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Der neue Bitcoin-ETF ist eine Falle – wie einst der erste Gold-ETF

Lesezeit: 6 min
25.10.2021 11:35  Aktualisiert: 25.10.2021 11:35
Der weltweit erste Bitcoin-ETF hat den Handel aufgenommen. Doch der Goldexperte Tom Luongo warnt Anleger. Denn er kennt diese verführerisch-verhängnisvolle Falle bereits vom Goldmarkt.
Der neue Bitcoin-ETF ist eine Falle – wie einst der erste Gold-ETF
„Ich habe diese Geschichte schon einmal gesehen ... bei Gold und Silber“, warnt Tom Luongo. (Foto: iStock.com/bodnarchuk))
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Nachdem die US-Börsenaufsicht SEC den ersten börsengehandelten Bitcoin-Fonds genehmigt hatte, den ProShares Bitcoin Futures ETF (BITO), hat dieser in der letzten Woche den Handel aufgenommen. Der Fonds verzeichnete historische Geldzuflüsse von Investoren. In der Folge erreichte Bitcoin vorübergehend ein neues Allzeithoch jenseits von 67.000 Dollar und liegt weiterhin deutlich über der Marke von 60.000 Dollar.

Zahlreiche Befürworter von Bitcoin erwarten vor diesem Hintergrund nun weitere starke Investitionen und Kursanstiege für Bitcoin. Doch der langjährige Marktbeobachter und Goldspezialist Tom Luongo ist skeptisch. Er verweist auf die Struktur des Bitcoin-ETF und warnt: „Ich habe diese Geschichte schon einmal gesehen ... bei Gold und Silber.“

Luongo erinnert an die Einführung des ersten börsengehandelten Gold-Fonds, der das angebliche Liquiditätsproblem von Gold lösen sollte und von Goldanlegern gefeiert wurde. Doch der angeblich physisch gedeckte SPDR Gold ETF, der heute SPDR Gold Shares ETF heißt, musste laut Prospekt gar kein physisches Gold einer bestimmten Qualität halten, sondern konnte auch das sogenannte „Papiergold“ halten.

Und eben weil dieser Gold-ETF auch durch „Papiergold“ gedeckt werden konnte, floss eine großer Teil der Investorennachfrage nach Gold in diese Papiere, was kaum eine positive Wirkung für den Goldpreis hatte. Genau das Gegenteil war der Fall. Der physische Spotmarkt und der Devisenhandel mit Gold wurden entlastet, und die viele Kleinanleger wurden an den Finanzspekulationen der Wall Street beteiligt.

ETF ist nicht gedeckt

Beim neuen Bitcoin-ETF ist die Deckung mit Bitcoin nun überhaupt nicht mehr gegeben. Denn es handelt sich ausdrücklich um einen Futures-ETF. Der Fonds wird nur mit Bitcoin-Terminkontrakten auf den ersten Monat verwenden, die an der Chicagoer Börse CME gehandelt werden. Dabei handelt es sich zudem um in Dollar abgerechnete Kontrakte. Es sind lediglich Wetten auf Bitcoin. Bitcoin selbst wird gar nicht gebraucht.

Im übrigen werden auch die meisten Gold-Futures ohne das Edelmetall und nur in Cash abgewickelt. Denn viele Investoren wollen einfach eine Möglichkeit, um Dollar- oder Euro-Risiken mit Gold abzusichern. „Daran ist an sich auch nichts auszusetzen“, sagt Luongo. Aber es sollte nicht der gesamte Markt sein, und die ETFs sollten auch nicht so vermarktet werden, als ob sie in physisches Gold investieren würden.

Selbst bei der Lieferung von Gold hat es schon mehrere Fälle gegeben, wo dem Käufer ein Ausgleich in Cash aufgezwungen wurde, vermutlich weil das Gold nicht vorhanden war. Dies ist auch vertraglich so festgehalten. Die New Yorker Warenterminbörse COMEX behält sich das Recht vor, das Gold der Investoren bei höherer Gewalt nicht physisch auszuliefern, sondern in Form von Dollar.

„Terminkontrakte dieser Art schaffen nichts weiter als ein synthetisches Angebot für Spekulanten, die damit auf den Preis eines Vermögenswerts wetten können, ohne jemals mit dem Vermögenswert selbst handeln zu müssen. Dadurch werden die Nachfrage nach diesem Vermögenswert und das Risiko, das mit seinem Besitz verbunden ist, absorbiert“, sagt Luongo.

Durch Futures entsteht keine echte Nachfrage nach dem Rohstoff, auf den gewettet wird. Auch der Bitcoin ETFs wird also keine Nachfrage nach einem der insgesamt 21 Millionen Bitcoin erzeugen. Es handelt sich lediglich um sogenannte Differenzkontrakte, bei denen man auf einen steigenden beziehungsweise auf einen fallenden Preis wettet und nach einer bestimmten Zeit abrechnet.

Futures können den Markt manipulieren

Dennoch beachten die Händler, die mit echten Bitcoin handeln, auch den Futures. Denn auch die „Spekulationen auf Bitcoin“ können sich erheblich auf den Preis auswirken. Diese Art von Spekulation gibt es bereits seit Dezember 2017, als der erste Bitcoin-Futures-Kontrakt an der CME den Handel aufnahm. Nur einen Monat später, im Januar 2018 trat Bitcoin in einen mehr als zweijährigen Bärenmarkt ein.

Termingeschäfte sollen den Erzeugern von Rohstoffen und deren Verbrauchern helfen, Produktion und Verbrauch zeitlich zu koordinieren. Sie sind ein wichtiger Bestandteil eines Marktes, der den Kapitalfluss und die Risikobewertung optimiert. Sie tragen dazu bei, allen Akteuren in der Versorgungskette vor- und nachgelagerter Rohstoffe zu signalisieren, wie die Angebots- und Nachfragestruktur auf diesen Märkten aussieht.

Doch nach Ansicht von Luongo sind die Futures infolge der Geldpolitik heute zu einem „Instrument der Marktmanipulation“ geworden. Denn einige Marktteilnehmer erhalten Zugang zu Unmengen an kostenlosem Geld, das sie zur Spekulation auf den Futures-Märkten einsetzen. „Diese Manipulation der globalen Rohstoffpreise hat massive politische und gesellschaftliche Auswirkungen.“

Wenn Anleger in den SPDR Gold Shares ETF investieren, so kauft der Fonds lediglich Kontrakte an der COMEX hinzu, „die von einer Investmentbank aus dem Nichts gedruckt wurden, die sich Geld von der Fed zu 0 Prozent leiht“, wie Luongo ausführt. Daher haben diese ETF-Investitionen keinen wirklichen Einfluss auf den Goldpreis.

Das Gleiche gilt für alle Bitcoin-ETFs, die keine physischen BTC halten. SEC-Chef Gary Gensler hat diesen ETF jetzt im Eiltempo auf den Weg gebracht hat, nachdem seiner Behörde seit fünf Jahren die Schaffung eines echten Bitcoin-ETFs ablehnt, der nicht mit Bitcoin-Futures, sondern mit echten Bitcoin gedeckt wäre. Letzteres würde die Nachfrage nach Bitcoin wirklich erhöhen und wäre riskanter für die großen Spekulanten.

Echter „physischer“ Bitcoin-ETF wäre denkbar einfach

Die tägliche Abrechnung für einen echten „physischen“ Bitcoin-ETF wäre der am einfachsten zu implementierende ETF überhaupt. Am Ende des Handelstages würde der Fonds einfach eine Transaktion absenden, um den Nettobetrag aller gehandelten Anteile des Bitcoin-ETF für den Tag zu kaufen oder zu verkaufen. In Zeiten höherer Volatilität könnte der Fonds dies sogar stündlich abwickeln.

Aufgrund der Struktur von Bitcoin wäre ein solcher Fonds auch denkbar transparent. „Die Blockchain schafft ein weitaus stabileres Umfeld für die Emission eines Rohstoff-ETFs als jeder andere physische Rohstoff. Es ist ja nicht so, dass wir Lagerhäuser brauchen, um digitale Rohstoffe zu lagern“, sagt Luongo.

Seiner Ansicht schadet der „korrupte“ Futures-basierte Bitcoin-ETF den Anlegern in mehrerer Hinsicht. Zum einen geht es darum, die Nachfrage der Kleinanleger abzuschöpfen, während gleichzeitig massive Handelsgebühren kassiert werden und die ETFs gegen die Positionen ihrer Kunden handeln. „Das Gleiche tun sie mit Gold“, so Luongo.

Der Goldexperte rät Anlegern dazu, in „physische“ Bitcoin zu investieren, so wie er dazu rät in physisches Gold zu investieren. Und wer das nicht wolle oder könne, der solle in den geschlossenen Fonds von Grayscale, GBTC, investieren. Dieser wird zwar nicht an der Börse gehandelt, aber dafür sind seine Anteile mit „physischen“ Bitcoin gedeckt, also einfach mit Bitcoin und nicht mit Bitcoin-Futures.

Sicherlich sind die Handelsgebühren auf echten Bitcoin-Börsen wie Coinbase höher als beim Handel mit Futures oder ETFs. „Das wird absichtlich so gemacht“, sagt Luonog und rät dazu, nicht mit Bitcoin zu handeln, sondern einfach zu investieren und die Bitcoin in einem eigenen Hard Wallet zu speichern. Für eine Bitcoin-Investition brauche man keinen ETF.


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