Börse

Börsen im Höhenrausch: Grund zum Jubel oder gefährliche Blase?

Lesezeit: 3 min
12.03.2021 08:13  Aktualisiert: 12.03.2021 08:13
Angetrieben von der extremen Geldpolitik der großen Zentralbanken hangeln sich die Aktienbörsen von einem Rekord zum nächsten. Doch Skeptiker warnen vor einer Blase.
Börsen im Höhenrausch: Grund zum Jubel oder gefährliche Blase?
Die Börsen verzeichnen weltweit neue Rekorde. (Foto: Pixabay)

Wie entfesselt jagen die Aktienkurse derzeit nach oben. An vielen Börsen folgt Rekord auf Rekord. Auf rund 32.400 Punkte bringt es das weltweit bekannteste Börsenbarometer - der amerikanische Dow Jones Industrial - mittlerweile. Der deutsche Leitindex Dax notierte mit rund 14.600 Punkten so hoch wie nie zuvor. Der schwere Wirtschaftseinbruch im vergangenen Jahr? Vergessen. Seit dem Corona-Crash vor ziemlich genau zwölf Monaten hat der Dax um drei Viertel zugelegt. Dabei hat sich die Wirtschaft zwar erholt, aber noch lange nicht zu alter Stärke zurückgefunden.

Was treibt den Aktienmarkt genau an?

Treibende Kraft des Optimismus sind die Fortschritte bei den Corona-Impfungen. Anleger setzen darauf, dass die Krise bald überwunden ist, keine Lockdowns mehr notwendig sind, sodass die Menschen wieder frei reisen und einkaufen können. Gleichzeitig pumpen Notenbanken und Regierungen Billionen in die Wirtschaft, um die finanziellen Folgen der Pandemie zu mildern. Erst zur Wochenmitte beschlossen die USA ein neues Konjunkturpaket im Umfang von rund 1,9 Billionen US-Dollar (rund 1,6 Billionen Euro). Am Donnerstag kündigte die Europäische Zentralbank an, im Rahmen ihres im Grundsatz unveränderten, milliardenschweren Anleihen-Notkaufprogramms im zweiten Quartal noch mehr aufs Tempo zu drücken. Gerade die Billiggeldflut der Notenbanken liefert seit Jahren Treibstoff für den Aktienmarkt.

Wie weit trägt die Aktienrallye noch, und was sagen die Optimisten?

«Allein am Alter ist noch kein Bullenmarkt gestorben», lautet ein Spruch unter Börsianern mit Blick auf lange Phasen steigender Kurse. Analyst Christian Kahler von der DZ Bank traut dem Dax bis zum Jahresende einen Anstieg auf 15 000 Punkte zu. «Die Dax-Unternehmen sind sehr gut durch das Krisenjahr 2020 gekommen», begründet der Experte seine Zuversicht. Die Gewinne seien wegen der Konjunkturprogramme der Regierungen viel weniger gesunken als in früheren Rezessionen.

Wo liegen die Risiken?

Für Kahler ist ein «stabil prognostizierbarer Verlauf der Corona-Pandemie» die Voraussetzung für eine nachhaltige Erholung. Ein Risiko sieht er in einer denkbaren deutlichen Verschlechterung aufgrund von Virusmutationen.

Abgesehen von einer Verschärfung der Corona-Krise fürchten Investoren vor allem einen überraschenden Inflationsanstieg. Allein die Erwartung einer anziehenden Teuerungsrate hatte Ende Februar und Anfang März vorübergehend für miese Stimmung gesorgt. Denn steigende Zinsen verteuern Kredite für Unternehmen und Geld insgesamt, was das Wirtschaftswachstum zumindest bremsen kann. Auch werden Alternativen zu Aktien, etwa Anleihen und Tages- oder Festgeld, tendenziell attraktiver. Vom Aktienmarkt könnte daher viel Geld in diese Richtung fließen.

Was bedeutet all das für Privatanleger?

Nicht wenige Menschen fürchten, den Börsenzug schon fast verpasst zu haben und sind überzeugt, noch schnell aufspringen zu müssen. Marktexperte Andreas Büchler von Index-Radar sieht den Dax mittlerweile denn auch zwischen einer solchen «Kaufpanik» und einer Überhitzung. Nach dem steilen Kursanstieg der vergangenen Monate könnte sich also erst einmal Geduld auszahlen, die an der Börse ohnehin ratsam ist.

Während kurzfristig agierende Anleger durchaus erst einmal Kasse machen könnten, lohne es sich für mittelfristig orientierte Investoren möglicherweise dabeizubleiben, sagt Büchler. Schließlich sei der Aufwärtstrend noch intakt. Kurzfristige Rückschläge schließt das aber nicht aus. Daher glaubt der Experte: «Frische Käufe könnten allerdings für Geduldige mit etwas Glück irgendwann wieder zu etwas günstigeren Preisen möglich sein.»

Was sagen Skeptiker der Börsenrallye?

Der nur teilweise erholten Wirtschaft drohe womöglich ein weiterer Rückschlag, zumindest aber ein langsameres Wachstum, schrieb Starinvestor Jeremy Grantham, Mitgründer des Fondsanbieters GMO jüngst. Auf jeden Fall seien die Unsicherheiten sehr groß. Dennoch stünden die Aktienindizes viel höher als vor der Krise, als die Wirtschaft noch gut ausgesehen hatte. In Relation zu den tatsächlichen Unternehmensgewinnen seien Aktien in der Vergangenheit nur selten höher bewertet gewesen als derzeit. «Der seit 2009 laufende Bullenmarkt hat sich endgültig zu einer vollwertigen, epischen Blase entwickelt», bringt Grantham seine Sichtweise auf den Punkt. Er vergleicht die Entwicklung mit dem Börsen-Hype vor der Weltwirtschaftskrise von 1929 und dem Dotcom-Rausch zur Jahrtausendwende. Wann solch eine Blase platze, lasse ich aber nur schwer vorhersagen.

Mehr zum Thema lesen Sie hier:

Alle reden von Inflation, doch was wird den großen Preisschub auslösen?

Wenn sich die Börse überhitzt, bringt Gold Sicherheit ins Portfolio

Vermeiden Sie diese 7 Fehler beim Aktienkauf

Die Börse wurde in einen Zirkus verwandelt

„Große Sorge“ um Finanzmärkte: Allianz warnt vor Blase

Auf den Märkten wird die Schwerkraft aufgehoben

***

Altersvorsorge-neu-gedacht.de ist eine Publikation von Bonnier Business Press Deutschland und ist Ratgeber zu den Themen Vorsorge und Geldanlage.

ANG
Börse
Börse Fulminanter Start für Bitcoin-ETFs
27.02.2024

Die zu Jahresanfang in den USA eingeführten Bitcoin-ETFs verzeichnen hohe Zuflüsse. Das beflügelt zugleich den Preis von Bitcoin....

ANG
Geldanlage
Geldanlage Allzeithochs bei den großen Indizes: Jetzt investieren oder lieber warten?
27.02.2024

Zahlreiche Aktienindizes sind kürzlich auf Rekordhochs gestiegen, der deutsche DAX beispielsweise kletterte zuletzt auf ein Rekordhoch von...

ANG
Börse
Börse Börsen beruhigen sich - Dax mit frischem Rekord
27.02.2024

Der KI-Hype an den Aktienmärkten hält vorerst an, wobei die Kurse zuletzt recht konstant blieben. Bei US-Aktien zeigt sich ein gemischtes...

ANG
Geldanlage
Geldanlage EZB tritt Befürchtungen der Banken beim digitalen Euro entgegen
20.02.2024

Die Europäische Zentralbank (EZB) versucht Sorgen unter Banken vor massiven Kontoabflüssen im Zuge der Einführung eines digitalen Euro...

ANG
Immobilien
Immobilien Studie - Preise für Wohnimmobilien 2023 in historischem Ausmaß gesunken
08.02.2024

Die Preise für deutsche Wohnimmobilien sind 2023 einer Studie zufolge so stark gefallen wie seit mindestens 60 Jahren nicht....

ANG
Vorsorge
Vorsorge SPD-Fraktion besteht bei Kinderfreibetrag-Reform auf höherem Kindergeld
16.02.2024

SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich hat betont, dass für die größte Ampel-Regierungspartei eine Erhöhung des Kinderfreibetrages ohne ein...

ANG
Vorsorge
Vorsorge Das Ifo-Institut befürwortet die Koppelung des Rentenalters an die steigende Lebenserwartung.
23.01.2024

"Einige unserer Nachbarländer haben das bereits beschlossen - die Niederlande, Schweden und Finnland", sagte Rentenexperte Joachim Ragnitz...

ANG
Karriere
Karriere Statistikamt - Frauen verdienen 18 Prozent weniger als Männer
31.01.2024

Frauen haben auch im vergangenen Jahr deutlich weniger verdient als ihre männlichen Kollegen.