnen zwei ETFs aus dem Bereich Raumfahrt vor.

ARK Space Exploration & Innovation ETF (ISIN: US00214Q8078): Zu den bekanntesten Weltraum-ETFs zählt der Ende März 2021 gestartete ARK Space Exploration & Innovation ETF. Der Fonds wird von der Gesellschaft ARK Invest unter der Leitung von Investment-Ikone Catherine Wood gemanagt und bildet börsennotierte Unternehmen der Raumfahrtindustrie ab. Der ETF verfügt über ein Fondsvermögen von 63 Millionen Dollar. Zu 80 Prozent wird das Vermögen innerhalb der USA investiert, wo ohnehin der Mehrheit der privaten Raumfahrtunternehmen ihren Sitz hat. Der Handelsstart verlief äußerst erfolgreich: Gemessen am Volumen verzeichnete der ETF den achtstärksten Handelsauftakt aller Zeiten. Die Gesamtkostenquote des ETF liegt bei 0,75 Prozent.

Procure Space Ucits ETF (ISIN: IE00BLH3CV30): Vor wenigen Tagen startete an der Frankfurter Börse der Handels des Raumfahrtfonds Procure Space Ucits ETF. Der Indexfonds lief erstmals am 15. Juni unter dem Kürzel Yoda über die Ticker. Der ETF bildet den S-Network Space Index ab, in dem 30 Unternehmen aus der Raumfahrtindustrie gelistet werden. Die gelisteten Unternehmen müssen entweder mindestens 20 Prozent ihrer Umsätze aus dem Raumfahrtsektor generieren oder ihre Einnahmen auf diesem Gebiet müssen über 500 Millionen Dollar jährlich liegen. Der Index besteht unter anderem aus Anbietern für satellitengestützte Telekommunikation, Raketenherstellung und -wartung, Produzenten von Raumfahrttechnologie sowie weltraumgestützter Bilddienste. Mit 71 Prozent dominieren US-Unternehmen den Index. Die Gesamtkostenquote des ETF liegt bei 0,75 Prozent.

Risikohinweis: Wertentwicklungen der Vergangenheit sind keine Garantie für zukünftige Erträge.

Disclaimer: Alle Aktienkurse wurden mit finanzen.net ermittelt (Stand: 17. Juni 2021)


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